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Bahn: Dialog ja, Umfahrung nein

Das öffentliche Informationsgespräch zur Bahnumfahrung fand im ehemaligen Landtagsgebäude in Oldenburg statt.

Das öffentliche Informationsgespräch fand im ehemaligen Landtagsgebäude in Oldenburg statt.
Foto: Anja Michaeli

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Oldenburg (am) – Um den Dialog mit allen Beteiligten nach Jahren der kontroversen Diskussionen zu eröffnen, fand gestern ein erstes öffentliches Informationsgespräch zur Bahnthematik in Oldenburg statt. Gekommen waren unter anderem Vertreter der Politik aus Stadt, Land und Bund, der Deutschen Bahn, Nachbargemeinden sowie die Landkreise Ammerland und Wesermarsch.

Schon lange wird über das Thema Bahnumgehung gestritten. Besonders der Alternativvorschlag einer Trasse entlang der A29 wurde vom Landkreis Ammerland heftig kritisiert, denn ein Teil der Strecke soll über das Gebiet der Gemeinde Rastede laufen. „Hier geht es um Eigentumsrechte, Flora, Fauna und Landschaftsschutzgebiete“, sagte Landrat Jörg Bensberg. Das könne nicht einfach alles durch Ratsbeschluss aufgehoben werden. Die Machbarkeit einer Strecke müsse bei den Eingebungen zum Planfeststellungsverfahren nachgewiesen werden und nicht zwingend über das Ammerland führen, erklärte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann.

Rund 8500 Einwendungen zum Planfeststellungsverfahren muss die Deutsche Bahn zurzeit bearbeiten – darunter auch ein „umfangreiches Paket“ der Stadt Oldenburg. Die derzeitigen Planungen würden zu erheblichen städtebaulichen und verkehrlichen Einschränkungen führen. Außerdem bestünden noch 1700 ungelöste Fälle, die vor Lärm geschützt werden müssten, erläuterte Verkehrsamtsleiter Bernd Müller. Die Stadtverwaltung wünscht sich eine nachhaltige Lösung und ein ganzheitliches Konzept zum Verkehr in der Region – auch mit Blick auf die „Wunderlinie“, die von Groningen nach Skandinavien führen soll.

„Das größte Manko im Planfeststellungsverfahren ist das Fehlen einer machbaren Alternative“, so Müller. Deshalb wurde ein Vorschlag per Einwendung eingereicht, der in die Planungen einfließen soll. Dem erteilte der Regionalbevollmächtigter der DB, Ulrich Bischoping, gleich eine Absage, denn die Bahn sei nicht zuständig: „Es ist ein Ausbau des Bundes.“ Er sehe in Sachen Umfahrung von Oldenburg keine Möglichkeit. „Sie können nicht verlangen, dass wir unser Geld für eine Sache einsetzen, die möglicherweise nie gebaut wird.“ Sollte der Bund eine Umfahrung wünschen, werde sie gebaut. Auch Hans-Peter Wyderka vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr betonte, dass sich das Land für den Ausbau der Stadtstrecke und den Lärmschutz stark gemacht habe. Mit Blick auf die Zukunft gebe es keine Alternative zum Ausbau.

Der Bund hat die Bahn damit beauftragt, die Stadtstrecke zu ertüchtigen. Deshalb legt sie keine Alternativplanung vor.

Der Bund hat die Bahn damit beauftragt, die Stadtstrecke zu ertüchtigen. Deshalb legt sie keine Alternativplanung vor.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Erklärtes Ziel des Informationstreffens war es, einen Dialog zu starten. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann schlug für die Zukunft die Einrichtung eines Projektbeirates wie bei den Planungen der Rheintalbahn vor. Dafür wäre allerdings der Bund zuständig. „Ich bin immer bereit für vernünftige Gespräche“, so Landrat Jörg Bensberg. Wenn allerdings Öffentlichkeit gewünscht sei, dann müsse das auch für die Ammerländer gelten.

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8 Kommentare

  1. robert nähle
    16. April 2015 um 16.51

    hat mal jemand geschaut was am jade weser port los ist? wofür brauchen wir also eine bahnumfahrung? der „haltepunkt wechloy“ wäre viel wichtiger, deutlich billiger & fast fertig ist er auch. warum passiert da denn immernoch nichts?

    “die mär vom bahnlärm”

    wie wäre es denn mal mit einem artikel der diese überschrift trägt?

    ich wohne im “gleisdelta” in drielake. aus meinem wohnimmer sehe ich dort die strecke nach osnabrück & aus meiner küche die nach bremen. eine veränderung oder gar verschlechterung kann ich seit der inbetriebnahme des jade weser portes nicht feststellen…

    von der „wunderlinie“ habe ich hier bisher noch nichts gelesen. das klingt sehr interessant. kommt da noch etwas?

