Oldenburg

Tankstelle wird zur Denkstelle

Die Siebtklässler ließen sich von Tankstellenpächter Manfred Schröder die Tankanlage erklären.

Die Siebtklässler ließen sich von Tankstellenpächter Manfred Schröder die Tankanlage erklären.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Anzeige

Grünkohlessen in Oldenburg: Die Saison 2017 beginnt.

Oldenburg / zb – Für einen Tag ist eine Oldenburger Tankstelle heute zur Denkstelle geworden. Zumindest für 27 Schüler des Neuen Gymnasiums Oldenburg mit ihrem Physiklehrer Dr. Bernhard Sturm, die zunächst alle mit einer Warnweste ausgestattet wurden.

Für den „Energieparcours-Nordwest“ hat der Lehrer seinen freien Tag gern geopfert, sagt er. Er nutzt das Angebot, um mit seiner 7. Klasse im Rahmen des Themas Energie eine Tankstelle gründlich zu erkunden. Unterstützt wird er dabei von zwei Masterstudierenden in der Physikdidaktik der Uni Oldenburg sowie von Tankstellenpächter Manfred Schröder, der von der Idee des Energieparcours angetan ist.

„Ich finde das prima, wenn die Schüler sich hier intensiv umgucken und allerhand Wissen mit nach Hause nehmen.“ Viele von ihnen haben auf einer Tankstelle Schokoriegel gekauft, aber getankt hat nur einer von ihnen. Wie eine Tankstelle funktioniert, wo sich das Benzin befindet, was der Unterschied zwischen Benzin und Diesel ist und welche Gefahren dort lauern können, wenn man sich falsch verhält, all das wissen die meisten Schüler nicht genau. Deshalb haben sie die Tankstelle an der Nadorster Straße in fast zweieinhalb Stunden intensiv erkundet und hatten auch Spaß dabei.

Zu ihren Aufgaben gehörten auch Kundenbefragungen. Die meisten zeigten sich aufgeschlossen und beantworteten die Fragen der Schüler. Die wollten zum Beispiel wissen, was sie tanken, wie viel ihr Auto verbraucht und ob sie sich preisbewusst verhalten. Gerhard Swazinna gehörte auch zu den Auskunftsfreudigen und fand die Idee, eine Tankstelle zu einem Lernort zu machen, sehr gut. „Schließlich werden die meisten von ihnen später selbst ein Auto fahren. Dann wissen sie, wie man sich auf der Tankstelle verhalten sollte.“

Die Schüler freuten sich, die Schulbank mit einem interaktiven Lernort tauschen zu können. „Was sie hier sehen und erleben, vergessen sie nicht so schnell“, weiß Bernhard Sturm, der bereits den Windkanal im Rahmen des „Energieparcours-Nordwest“ mit einer anderen Klasse ausprobiert hat. „Es gibt immer mehr Kinder, die ihre Umgebung nicht wahrnehmen. Deshalb ist so ein Ausflug in den praktischen Alltag sehr sinnvoll“, findet er.

Gleich zu Beginn bekommen die Schüler fünf Fotos und müssen die Orte auf der Tankstelle entdecken. Sie strömen aus und hinterher erklären die Lehramtsstudierenden, die den Parcours ausgearbeitet haben, was der große Tankdeckel im Boden bedeutet oder was es mit der Umlaufrinne auf sich hat.

Die fachdidaktisch ausgearbeiteten Exkursionen, ob zu Biogas- oder Windkraftanlagen, zu Energieforschungslaboren oder eben der jetzt offiziell dazu gekommenen Tankstelle als außerschulischer Lernort und anderen Energiestandorten in der Nordwest-Region können von jeder Schule kostenlos genutzt werden. Lernmaterialien stellt der Energieparcours-Nordwest kostenlos zur Verfügung. „Wir setzen auf Interaktivität“, erläutert Dr. Verena Niesel vom Didaktischen Zentrum der Uni Oldenburg.

Energieparcours-Nordwest

Der „Energieparcours-Nordwest“ ist eine Initiative des interdisziplinären Projekts“ Bildung für eine nachhaltige Energieversorgung und -nutzung“ der Universität Oldenburg, das den Parcours in enger Kooperation mit dem regionalen Bildungsnetzwerk „Klima & Energie“ der Stadt Oldenburg entwickelt hat. Ziel des Parcours ist es, Schülern Einblicke in die Energiebranche zu liefern, ihnen theoretische Grundlagen anschaulich und authentisch zu vermitteln und sie über Berufsbilder im Bereich der Erneuerbaren Energien zu informieren. Die Fachdidaktiken der Universität entwickeln in enger Abstimmung mit den einzelnen Energiestandorten fach- und klassenstufen-spezifische Angebote, die an den Lehrplan der Schulfächer Sachunterricht, Biologie, Physik, Chemie, Informatik und Mathematik angeknüpft sind. Weitere Informationen unter www.energieparcours-nordwest.de.

Vorheriger Artikel

„Schlagloch-Sheriff“: IG Bau will Löcher stopfen

Nächster Artikel

Rauchende Köpfe und Visionen in der Denkwerkstatt