Wie sicher ist Oldenburg bei extremer Hitze?

Blick in den Stabsraum der Stadt Oldenburg.

Blick in den Stabsraum.
Foto: Stadt Oldenburg

Wochenlang Temperaturen zwischen 36 und mehr als 41 Grad, kaum Abkühlung in der Nacht, zunehmende Trockenheit und knapper werdende Wasserressourcen: Mit diesem Szenario hat der Katastrophenschutzstab der Stadt Oldenburg drei Tage lang geübt. Dabei wurden Lageentwicklungen bewertet, Maßnahmen abgestimmt und Entscheidungen getroffen. In die Übung waren auch Polizei, Technisches Hilfswerk (THW) und Bundeswehr einbezogen.

Sicherheit wird häufig zuerst mit Kriminalität und Gefahren im öffentlichen Raum verbunden. Für eine Stadt gehört dazu aber ebenso die Frage, wie gut sie auf Katastrophen und länger andauernde Krisen vorbereitet ist. Die OOZ nimmt in ihrer Reihe „Wie sicher ist Oldenburg?“ deshalb unterschiedliche Risiken und Schutzmaßnahmen in den Blick.

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Hitzewelle bringt Versorgung unter Druck

Das Übungsszenario ging von einer außergewöhnlich langen Hitzewelle aus. Seit Wochen herrschten demnach Temperaturen von 36 bis über 41 Grad. Auch nachts sollte es kaum noch abkühlen. Gleichzeitig erhöhten Trockenheit und Hitze die Wald- und Graslandbrandgefahr und belasteten die Wasserressourcen.

Im weiteren Verlauf verschärfte sich die angenommene Lage. Besonders ältere, chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen litten unter den Temperaturen. Zugleich nahm die Belastung für Rettungsdienst und Krankenhäuser zu. Auch die kritische Infrastruktur, insbesondere Wasser- und Stromversorgung, geriet im Szenario zunehmend unter Druck. Eine Wetteränderung war nicht absehbar.

Die Stadt hatte diese Lage bewusst gewählt. Sie verweist dabei auch auf die überdurchschnittlichen Temperaturen und Trockenperioden im Sommer 2026. Ziel war es, die Abläufe für eine Extremwetterlage zu überprüfen, die Menschen, Umwelt und Infrastruktur gleichzeitig treffen kann.

Stab kannte das Szenario vorher nicht

Die Mitglieder des Katastrophenschutzstabes wussten vor Beginn der Übung nicht, welche Lage sie erwarten würde. Damit sollten die Bedingungen möglichst realitätsnah sein.

An jedem der drei Tage wurde das Szenario weiterentwickelt. Die Beteiligten mussten neue Informationen bewerten, Entscheidungen treffen und Maßnahmen zwischen den verschiedenen Stellen abstimmen. Am Ende eines Übungstages wurde die Lage jeweils eingefroren und am folgenden Tag an diesem Punkt fortgesetzt.

„Eine solche Übung ist besonders wertvoll, weil wir Abläufe nicht erst im tatsächlichen Einsatz überprüfen wollen“, sagt Jens Spekker, Leiter der Berufsfeuerwehr und damit der unteren Katastrophenschutzbehörde der Stadt. Auf diese Weise lasse sich feststellen, was bereits funktioniere und wo nachgebessert werden müsse.

Als besonders wichtig hätten sich dabei klare Kommunikationswege, verlässliche Informationen und die Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und Einsatzorganisationen erwiesen. Die Ergebnisse der Übung sollen nun ausgewertet werden.

Zusammenarbeit mit Polizei, THW und Bundeswehr

Zur Übung gehörte auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen. Brigadegeneral Joachim Hoppe, Standortältester in Oldenburg, informierte sich während der Übung über die Arbeit des Katastrophenschutzstabes. Dabei ging es nach Angaben der Stadt vor allem um die Strukturen der Stabsarbeit und das Zusammenspiel der beteiligten Stellen.

Erste Stadträtin Dr. Julia Figura (Mitte) und Jens Spekker (rechts), Leiter der Berufsfeuerwehr als untere Katastrophenschutzbehörde der Stadt Oldenburg, informieren Brigadegeneral Joachim Hoppe über die Arbeit des Katastrophenschutzstabes.

Erste Stadträtin Dr. Julia Figura (Mitte) und Jens Spekker (rechts), Leiter der Berufsfeuerwehr als untere Katastrophenschutzbehörde der Stadt Oldenburg, informieren Brigadegeneral Joachim Hoppe über die Arbeit des Katastrophenschutzstabes.
Foto: Stadt Oldenburg

„Katastrophenschutz ist Teamarbeit“, sagt Spekker. Wenn eine Lage über mehrere Tage anhalte und zahlreiche Bereiche gleichzeitig betreffe, müssten die Beteiligten ihre Aufgaben kennen und zusammenarbeiten können. Genau dies solle mit solchen Übungen erprobt werden.

Wenn aus einer Krise eine Katastrophe wird

Der Katastrophenschutzstab wird bei Katastrophen oder anderen bedrohlichen Lagen einberufen. In Oldenburg war er zuletzt beim Weihnachtshochwasser 2023/2024 über längere Zeit im Einsatz. Geleitet wird der Stab von der Oberbürgermeisterin beziehungsweise dem Oberbürgermeister und den Dezernentinnen und Dezernenten. Verschiedene Sachgebiete kümmern sich unter anderem um den Personaleinsatz, die Kommunikation, die Versorgung der Einsatzkräfte sowie die Presse- und Medienarbeit.

Die dreitägige Übung sollte zeigen, ob diese Strukturen auch dann funktionieren, wenn eine Krise nicht innerhalb weniger Stunden beendet ist, sondern über Tage oder Wochen immer neue Probleme verursacht.

Damit berührt die Übung auch eine weitere Seite der Frage, der die OOZ in ihrer Sicherheitsreihe nachgeht: Wie sicher eine Stadt ist, entscheidet sich nicht nur daran, wie viele Straftaten registriert werden. Es geht auch darum, ob ihre Strukturen funktionieren, wenn der Alltag nicht mehr funktioniert.

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