Filmfest

Filmfest: Von der Eröffnung bis zur Abschlussgala

Torsten Neumann und die Crew von „Puppy Love“ bei der Eröffnung.
Foto: Volker Schulze

Oldenburg (am/vs/ce) Das 27. Internationale Filmfest Oldenburg zeigt auch in diesem Jahr zahlreiche Weltpremieren und Debütfilme – wenngleich die Corona-Pandemie für Änderungen im Ablauf sorgt. Vom 16. bis zum 20. September werden 32 Lang- und 12 Kurzfilme in den Festivalkinos gezeigt (Gästezahlen eingeschränkt, keine Abendkassen), aber auch live gestreamt. Aber wie beim „normalen“ Festival sind die Streamings an feste Zeiten gebunden und können nur von einer bestimmten Anzahl an Gästen gesehen werden. Die OOZ-Redaktion wird berichten und diesen Artikel laufend aktualisieren.

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Eröffnungsgala

Heute wurde das Internationale Filmfest Oldenburg auf dem Gelände des //CRASH Building (Ashampoo, CleverReach und Ashampoo Systems) in Rastede eröffnet. Ashampoo-Gründer Rolf Hilchner hatte sich für die Ausrichtung einer Wohnzimmer-Gala beworben, die wegen der Hygienebestimmungen als Alternativen zur gewohnten Großveranstaltung in den Weser-Ems Hallen dienten. Aufgrund der gebotenen Abstandsregeln wurde die Teilnehmerzahl streng limitiert. Um den Wohnzimmer-Charakter beizubehalten, wurde der Eröffnungsfilm (und online) zeitgleich in mehreren, über das Gebäude verteilten Living-Room-Lounges gezeigt.

Auch der Street-Artist Okuda und sein Assistent gingen mit Torsten Neumann über den Roten Teppich.

Auch der Street-Artist Okuda und sein Assistent gingen mit Torsten Neumann über den Roten Teppich.
Foto: Volker Schulze

Festivalleiter Torsten Neumann und Dr. Jörg Mielke, Leiter der niedersächsischen Staatskanzlei, hielten die Ansprachen. Gezeigt wurde die Weltpremiere von „Puppy Love“ in Anwesenheit des Regisseurs Michael Maxxis, den Darstellern Hopper Penn und Paz de la Huerta sowie Streetartist Okuda San Miguel. Der Star der Streetart-Kunstszene hat mit Penn und de la Huerta als Motiv in dieser Woche eine Hauswand in der Straße Am Stadtmuseum verziert. „Es ist auch der großzügigen Unterstützung Rolf Hilchners und Heinz-Wilhelm Bogenas zu verdanken, dass das spektakuläre Okuda-Projekt realisiert werden kann“, so Neumann.

Weltpremiere „Puppy Love“ (Kanada 2020)

Regie: Michael Maxxis

Mit der Außenseiterballade „Puppy Love“ wurde das 27. Internationale Filmfest Oldenburg eröffnet. Der Film erzählt von einem ungleichen Paar, das durch außergewöhnliche Umstände zueinander findet. Diese Erzählung basiert auf einer wahren Geschichte, der Geschichte von Maxxis‘ Cousin Morgan. Der geistig beeinträchtigte Morgan (Hopper Penn) führt ein eintöniges Leben, bis er in der traumatisierten Prostituierten Carla (Paz de la Huerta) eine lang erträumte Gefährtin findet. Gemeinsam begeben sich die beiden auf eine seltsame, entrückt-schöne Reise durch die Gosse. Zwei traurige Menschen in einer höllisch miesen Gesellschaft. Gemeinsam erleben sie ein paar Glücksmomente ihres Lebens.

Das Mural (Wandgemälde) erstellt der Street-Artist Okuda, eine Berühmtheit in der Szene.

