Oldenburg

Ritt des Grafen endet neben Zapfsäulen

Der inzwischen verstorbene Oldenburger Unternehmer Klaus Dirks hatte das Graf Anton Günther Reiterstandbild in Auftrag gegeben und glaubte, der Stadt Oldenburg damit eine Freunde bereiten zu können.

Der inzwischen verstorbene Oldenburger Unternehmer Klaus Dirks hatte das Graf Anton Günther Reiterstandbild in Auftrag gegeben und glaubte, der Stadt Oldenburg damit eine Freunde bereiten zu können.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg / zb – Am 22. Juli 2011 ist das Reiterstandbild von Graf Anton Günther auf dem Rasteder Landesreitturnier erstmals der Öffentlichkeit gezeigt worden. Ursprünglich sollte es ein Geschenk für die Stadt werden, doch die hatte ebenso wie das Land kein Interesse daran. Jetzt endete der Ritt des Oldenburger Grafen neben Benzinzapfsäulen im Stadtteil Kreyenbrück.

Der inzwischen verstorbene Oldenburger Privatmann Klaus Dirks ließ das Reiterstandbild anfertigen in der Hoffnung, dass es eines Tages vor dem Oldenburger Schloss aufgestellt würde zu Ehren des Grafen. Doch der geschenkte Gaul sorgte nur für Probleme. Keiner, bis auf die Wähler für Oldenburg (WFO) und die Oldenburger Bürgervereine, wollten ihn wirklich haben. Vielmehr zermarterten sich alle das Hirn, wie sie das Tier wieder loswerden konnten.

Oldenburgs Stadtrat und der Kulturausschuss waren lange mit dem Reiterstandbild befasst. Experten mussten zu Rate gezogen und Leitlinien erstellt werden, um den Gaul buchstäblich vom städtischen Acker zu bekommen. Lediglich die SPD-Ratsfraktion konnte sich den Grafen vorm Schloss vorstellen. Die Sozialdemokraten stecken seit Beginn der Debatte in der Zwickmühle. Schließlich gehörte der ehemalige Oldenburger Oberbürgermeister und Niedersächsische Landtagspräsident Horst Milde (SPD) zu den Hauptverfechtern des Denkmals. Doch alle Versuche seiner Parteifreunde zur Rettung des Standbildes scheiterten kläglich zum großen Bedauern von Milde.

Der kämpfte vehement für den Grafen, versuchte die Stadt und auch das Land zu überzeugen, denn der Schlossvorplatz gehört dem Land, doch er biss auf Granit. Anton Günther habe den Oldenburger Kramermarkt erfunden und die Huntestadt aus dem 30-jährigen Krieg herausgehalten, doch seit 1918 sei kein Reiterstandbild mehr aufgestellt worden, weil es nicht mehr in die Zeit passe, argumentierten die Fraktionen.

„Das Verhalten ist eine Schande für Oldenburg und das Land“, sagt Milde und ist entsetzt darüber, dass das Reiterstandbild jetzt neben Zapfsäulen und einer Waschstraße steht. „Wie kann man bloß so mit seiner Geschichte umgehen“, fragt sich der 82-Jährige, der den Kampf für den bronzenen Grafen nicht wieder aufnehmen wird. Aber für Milde steht fest: „Das war die völlig falsche Entscheidung. In Zeiten, wo überall die Kriege toben, wäre es gut gewesen, Anton Günther vor dem Schloss aufzustellen, weil er die Stadt vor einem Krieg bewahrt hat.“

Klaus Dirks ist während der Auseinandersetzung über das gut gemeinte Reiterstandbild verstorben. Milde setzte den Kampf für den geschenkten Gaul in Dirks Sinn fort. So muss Graf Anton Günther am Ende zwar kein Asyl in einer Nachbarkommune beantragen, dafür endete sein Ritt auf einem Tankstellengelände mit Waschanlage im Oldenburger Stadtteil Kreyenbrück. Fotografiert werden darf das Reiterstandbild derzeit noch nicht, weil an dem Gesamtbild noch gearbeitet wird, erklärte der Grundstücksbesitzer.

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1 Kommentar

  1. Werner Lorenzen-Pranger
    15. Juli 2015 um 22.21

    Selbst neben einer Auto-Waschstraße ist dieser Kitsch, der den Grafen Anton-Günther mt seiner Beliebigkeit mehr verunglimpft als würdigt, noch alles andere als gut aufgehoben. So etwas passt so einfach nicht mehr in in unsere Zeit. Will man dem Grafen ein echtes Denkmal setzen, braucht es einen konkreten historischen Bezug, eine inhaltlich angemessene Darstellung – und ganz sicher kein billiges und x-beliebiges Klischee. Von der handwerklichen Zweitklassigkeit wollen wir erst gar nicht reden.
    Sowohl Aufraggeber als auch „Künstler“ scheinen mit ihrem Kunstbegriff irgendwo im neunzehnten Jahrhundert stehen geblieben zu sein. Typisch für das meist weniger als halbgebildete „konservative Bildungsbürgertum“.
    Viel Lärm um nichts – oder eben um einen Haufen überflüssigen Schrott!