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Krankenhäusern droht der Kollaps

Krankenhausmitarbeiter machten in Oldenburgs Innenstadt auf die Finanznot in ihren Häusern aufmerksam.

Krankenhausmitarbeiter machten in Oldenburgs Innenstadt auf die Finanznot in ihren Häusern aufmerksam. Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Den Krankenhäusern im Westen Niedersachsens geht buchstäblich die Puste aus. Wenn die Landesregierung nicht schnell die Reißleine zieht, steht nach Einschätzung von Dr. Dirk Tenzer, Geschäftsführer des Klinikums Oldenburg, für zahlreiche Häuser im Oldenburger Land der Kollaps unmittelbar bevor.

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Heute machte die Bezirksarbeitsgemeinschaft der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, der 26 Kliniken mit 5800 Betten und rund 20.000 Beschäftigten angehören, auf die katastrophale Situation im Rahmen der landesweiten Aktion „2Drittel“ öffentlich aufmerksam. Gemeinsam mit Pflegenden informierten Krankenhausmitarbeiter Passanten in Oldenburgs Fußgängerzone über die Lage der Krankenhäuser und forderten sie auf, sich mit ihrer Unterschrift für eine bessere Krankenhausfinanzierung einzusetzen. Die Postkarten sollen noch in diesem Monat an Sozialministerin Cornelia Rundt übergeben werden.

Niedersachsen ist bezüglich des Landesbasisfallwerts im Vergleich zu anderen Bundesländern schwer ins Hintertreffen geraten. Er liegt 40 Euro unter dem Bundesdurchschnitt. So würde das Klinikum Oldenburg im Land Bremen pro Jahr 3,5 Millionen Euro bekommen. Stünde es in Rheinland Pfalz wäre die Summe noch höher. „Das ist nicht einzusehen“, meinen Tenzer und sein Kollege Ulrich Pelster, Geschäftsführer der Krankenhäuser in Lohne und Vechta.

Erst im Oktober hatten die Krankenhäuser Alarm geschlagen, doch ihr Protest verhallte. Die jetzige Postkartenaktion soll ihrer Forderung Nachdruck verleihen. „Wenn jetzt nicht sofort etwas geschieht, schreiben zwei Drittel aller Häuser im Land rote Zahlen“, warnt Dr. Martin Pohlmann, Vorsitzender der Bezirksarbeitsgemeinschaft der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft. „Das liegt aber nicht daran, dass die Häuser schlecht wirtschaften, es liegt an den steigenden Personalkosten und den übrigen Kostensteigerungen wie zum Beispiel bei Energie und Material“, erläutert Ulrich Pelster, Geschäftsführer der Krankenhäuser in Lohne und Vechta.

„So bekommen immer mehr Mitarbeiter nicht die Löhne, die ihnen zustehen“, kritisiert er. „Fast alle Häuser in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta mussten die Vergütungen ihrer Mitarbeiter senken“, berichtet er weiter. Dies geschehe aus der Not heraus wissend, „dass die Leistungen der hervorragenden Kolleginnen und Kollegen damit nicht adäquat bezahlt werden.“ „Die Krankenhäuser werden auf Kosten unserer Mitarbeiter kaputt gespart“, fasst Tenzer zusammen und widerspricht dem Vorwurf, dass es in Niedersachsen zu viele Betten gibt. „Die niedrigste Bettenzahl haben wir in Niedersachsen.“ Und schließlich warnt er: „Würden Kliniken im ländlichen Raum geschlossen, kann dies für den einen oder anderen lebensbedrohlich werden.“

Die Folge all dieser Notstände: Pflegeberufe werden immer unattraktiver und wegen des Spardiktats müssen Pflegekräfte ihre Arbeit immer stärken takten. Sandra Bär vom Klinikum Oldenburg beklagt, dass Krankenschwestern und Pfleger nicht genug Zeit für Patienten haben. „Das Gespräch mit ihnen bleibt auf der Strecke“, klagt sie und manch eine Kraft denkt darüber nach, den Pflegebereich zu verlassen, weil die Arbeit immer anstrengender und unbefriedigender wird.“

Josef Hanneken, Fachkrankenpfleger aus Cloppenburg und stellvertretender Vorsitzender der regionalen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen im Offizialatsbezirk Oldenburg, spricht von einem steigenden Druck auf den Stationen. „Wir bekommen immer mehr Patienten aber nicht mehr Personal. Patienten drohen zu Nummern zu werden, worunter Pflegekräfte immer stärker leiden. Wir pflegen nicht mehr, wir betreiben Schadensbegrenzung“, beschreibt er die Lage.

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