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Karl-Jaspers-Klinik: Neubau einer Jugendforensik

Architekt Jörg Schneider, KJK-Geschäftsführer Axel Weber, Kinder- und Jugendpsychiaterin Bettina Hackenbroch-Hicke (designierte Leiterin der neuen Jugendforensik), Chefarzt Dr. Joachim Dedden, Pflegedienstleiter Holger Bruns und der Sicherheitsbeauftragte Wolfgang Holzenkamp (von links) stellten heute das Bauprojekt vor.

Architekt Jörg Schneider, KJK-Geschäftsführer Axel Weber, Kinder- und Jugendpsychiaterin Bettina Hackenbroch-Hicke (designierte Leiterin der neuen Jugendforensik), Chefarzt Dr. Joachim Dedden, Pflegedienstleiter Holger Bruns und der Sicherheitsbeauftragte Wolfgang Holzenkamp (von links) stellten heute das Bauprojekt vor.
Foto: Anja Michaeli

Wehnen (am) In der Karl-Jaspers-Klinik (KJK) wird eine Jugendforensik mit zwei Stationen und je zwölf Betten entstehen. Heute wurde das Bauprojekt vorgestellt. Die Vorbereitungen sind bereits angelaufen, im Herbst 2015 sollen die ersten straffällig gewordenen und psychisch kranken Patienten aufgenommen werden. Damit ist die KJK das erste psychiatrische Fachkrankenhaus in Niedersachsen, das eine jugendforensische Klinik unter fachärztlicher kinder- und jugendpsychiatrischer Leitung anbieten kann.

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In der Erwachsenenforensik hält die KJK 97 Planbetten auf fünf Stationen mit unterschiedlichen Therapiekonzepten vor. „Es fehlt ein spezifischer Bereich für Heranwachsende“, so KJK-Geschäftsführer Axel Weber. Die Erweiterung der Forensik sei bereits 2007 im Kauf- und Übertragungsvertrag zwischen dem Land Niedersachsen und dem Psychiatrieverbund festgeschrieben worden. Diese Verbindlichkeit würde nun mit dem Neubau einer Jugendforensik eingelöst.

Es werden nur wenige Straftäter in die Jugendforensik eingewiesen. Neben dem schweren Delikt müssen sie vermindert schuldfähig oder schuldunfähig vom Gericht verurteilt werden. Zusätzliche Suchterkrankungen spielen eine immer größer werdende Rolle. Vor einer Unterbringung mit Maßregelvollzug würden erst alle anderen Maßnahmen ausgelotet, erklärt die Kinder- und Jugendpsychiaterin und Oberärztin der Klinik für Forensik, Bettina Hackenbroch-Hicke, die die Jugendforensik in Wehnen leiten wird. Im Durchschnitt verbringen die Kinder und Jugendlichen – hauptsächlich im Alter von 16 bis 21 Jahren – drei Jahre in der Psychiatrie, bevor sie anschließend – in der Regel mit einer fünfjährigen ambulanten Betreuung – wieder in die Gesellschaft integriert und resozialisiert werden. Das bedarf besonderer Maßnahmen und Angebote. Durch das jugendpsychiatrische KnowHow in Verbindung mit der Erfahrung in der Forensik sei die KJK für die Aufgaben gut aufgestellt. Eine Projektgruppe hat sich auf die besonderen Anforderungen vorbereitet. „Daraus sind das therapeutische Konzept und die Überlegungen zum Neubau entstanden“, so Bettina Hackenbroch-Hicke.

Die Sicherheitsanforderungen sind mit einer Justizvollzugsanstalt zu vergleichen. „Es war keine leichte Aufgabe bei dem Bauwerk die Balance zwischen kindgerechtem Bauen und den Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten“, sagt Architekt Jörg Schneider von der gsp Bremen. Alle bewohnbaren Zimmer werden zu den Innenhöfen und Gärten geöffnet sein, die eine Umrandung von 6,50 Meter Höhe erhalten werden. Die gitterlosen Fenster sind mit Stahlelementen versehen und damit ausbruchssicher. Die Zimmer werden mit Betten, Schränken, Schreibtischen und Ablageflächen ausgestattet.

Insgesamt gibt es in Deutschland neun jugendforensische Einrichtungen für derzeit rund 170 Heranwachsende. In Niedersachsen können Kinder und Jugendliche bisher nur in Moringen untergebracht werden. Die Jugendforensik in der KJK in Wehnen ermöglicht den engen familiären Kontakt der Patienten zu ihren Herkunftsfamilien im Nordwesten. Insgesamt werden 42 neue Arbeitsplätze unterschiedlicher Berufsgruppen eingerichtet, um auf den besonderen Bedarf einzugehen. Es entstehen 24 Plätze auf zwei Stationen. Geplant sind vier kleine Wohngruppen, so können beispielsweise auch Patientinnen aufgenommen werden. Nur drei bis fünf Prozent der psychisch kranken jungen Straffälligen sind Mädchen.

Heranwachsende haben andere Bedürfnisse als die Erwachsene – auch in der Forensik. Die Jugendlichen seien meist schulpflichtig oder ausbildungsbedürftig, erklärt Dr. Joachim Dedden, Chefarzt der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie. Deshalb werden Lehrkräfte und ein ausbildungsgeeigneter Handwerker eingestellt. Schulabschlüsse, eine Ausbildung zum Fahrradmechaniker oder Bausteine anderer Lehrberufe sollen angeboten werden. Spezielle Therapien, sportliche Betätigungen und andere Freizeitangebote werden geschaffen.

Grundriss der Jugendforensik der Karl-Jaspers-Klinik.

In der Jugendforensik der Karl-Jaspers-Klinik entstehen 24 Plätze.
Grafik: KJK

Die Vorbereitung zur Baumaßnahme hat ein Jahr gedauert. Für die Errichtung des Neubaus müssen rund 100 Bäume gefällt werden. Es werden insgesamt sieben Millionen Euro investiert. Träger der Jugendforensik in der KJK ist das Land Niedersachsen, da es sich um eine Einrichtung des Maßregelvollzugs handelt.

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