Das Mural (Wandgemälde) erstellt der Street-Artist Okuda, eine Berühmtheit in der Szene.
Foto: Volker Schulze

Hopper Penn, dessen Ähnlichkeit mit seinem Vater Sean Penn deutlich ist, überzeugt in seiner ersten Hauptrolle neben der Starbesetzung mit Paz de la Huerta (bekannt aus „Boardwalk Empire“ und „Enter the Void“), Michael Madsen und Rosanna Arquette. Neben den darstellerischen Leistungen sind es die bezaubernden Bilder, die die Ballade zu einem sehenswerten Ereignis machen. Die Filmmusik steuert die bekannte US-Indie-Band Portugal. The Man bei. Schöne Bilder, sehenswerte Darsteller, ein paar Längen und sehr viele Sexszenen: Das ist das Ergebnis. Der Film wird seine Fans finden.

Deutschlandpremiere: The Jesus Rolls (USA, 2019)

Regie: John Turturro

Zweites Screening: Samstag, 19. September 2020, 16.30 Uhr, Virtuelles Kino 5

Die Story:
„Nobody fucks with the Jesus!“ Der leuchtend violette Kult-Bowlingspieler aus „The Big Lebowski“ erlebt hier in einem Remake des französischen Films „Die Ausgebufften“ seine Auferstehung. Frisch aus dem Knast entlassen lebt Jesus mit seinem Kumpel Petey und der Friseurin Marie in den Tag hinein. Die Kleinkriminellen sind dabei irgendwie immer auf der Flucht – mit ständig wechselnden Fahrzeugen.

John Turturro hatte sich vor einigen Jahren in den Kopf gesetzt, den Gérard-Depardieux-Klassiker „Die Ausgebufften“ aus den 1970ern mit seiner alten „Jesus“-Rolle neu zu verfilmen. Er fragte also die Coen-Brüder um Erlaubnis und diese gaben seine Figur frei. Ich kenne das Original der „Ausgebufften“ nicht, aber der Plot scheint (bis auf die obligatorische Bowlingszene) 1:1 der gleiche zu sein. Sogar die Kleidung (weiße Hosen, blaue Tanktops, Strohhüte) wurde aus dem Original übernommen. Und durch „Amelie“-Darstellerin Audrey Tautou als Marie bekam man auch noch im Cast die Kurve Richtung Frankreich. Ansonsten überrascht der Film in erster Linie durch seine Starbesetzung. Wie sexy ist bitte Susan Sarandon?! Alles in allem ist es aber – offenbar genau wie das Original – eine recht flache Erotikkomödie. (ce)

Europapremiere: „Untimely“ (Iran, 2019)

Regie: Pouya Eshtehardi

Zweites Screening: Samstag, 19. September 2020, 16.30 Uhr, Virtuelles Kino 4

Die Story:
Hamin und seine Schwester Mahin stehen sich bedingt durch ihre traumatische Kindheit besonders nahe. Ihre Mutter beging Selbstmord, als beide noch Kinder waren. Ihr Vater war ein Schmuggler, der sein eigenes Leben führte und sich nicht um sie kümmerte. Als Mahin – inzwischen erwachsen – heiraten will, gibt es für Hamin nichts Wichtigeres als dabei zu sein. Doch sein Vorgesetzter verweigert dem jungen Soldaten die Heimreise – und so kommt es zu einem folgenschweren Streit.

Die tragische Geschichte, die Regisseur Pouya Eshtehardi hier umsetzte, entspann sich aus einer Meldung aus seiner eigenen Militärzeit. Darin hieß es, dass ein Soldat einen höhergestellten Offizier umgebracht haben soll. Der Film beeindruckt vor allem durch seine Landschaftsaufnahmen, die das Schicksal der Geschwister emotional unterstreichen. Nie hält man es bei dieser Bildgewalt für möglich, dass das Regiedebut von Pouya Eshtehardi nur unglaubliche 15.000 US-Dollar kostete! Wie war das möglich? Man verkaufte immer genau das, was nicht mehr gebraucht wurde. Und so hat zum Beispiel der Gewinn aus dem Verkauf der Kameraausrüstung die Postproduktion finanziert. Eine irre Geschichte, die der Regisseur im Online-Interview nach dem ersten Screening da erzählte. Ein sehr sympathischer Mensch, dem das iranische Kino sehr am Herzen liegt. (ce)

