Menschen

Djamel Boudjemai wird Altenpfleger

Djamel Boudjemai strahlt wenn er über seinen Beruf spricht. Der 23-Jährige wird Altenpfleger und macht im nächsten Jahr seine Prüfung.

Djamel misst den Blutdruck von Lore Günther. Die beiden verstehen sich prächtig.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Djamel Boudjemai strahlt wenn er über seinen Beruf spricht. Der 23-Jährige wird Altenpfleger und macht im nächsten Jahr nach einer dreijährigen Lehrzeit seine Prüfung. „Für mich ist es genau der richtige Beruf“, sagt er. „Ich bin kommunikativ, mag gerne mit Menschen zu tun haben und dabei stört es mich nicht, ob sie alt oder jung, krank oder gesund sind. Ich will abends nach Hause gehen mit dem Gefühl, dass sich der Tag für mich gelohnt hat. Das ist in der Altenpflege der Fall.“

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Brigitte Kuttler ist Pflegedienstleiterin bei Hansa im Seniorenwohnstift Kreyenbrück in Oldenburg und bildet Djamel aus. „Er denkt sehr positiv und geht mit viel Herzblut an die Arbeit, das tut allen gut – auch ihm selbst“, beobachtete sie. Dabei stieß er bei Familienmitgliedern und Freunden mit seinem Berufswunsch auf Unverständnis. „Das hat auch was mit dem Rollenklischees zu tun“, glaubt er und bleibt unbekümmert. „Heute ergreifen junge Frauen Berufe, die bislang Männern vorbehalten waren und umgekehrt. Das ist doch prima“, findet er.

Prima finden das vor allem Brigitte Kuttler und die Bewohner, denn tatsächlich sind Altenpfleger in der Minderheit aber ganz wichtig im Alltag eines Altenheimes. „Es gibt Männer, die wollen lieber von einem Mann gepflegt werden“, erzählt der 23-Jährige. „Wenn das eine Frau machen würde, wären ihnen bestimmte Dinge peinlich. Also machen das bei uns die Männer. Umgekehrt gibt es auch Frauen, die in bestimmten Situationen eine Pflegerin bevorzugen. Wir können hier mit allen Varianten dienen, was die Bewohner zufrieden stellt.“

Djamel sieht das alles pragmatisch. Er will vor allem, dass die Bewohner sich wohl fühlen, lachen, Spaß haben und den Tag genießen können. Dazu möchte er beitragen. Das macht ihn zufrieden. Doch woher kommt seine Einstellung? Er führt sie auf sein Zuhause zurück und erzählt von seiner Mutter, die er bewundert. Djamel hat einen schwerbehinderten Bruder, den die Mutter stets selbst versorgt und in die Familie integriert hat. „Unser Bruder gehört genauso selbstverständlich dazu wie alle anderen Geschwister auch“, erzählt er.

Durch seinen Bruder hat er gelernt, auf unterschiedliche Weise zu kommunizieren. „Ich verstehe ihn auch ohne Sprache“, sagt er und kann diese Fähigkeit in seinem Beruf sehr gut anwenden. Er hat den Wunsch, jedem Menschen etwas zu geben unabhängig von seinen Handicaps. „Wer so an diesen Beruf herangeht, der bekommt eine Menge zurück“, weiß Brigitte Kuttler. „Unsere Bewohner reagieren wie alle anderen Menschen auch. Ist die Stimmung gelöst und fröhlich, sind alle angesteckt.“

Auf der Hansa-Berufsfachschule, die mittlerweile von immer mehr Männern besucht wird, lernt er nicht nur Deutsch, Englisch und sozialkundliche Fächer, er bekommt auch Unterricht von Medizinern und Pharmazeuten. „Wir lernen auch viel über das Altern, spezielle Erkrankungen im Alter, Psychologie, werden von einem Theologen über unterschiedliche Religionen und Kulturen aufgeklärt, setzen uns mit Leben und Tod auseinander und lernen natürlich auch praktische Dinge rund um die Pflege. So kann ich z.B. Bewohner aufrichten oder sie im Bett anders lagern, ohne mir den Rücken dabei zu verrenken. Die Ausbildung ist sehr umfassend. Entsprechend ist auch die Prüfung.“

Da muss Djamel neben zahlreichen theoretischen Prüfungen auch einen umfangreichen Praxistest bestehen. Es wird ihm ein Bewohner anvertraut. Für ihn muss er eine Anamnese erstellen, einen Pflegeplan entwickeln und seine erlernten Kenntnisse zeigen, indem er ihn pflegt mit allem, was dazu gehört. „Ich fühle mich sehr gut betreut und sehe meinem Ausbildungsende zuversichtlich entgegen. Mein Tag hat einen Sinn, es geht familiär zu, wenn ich Fragen habe, wird mir geholfen und ich erlebe täglich Wertschätzung. Wer kann das schon von sich sagen“, sagt Djamel.

Er räumt ein, dass die Arbeit mitunter hart ist, aber das stört ihn nicht. „In anderen Berufen muss man auch hart ran. Hier erlebe ich viel Nähe, kann älteren Menschen etwas geben, auf sie eingehen, ihnen Ängste nehmen und mit ihnen lachen. Ich habe die älteren Menschen lieb gewonnen. „Mein Beruf ist doch das Gegenstück zur gesellschaftlichen Entwicklung“, sagt er zum Schluss. „Hier geht es immer zwischenmenschlich zu und ich kann dazu beitragen, dass die Bewohner Lebensqualität bis zuletzt erleben. Das gefällt mir.“

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