  2. Wolfgang Ziegler
    22. April 2015 um 18.07

    Die Deutsche Bahn ist ja nicht einmal in der Lage, den seit nahezu 2 Monaten !!! defekten Bahnübergang am Hemmelsbäker Kanalweg zu reparieren, absolut lächerlich so etwas und eine echte Zumutung für mehr als hundert Anlieger! In der freien Wirtschaft wären die Verantwortlichen für ein solches Missmanagement längst zur Rechenschaft gezogen worden und säßen jetzt auf der Straße!
    Kein Wunder, dass dieses Unternehmen keine Gewinne machen kann! 24 Stunden am Tag werden mechanisch die Schranken auf und zu gemacht, also 3 Schichten a 8 Stunden, und das von Fremdfirmen…..das sind Kosten……und wer zahlt die letztendlich? Traurig sowas in so einer modernen und hochtechnisierten Welt…..

    • Eisenbahner
      30. April 2015 um 15.39

      Dies mag von außen zwar so aussehen – die Wirklichkeit sieht ein bißchen anders aus! Also wenn man nicht genau bescheid weiß; lieber einmal still sein!

      • robert nähle
        7. Mai 2015 um 17.28

        den artikel zum thema „defekter bahnübergang am hemmelsbäker kanalweg“ findet ihr hier

    • Noch ein Eisenbahner
      17. Mai 2015 um 14.44

      Verehrter Herr Ziegler,
      warum dauert es bei der Bahn so lange, ein Signal umzusetzen oder eine defekte Bahnübergangstechnik wieder funktionsfähig zu machen?
      Weil die Eisenbahner einfach nur dumm sind? Klar, könnte man so denken.
      Leider handelt es sich hier um sicherheitsrelevante Einrichtungen, die man nicht einfach umsetzt oder wie eine defekte Glühlampe austauscht.
      Vom Signalstandort hängen z. B. Abstände zum Gefahrenpunkt ab, der zu schützen ist oder umfangreiche Kabelanlagen, die das Signal mit der Stellwerkstechnik verknüpfen. Deshalb erfordert Veränderung umfangreiche Planungs- und Genehmigungsverfahren – so ist u. a. das Eisenbahnbundesamt beteiligt -, bevor man hier einen Bahnsteig ohne Lücke hat.
      Und der Bahnübergang ist eine Anlage, die genauso viele technische Abhängigkeiten hat, deren Änderung umfangreiche Planungs- und Genehmigungsverfahren voraussetzt.
      Denn leider gibt es keine Ersatzteile mehr für die Technik, die für 40 Jahre Nutzungsdauer ausgelegt war und nun komplett erneuert werden muss.
      Wenn man hierüber also kein Fachwissen hat und die Hintergründe nicht kennt, sollte man lieber nicht so viel unqualifiziertes Zeug äußern. Alles klar?

      • robert nähle
        22. Mai 2015 um 15.55

        ein kommentar von mir zum thema findet sich hier

  3. Noch ein Eisenbahner
    17. Mai 2015 um 15.07

    Ach ja – und noch was zur Bahnumfahrung:
    Ich wäre dafür, die paar Container vom Jade-Weser-Port auf der Straße zu transportieren…
    Dann hätten wir alle weniger Stress mit dem Bahnlärm, müssten keine weitere Landschaft in Ohmstede und Bornhorst für neue Verkehrswege verbrauchen, Tempobegrenzung und Lärmschutzwände gibt es an den Autobahnen schon und….
    Wie – die Brücken der A 28 und A 29 sind vom Schwerverkehr kaputt gefahren und überlastet??
    Brückenabbruch und Neubau in Kürze, weil der Betonstahl die vielen LKW nicht mehr verkraftet?
    Hmm, was machen wir denn da?
    Vielleicht brauchen wir doch ein bisschen Eisenbahn und zwar schnell, und nicht erst in 20 Jahren.

    • robert nähle
      28. Mai 2015 um 15.57

      genau! alles auf die straße & gleise abbauen…

      …prima plan!

      bist du bei dem bahnlärm von 50 containern, vom jade weser port kommend, hier in oldenburg auch vor schreck aus dem bett gefallen? (-;

      der link dazu findet sich hier

      „die mär vom bahnlärm“

      wie wäre es denn mal mit einem artikel der diese überschrift trägt?

      ich wohne im „gleisdelta“ in drielake. aus meinem wohnzimmer sehe ich dort die strecke nach osnabrück & aus meiner küche die nach bremen. eine veränderung oder gar verschlechterung kann ich seit der inbetriebnahme des jade weser portes nicht feststellen…