Deutschlandpremiere: Summer White (Mexiko 2020)

Regie: Rodrigo Ruiz Patterson

Zweites Screening: Freitag, 18. September , 21.30 Uhr, Virtuelles Kino 5

Die Story:
Der dreizehnjährige Rodrigo und seine Mutter stehen sich sehr nah. Zu nah vielleicht, denn seit der Trennung von ihrem Mann, versucht seine Mutter ihn in die Rolle des gleichberechtigen Erwachsenen an ihrer Seite zu drängen. Als mit Fernando ein neuer Mann in ihr Leben tritt, sieht Rodrigo nur einen Widersacher. Seine Reaktionen auf Fernandos Anläufe, ihn als Freund zu gewinnen werden zunehmend ablehnender und rufen in seiner Mutter und Fernando immer größeres Unverständnis hervor. Selbst die charmantesten Versuche der Mutter und Fernandos scheitern an Rodrigos Angst, die Position an der Seite seiner Mutter zu verlieren. Das Fiasko scheint unausweichlich. Schwarz und Weiß gibt es nicht in Rodrigo Ruiz Pattersons einfühlsamem Familiendrama, mit dem er in Sundance schon für Aufsehen sorgte.

Szene aus Summer White

Das Spiel mit dem Feuer(zeug) des jungen Hauptdarstellers zieht sich von Beginn an durch „Summer White“ wie ein roter Faden und lässt Schlimmes erahnen. Glücklicherweise bleibt die ganze große Katastrophe erspart. In langen, ruhigen Bildern ohne viel Action erzählt der Regisseur die wachsende Ablehnung des Jungen gegen den neuen Freund der Mutter. Bis zur Hälfte des Films steigern sich Abwehr und Aggressionen. Leider verpasst es der Regisseur anschließend Fahrt aufzunehmen und den Konflikt zwischen den Männern und der Mutter, die zwischen den Fronten steht zu steigern. Stattdessen folgt Szene auf Szene und der Film läuft weiter vor sich hin ohne wirklich in die Tiefe zu gehen. Konventionelles Drama in konventionellen Bildern. (vs)

Deutschlandpremiere: „Die Stimme des Regenwaldes“ (Schweiz, 2019)

Regie: Niklaus Hilber

Zweites Screening: Sonntag, 20. September 2020, 16.30 Uhr, Virtuelles Kino 5

Die Story:
Der Schweizer Bruno Manser war „Die Stimme des Regenwaldes“. Als der Schweizer Umweltaktivist sich in den 1980er Jahren in den Dschungel Borneos zurückzieht, ist er eigentlich auf der Suche nach sich selbst. Stattdessen findet er im Zusammenleben mit dem Nomadenvolk der Penan ein neues Zuhause. Doch dann wird durch die sich ausbreitende Rodung des Regenwaldes der Lebensraum des Stammes bedroht. Manser organisiert den Widerstand, wird erst zum Medienstar und kurz darauf zum meistgesuchten Mann des Landes.

