Geschichte

Isern Hinnerk kehrt nach 45 Jahren zurück

Museumsmitarbeiterin Franziska Boegehold, Uwe Meiners, Andreas von Seggern und Friedrich Scheele freuen sich über den guten Zustand von Isern Hinnerk.

Museumsmitarbeiterin Franziska Boegehold, Uwe Meiners, Andreas von Seggern und Friedrich Scheele (von links) freuen sich über den guten Zustand von „Isern Hinnerk“.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg/zb – „Isern Hinnerk“ ist nach 45 Jahren nach Oldenburg zurückgekehrt. Er war das einprägsamste Symbol für die Realität des Ersten Weltkrieges in Oldenburg. Der „Eiserne Heinrich“ kommt stark und tapfer daher und trägt das Wappen des Oldenburger Landes.

Das Rote Kreuz gab ihn in Auftrag, Bernhard Winter hat die Holzfigur, eingebettet in eine Schrankform, entworfen. Ein Holzbildhauer hat sie umgesetzt. Am 5. September 1915 ist der Eiserne Heinrich an der Lambertikirche auf der Marktseite aufgestellt worden. Sinn und Zweck des „Isern Hinnerk“ war es, durch ihn möglichst viel Geld zur Versorgung der Kriegsverwundeten einzusammeln. Die Oldenburger konnten nämlich gegen einen bestimmten Betrag verschiedenartige Nägel erwerben und damit die Figur benageln. Den ersten Nagel schlug der Großherzog ein, es war ein goldener.

Es gab Nägel für 20, 10, 5,3 und eine Mark sowie 50 Pfennig. Vier Jahre später waren gerade einmal 25.218 Mark zusammengekommen. „Die Menschen waren kriegsmüde“, kommentiert Dr. Andreas von Seggern, stellvertretender Direktor des Stadtmuseums. Tatsächlich gibt es noch allerhand freie Flächen auf dem Eisernen Heinrich, der sehr gut erhalten und ab sofort im Stadtmuseum Oldenburg zu sehen ist.

Im Rahmen der Vorbereitungen zur großen Sonderausstellung „Sehnsucht nach dem Krieg? Oldenburg 1913“, die im Oktober im Stadtmuseum eröffnet und von von Seggern kuratiert wird, wurde jetzt die endgültige Rückübertragung von Cloppenburg nach Oldenburg vereinbart, wo er die letzten 50 Jahre zugebracht hat. Vor drei Jahren war er im Rahmen einer Ausstellung im Museumsdorf erstmals wieder zu sehen.

„Das Holz ist sehr gut erhalten. Es riecht etwas rauchig und ist nachgedunkelt, aber ansonsten ist der 2,70 Meter hohe und 1,62 Meter breite „Isern Hinnerk“ im besten Zustand und erinnert an die Rolandfigur“, sagt Dr. Uwe Meiners, Direktor des Museumsdorfes Cloppenburg. Bei ihm hatte „Isern Hinnerk“ optimale Bedingungen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Holzfigur im Oldenburger Kriegserinnerungsmuseum an der Huntestraße ausgestellt, ehe das aufgelöst wurde. Die Bestände gingen teilweise ans Stadtmuseum über. Darunter auch der „Isern Hinnerk“.

1968 wurde die Figur für eine Ausstellung zum 50-jährigen Ende des Ersten Weltkrieges ins Museumsdorf Cloppenburg entliehen und verblieb im Anschluss angeblich aufgrund der schwierigen Depotsituation des Stadtmuseums in den dortigen Magazinen. Vermutlich aber wollte man ihn nicht zurück haben, weil das seinerzeit die Denkart war. So gelangte sie nach Cloppenburg und wurde jetzt an seinen Ursprungsort zurückgebracht. „Ähnliche Figuren hat es in fast allen deutschen Städten gegeben, die größte in Berlin, den etwa 13 Meter hohen ‚Eisernen Hindenburg‘ an der Siegessäule“, berichtet Museumsdirektor Dr. Friedrich Scheele.

„Isern Hinnerk“ steht gerade in seiner kriegerischen Bildsprache noch heute stellvertretend für eine ganz besondere Form der Mobilisierung der Bevölkerung während des Krieges. Und er ist eine der wenigen Figuren, die unversehrt geblieben sind. Bis zu einer Überarbeitung der stadtgeschichtlichen Abteilung wird der „Isern Hinnerk“ zunächst in einem kleinen Kabinettraum des Stadtmuseums, ergänzt durch einige Objekte aus dem Umfeld des Ersten Weltkrieges, gezeigt.

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