Jascha Rohr übernimmt: Was er in Oldenburg verändern will

Erste Pressekonferenz zum Amtsstart: Gemeinsam mit den Dezernatsleitungen erläuterte Oldenburgs neuer Oberbürgermeister Jascha Rohr am Montagmorgen erste Pläne für die kommenden Jahre.
Foto: Finn Gohra
Den Generalschlüssel hat Jascha Rohr inzwischen bekommen, den Novemberkalender durchgearbeitet und sich mit den 49 Gremien beschäftigt, die zum neuen Amt gehören. An seinem zweiten Tag als Oldenburgs Oberbürgermeister stellte der 50-Jährige am Montag seine nächsten Schritte vor. Die Vorbereitung hatte schon am Tag nach der Stichwahl begonnen.
Rohr will Entscheidungen erklären, Fehler offen ansprechen und die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft verändern. Im neu zusammengesetzten Rat erwartet er durchaus harte inhaltliche Auseinandersetzungen. Am Ende müssten sich wechselnde Mehrheiten für Lösungen finden. Seine Vorstellung von einer grüneren, klimaneutralen Stadt mit bezahlbarem Wohnraum und sozialer Unterstützung bleibt bestehen. „Aber es braucht ein festes Fundament.“
Neues Team im OB-Büro
Erste Personalentscheidungen stehen fest. Theresa Tinneberg wird Rohrs persönliche Referentin. Sie soll unter anderem die Kommunikation mit den Ratsfraktionen organisieren. Andrea Cyranik übernimmt die Leitung des OB-Büros. Stephan Onnen bleibt im Pressebüro.

Wollen Oldenburg gemeinsam weiterentwickeln (von links): Holger Denckmann (Schule, Sport, Kultur und Gebäudewirtschaft), Erste Stadträtin Dr. Julia Figura (Finanzen und Recht), Oberbürgermeister Jascha Rohr, Stadtbaurätin Christine-Petra Schacht (Bauen, Umwelt und Verkehr) und Jan Bembennek (Soziales, Jugend und Gesundheit).
Foto: Finn Gohra
Rückzug aus der Geschäftsführung
Rohr ist nach eigenen Angaben formal nicht mehr Geschäftsführer des Instituts für Partizipatives Gestalten. Seine Gesellschaftsanteile müsse er noch drei Jahre halten. Er kündigte an, auf sämtliche Gewinne zu verzichten und eine Treuhänderin für die Anteile einzusetzen. Das Unternehmen werde zudem ein Angebot für ein Projekt an der Wallstraße zurückziehen.
Erst kennenlernen, dann Abläufe verändern
Bei der Verwaltung setzt Rohr zunächst auf eine Bestandsaufnahme. Oldenburg habe engagierte und fachlich versierte Beschäftigte. Trotzdem müsse sich die Organisation neuen Herausforderungen stellen. Schnellere Verfahren, bessere Arbeitsbedingungen, Digitalisierung und der sinnvolle Einsatz künstlicher Intelligenz gehören zu seinen Zielen.
Das angekündigte Organisationsgutachten soll mit den Beschäftigten, Führungskräften und dem Personalrat vorbereitet werden. Rohr will sich zunächst etwa drei Monate lang ein Bild machen. Anschließend soll gemeinsam überlegt werden, welche externe Unterstützung sinnvoll ist.
Die Dezernatsleitungen, die gemeinsam mit Rohr vor der Presse saßen, betonten ebenfalls die Bedeutung dieser ersten Phase. Holger Denckmann sprach von einer „Informationswand“, deren Umfang nicht zu unterschätzen sei. Rohr müsse die Verwaltung zunächst kennenlernen. Christine-Petra Schacht sieht im Wechsel an der Spitze zugleich die Chance, Dinge neu auszurichten. Die Dezernatsleitungen hätten sich dazu bereits Gedanken gemacht und eigene Ideen.
Was das Geld bewirken soll
Die finanziellen Spielräume werden nach Rohrs Einschätzung enger. Umso genauer will er darauf schauen, welchen Nutzen die Stadt mit ihren Ausgaben erzielt. Nach den Pflichtaufgaben hätten für ihn Vereine und Verbände hohe Priorität. Ihnen wolle er vermitteln, dass die Stadt sie nicht im Regen stehen lasse.
Rohr will mit dem Rat zunächst Ziele für die Entwicklung Oldenburgs vereinbaren und die Haushaltsplanung künftig daran ausrichten. Welche Aufgaben Vorrang haben und wofür die Stadt Geld ausgibt, soll gemeinsam beraten werden. Diesen Prozess möchte er im Frühjahr 2027 beginnen.
Projekte fertig bekommen
Bei den großen Bauvorhaben will Rohr Projekt für Projekt prüfen, wie sie auf Grundlage des bisher Erreichten zu einem guten Abschluss gebracht werden können. Dafür sollen Verantwortlichkeiten klar benannt und Zeit- und Kostenplanungen realistisch aufgestellt werden.
Rohr verbindet damit auch die Frage, wie die Menschen auf ihre Stadt blicken: „Ich möchte, dass wir insgesamt in Oldenburg das Gefühl haben: Wir kriegen unsere Projekte hin und wir können stolz darauf sein.“
Am heutigen Montagabend wird Jascha Rohr in der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrates im PFL vereidigt. Seine achtjährige Amtszeit hat bereits am 1. November begonnen.
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