Niklaus Hilber erzählt in diesem Biopic die wahre Geschichte des schweizer Umweltaktivisten Bruno Manser zwischen 1985 und 2000. Man erfährt dabei viel über die Machenschaften der Holzindustrie und die korrupten Strukturen der Politik, aber vor allem auch wertvolle Details über das wunderbare Wesen und Leben der Penan, einer indigenen Volksgruppe auf der Insel Borneo. Eindrucksvoll wird Mansers Kampf für dieses Volk dargestellt – für diese Menschen, die ihm so viel bedeuteten und die wie eine Familie für ihn waren. Vor allem durch die aktuelle Lage im Amazonas ist einmal mehr wieder ins Bewusstsein gerückt, wie bedeutend die Erhaltung des Regenwaldes für uns alle ist. Ein Film von großer Wichtigkeit und Aktualität über einen Mann, dessen Namen jeder kennen sollte. (ce)

Weltpremiere „Die Ferien des Monsieur Murot“ (2020)

Regie: Grzegorz Muskala

Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) erholt sich beim Urlaub im Taunus. Eine wunderbar leichte Sommerstimmung transportiert der neue, neunte Fall des LKA-Ermittlers schon mit den allerersten Bildern. Ganz dezent erinnert das Hotel, in dem der Urlauber untergekommen ist, an die Herberge aus dem Film von Jacques Tati, der dem Titel Pate stand („Die Ferien des Monsieur Hulot“, F 1953). Die ausführliche Kritik von Achim Neubauer gibt es hier.

Weltpremiere: Full of Fire (GER/SWE 2020)

Regie: Dennis Stormer

Story:
Moa hat ihr bürgerliches Leben satt. Sie verlässt ihren Freund und dessen kleine Tochter, entledigt sich ihres Handys und beginnt per Anhalter eine Odyssee von Stockholm über Lettland und Polen bis hin nach Deutschland. Immer auf der Suche nach dem Glück sammelt sie neue Eindrücke, schließt neue Bekanntschaften. Sie schläft am Strand, auf der Parkbank und in einem Baumhaus im Hambacher Forst. Ihr Ziel, mit ihrer eigenen Musik ein Star zu werden, ist nur ein Vorwand, um ihrem Leben einen Hauch von Poesie zu geben.

Glücklicherweise waren auch mal Gäste live zum Nachgespräch im Kino. Regisseur Dennis Stormer (rechts) war mit Hauptdarstellerin Moa Nilsson und seinem Team nach Oldenburg gekommen, um sein beeindruckendes Debüt „Full of Fire“ vorzustellen.

Glücklicherweise waren auch mal Gäste live zum Nachgespräch im Kino. Regisseur Dennis Stormer (rechts) war mit Hauptdarstellerin Moa Nilsson und seinem Team nach Oldenburg gekommen, um sein beeindruckendes Debüt „Full of Fire“ vorzustellen.
Foto: Volker Schulze

Dem jungen Regisseur Dennis Stormer ist mit seinem Spielfilmdebüt ein sehr sehenswertes Road Movie gelungen, das von der Authentizität der Inszenierung lebt. Allen voran liegt das an seiner schwedischen Hauptdarstellerin Moa Nilsson. Wir werden mitgenommen auf eine intensive Reise auf der Suche nach dem was wirklich zählt im Leben. Die Kamera ist immer dicht dran an der Protagonistin. Neben professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern, traf das Filmteam auf Moas Reise per Anhalter auch auf völlig unvorbereitete Menschen, die sie in ihr Auto ließen und so, zum Teil unwissend, Teil des Films wurden. Fiktion und Realität verschmelzen. Völlig unterschiedliche Lebenskonzepte begegnen Moa auf ihrer Suche, mit denen sie sich auseinandersetzt, um ihren Weg zu finden. Die Musik mit ihren treibenden Beats von Synthesizer und Moas Stimme ist ein wichtiger Bestandteil des Films, die nach Auskunft des Regisseurs auf den digitalen Plattformen zu hören ist. Einige Filmfestgäste kamen in den Genuss am Donnerstagabend einem Konzert von Moa Nilsson lauschen zu dürfen. (vs)

Weltpremiere: Buck Alamo (USA 2020)

Regie: Ben Epstein

Story:
Eli Cody (Sonny Carl Davis) geht auf wackligen Füßen dem Ende seines Lebens entgegen. Der singende Cowboy mit dem Künstlernamen Buck Alamo hat so ziemlich allen Menschen, die er einst liebte, vor den Kopf gestoßen. Nachdem ihm seine Ärztin eröffnet, dass jeder weitere Tag sein letzter sein könnte, macht sich Buck mit seinem treuen Hund Chester auf eine Odyssee, um von seinen Töchtern und Freunden Vergebung zu erbitten und die alten Zeiten Revue passieren zu lassen. Denn geblieben sind ihm nur die Geschichten von damals. Das Ende immer vor Augen aber doch auch verdrängend. Zu schön waren „the good old days“.

