Oldenburg

Langzeitarbeitslose schaffen auf dem Rohdenhof

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann schlug als symbolischen Akt den letzten Zapfen in das Fachwerkgebäude, das zukünftig als Backhaus dient. Die Teilnehmer Michael Heick, Heiko Wosnitza und Nicolai Driebold passten auf, dass ihm keine Fehler unterliefen.

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (2. von links) schlug als symbolischen Akt den letzten Zapfen in das Fachwerkgebäude, das zukünftig als Backhaus dient. Die Teilnehmer Michael Heick (links), Heiko Wosnitza und Nicolai Driebold (von rechts) passten auf, dass ihm keine Fehler unterliefen.
Foto: Anja Michaeli

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Oldenburg (am) – Mehr als eine Million Menschen sind zurzeit in Deutschland länger als ein Jahr arbeitslos. Diese sogenannten Langzeitarbeitslosen profitieren nicht von der günstigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. In Oldenburg gingen das Jobcenter und „bbf sustain“ jetzt neue Wege. Das aus dieser Kooperation entstandene Projekt „Rohdenhof – wir.für.uns“ wurde heute offiziell von Oberbürgermeister Jürgen Krogmann eröffnet.

Der Rohdenhof bietet 53 Langzeitarbeitslosen für 30 Stunden in der Woche einen Arbeitsplatz. Zurzeit arbeiten hier 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – die meisten im Alter zwischen 40 und 45 Jahren – an dem Aufbau des Hofes. „Hier hat es wie ‚Kraut und Rüben‘ ausgesehen“, erklärt der bbf sustain-Geschäftsführer Torben Böhle, der über den Einsatz der Teilnehmer begeistert ist. Seit Juli bereiten sie das Gelände vor. Entstanden ist bereits ein Gewächshaus, ein Backhaus und Holz-, Metall- und Fahrradwerkstätten. Büroarbeiten und Hauswirtschaft komplettieren die Aufgaben, die hier zu leisten sind. Ziel ist, die Teilnehmer des Projektes durch die feste Tagesstruktur sowie die Arbeit an sich und in Gemeinschaft mit anderen zu stabilisieren.

Das Projekt unterteilt sich in Einzelbereiche. So ist beispielsweise eine Gruppe damit befasst, das Land für die landwirtschaftliche Nutzung im kommenden Jahr vorzubereiten. Für den gemeinsamen Mittagstisch, den eine andere Gruppe zubereitet, sollen Gemüse, Obst und Beeren angebaut werden. Ein großes Gewächshaus zum Vorziehen der Pflanzen wurde bereits errichtet. Blumen und Zierpflanzen zur Verschönerung des Anwesens werden gezogen und ab dem nächsten Jahr Kleintiere wie Hühner und Kaninchen gehalten. Einige Bienenvölker werden ab Frühjahr den „Rohdenhonig“ für die gemeinsame Versorgung produzieren, der dann neben selbst gemachten Marmeladen und Säften den Frühstückstisch bereichert. Eine Gruppe dokumentiert den Verlauf des Projektes in Bildern und wird demnächst versuchen, die Geschichte des Hofes aufzuarbeiten. „Viele weitere Aktivitäten aus den Bereichen Holz, Metall und Farbe sind hier vorstellbar und können realisiert werden“, so Böhle.

Das Backhaus wurde auf den Namen Heinz getauft – in Anlehnung an den ehemaligen Stadtjugendpfleger Heinz Backhaus. Er habe bbf sustain bei der Suche nach einem geeigneten Objekt für das Projekt auf den Rohdenhof aufmerksam gemacht, erläuterte Erwin Böning.

Das Backhaus wurde auf den Namen „Heinz“ getauft – in Anlehnung an den ehemaligen Stadtjugendpfleger Heinz Backhaus (rechts). Er habe bbf sustain bei der Suche nach einem geeigneten Objekt für das Projekt auf den „Rohdenhof“ aufmerksam gemacht, erläuterte Erwin Böning (links).
Foto: Anja Michaeli

Zimmermann Nils Timme, Leiter der Holzwerkstatt, bat Oberbürgermeister Jürgen Krogmann um seine Hilfe.

Zimmermann Nils Timme (rechts), Leiter der Holzwerkstatt, bat Oberbürgermeister Jürgen Krogmann um seine Hilfe.
Foto: Anja Michaeli

Zurzeit entsteht auf dem Rohdenhof ein zweites Gewächshaus.

Zurzeit entsteht ein zweites Gewächshaus.
Foto: Anja Michaeli

Es könnte aufgrund der aktuellen Themen der Eindruck entstehen, „als ob Arbeitslosigkeit kein großes gesellschaftliches Thema mehr wäre“, so Krogmann. Aber das sei natürlich nicht so. Auf dem Rohdenhof könnten die Teilnehmer des Projektes Selbstbewusstsein tanken und sich weiter entwickeln, begrüßte er die neue Einrichtung. Die Stadt Oldenburg hat den lange leerstehenden Resthof mit Nebengebäuden und landwirtschaftlicher Nutzfläche am Rohdenweg in Tweelbäke zur Verfügung gestellt. Jobcenter-Geschäftsführer Volker Trautmann sagte, dass sich die Teilnehmer auf dem Rohdenhof wohlfühlen würden und motiviert bei der Sache seien. Das bestätigte Michael Heick: „Das Arbeitsklima ist super. Wir arbeiten ohne Druck und unterstützen uns gegenseitig – auch privat.“ Seine Motivation: runter vom Sofa, was tun, Leute kennenlernen und einen Grund zum Aufstehen haben. Heick betonte, dass die Teilnahme an der Maßnahme freiwillig sei und unter bestimmten Voraussetzungen nach sechs Monaten auf bis zu zwei Jahre verlängert werden könne.

Das Jobcenter Oldenburg hat rund 120.000 Euro für die Ausstattung in das Projekt investiert. Zukünftig könnten auch sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze auf dem Rohdenhof entstehen, wünscht sich Michael Schlesinger, Bereichsleiter Markt und Integration des Jobcenters Oldenburg, und zeigt sich dabei sehr zuversichtlich.

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