Gesundheit

Krankenstand im Oldenburger Land leicht gestiegen

Die erwerbstätigen DAK-Versicherten zwischen 18 und 64 Jahre im Oldenburger Land sind etwas gesünder als die Versicherten im Bund.

Stellen den DAK-Gesundheitsreport 2016 vor (von links): Ursula Jess, Frank Miklis und Stephan Böhmen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Die erwerbstätigen DAK-Versicherten zwischen 18 und 64 Jahre im Oldenburger Land sind etwas gesünder als die DAK-Versicherten in Niedersachsen und im Bund. Das geht aus dem DAK-Gesundheitsreport 2016 hervor, der in Oldenburg vorgestellt wurde. Der Report basiert auf 20.000 versicherten Erwerbstätigen.

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Der Krankenstand im Oldenburger Land ist in 2015 leicht gestiegen. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozent auf vier Prozent zu. Gleichwohl war der Krankenstand niedriger als im Landes- und Bundesdurchschnitt mit jeweils 4,1 Prozent. Laut DAK-Gesundheitsreport waren also an jedem Tag des Jahres von 1000 Arbeitnehmern 40 krankgeschrieben. Der niedrigste Krankenstand in Niedersachsen wurde mit 3,5 Prozent im Landkreis Vechta verzeichnet, der höchste mit 4,8 Prozent in den Kreisen Uelzen und Lüchow-Dannenberg.

Die meisten Fehltage sind auf Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen zurückzuführen. Fast jeder vierte Fehltag (23,8 Prozent) war dafür verantwortlich. Es folgen psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände. „Hier verzeichnen wir einen Anstieg von 3,5 Prozent. Seelenleiden hatten damit am gesamt-Krankenstand einen Anteil von 16 Prozent“, berichtet Frank Miklis, Leiter Service der DAK-Gesundheit. Den größten Anstieg gab es bei den Ausfalltagen aufgrund von Atemwegsbeschwerden wie Erkältungen und Bronchitis. Verletzungen und Vergiftungen nehmen Rang vier ein. Zwei Drittel aller Fehltage entfallen somit auf die ersten vier Gruppen.

In einer Sonderanalyse hat sich herausgestellt, dass Frauen und Männer nicht nur an unterschiedlichen Krankheiten leiden, sondern auch unterschiedlich lange krank sind. Frauen in Niedersachsen fehlen laut der Untersuchung häufiger auf der Arbeit als Männer. Ihr Krankenstand lag im vergangenen Jahr 15 Prozent höher. Im Oldenburger Land betrug der Unterschied mit elf Prozent etwas weniger.

So leiden Männer im Oldenburger Land in der besagten Altersgruppe erheblich häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Frauen. Die wiederum erkranken später daran, sind jedoch deutlich stärker von psychischen Erkrankungen betroffen. „Bei Krebsleiden liegen Frauen mit 150 Prozent klar über denen der Männer, was durch das vergleichsweise frühe Auftreten durch Brustkrebs bedingt ist“ erklärt Frank Miklis. „In späteren Jahren, etwa ab 60, gleichen sich die Zahlen aus, weil die Männer mit zunehmendem Alter an Prostatakrebs erkranken.“ Grundsätzlich sei das Krebsrisiko bei Männern und Frauen gleich, hieß es.

So haben Frauen tendenziell einen höheren Krankenstand als Männer. Obwohl Frauen den höheren Krankenstand haben, schleppen sie sich häufiger krank zur Arbeit als Männer, ergab eine Befragung und räumte damit ein Vorurteil auf. 70 Prozent der Frauen in Niedersachsen waren im vergangenen Jahr mindestens einmal krank bei der Arbeit, bei den Männern waren es 50 Prozent. 84 Prozent der Frauen gaben an, dass sie zur Arbeit gegangen sind, weil sie ihre Kollegen nicht hängen lassen wollten bzw. ihre Arbeit fertigstellen müssen (70 Prozent).

Dass Männer eher später zum Arzt gehen, sei eine Bewusstseinssache, sagt Dr. Stephan Böhmen, Chefarzt der Kardiologie im Reha-Zentrum Oldenburg. „Männer betrachten ihren Körper als ihr Werkzeug, Frauen hingegen haben ein viel größeres Körperbewusstsein.“ Außerdem sei bekannt, dass Frauen in sozialen Berufen im mittleren Alter verstärkt an psychischen Erkrankungen leiden. „Leider werden die Arbeitnehmer von der Wirtschaftswelt nicht ausreichend unterstützt. Nicht getadelt ist schon gelobt“, beobachtet der Mediziner.

Auffällig sei jedoch, dass der Krankenstand an den Bildungsstand gekoppelt sei, hieß es. Je höher das Bildungsniveau, desto seltener seien beide Geschlechter krank. „Das trifft ganz besonders auf Frauen in typischen Männerberufen zu“, berichtete Ursula Jess vom Niedersächsischen Frauenministerium. Sie führt die hohe Zahl an psychischen Erkrankungen auch auf häusliche Gewalt zurück und zu wenig Erholungsphasen, weil Frauen nach wie vor für Haushalt und Pflege zuständig seien.

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