Sonny Carl Davis spielt in Ben Epsteins Spielfilmdebüt „Buck Alamo“ den gleichnamigen Lebemann und Countrymusiker auf der letzten Reise seines Lebens.

Sonny Carl Davis spielt in Ben Epsteins Spielfilmdebüt „Buck Alamo“ den gleichnamigen Lebemann und Countrymusiker auf der letzten Reise seines Lebens.
Foto: Epstein Production

Diese Weltpremiere hat wie einige Filme des Festivals einen ausverkauften Kinosaal verdient. So kann man hoffen, dass dieser berührende Film zumindest in den Kinos entsprechend gewürdigt wird. Ben Epsteins Regiedebüt ist die zutiefst poetische und intime Reise eines einst lebensfrohen Mannes, der durch seine Musik lebt und sich nur allzu gern an seine wilden Jahren mit Musik, Alkohol, Drogen und Frauen erinnert. Geblieben ist ein einsamer Mann auf der Suche nach Vergebung, um in Frieden mit seinem Leben abschließen zu können. Gedanken auf seiner Reise schreibt er wie seine letzten Songtexte in ein altes Notizbuch. Der Film in Schwarz/Weiß und Farbe gedreht, je nach Gefühl und Stimmung wechselnd, lebt vom charismatischen Hauptdarsteller Sonny Carl Davis, der für diese Rolle des Oscars würdig ist. Aber auch die Nebenrollen sind beeindruckend. Countrymusik ist verständlicherweise ein wichtiger Bestandteil dieses Films, wie sie es im Leben des umtriebigen Musikers (und in den 1970er Jahren auch des Hauptdarstellers selbst) auch war. So ist „Buck Alamo“ auch eine filmische Ballade. (vs)

Lovecut (AUT/SUI 2020)

Regie: Iliana Estañol und Johanna Lietha

Story:
Ben, Luka, Momo, Alex, Jakob und Anna sind Teenager im heutigen Wien. Sie sind behütet aufgewachsen, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen. Genau deshalb dreht sich ihr Leben hauptsächlich um Sex. Momo hat eine Skypebeziehung mit Alex und möchte ihn nach vielen gemeinsamen digitalen Masturbations-Dates treffen, nicht wissend, dass er querschnittsgelähmt ist. Luka steht auf Ben und versucht, ihn zu dreisten Taten zu überreden; Ben ist aber auf Bewährung und hat nicht wirklich Bock auf eine Gefängnisstrafe. Anna findet immer mehr Gefallen an selbstgedrehten Sexvideos, was Jakob erst lustig, dann sehr verstörend findet. „Lovecut“ ist wie „Sex, Lügen und Instagram“ für die Smartphone Generation: hip, sexy.

„Lovecut“ ist die authentische Darstellung sechs Teenager der Smartphone-Generation im komplizierten Dschungel von Freundschaft, Vertrauen, Sex, Elternhaus und Zukunft.

„Lovecut“ ist die authentische Darstellung sechs Teenager der Smartphone-Generation im komplizierten Dschungel von Freundschaft, Vertrauen, Sex, Elternhaus und Zukunft.
Foto: Silverio Films

Die Regisseurinnen Iliana Estañol und Johanna Lietha haben mit „Lovecut“ einen beeindruckenden und unmittelbaren Film für und mit der jungen Generation gedreht. Die Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller sind monatelang, zum Teil in nächtlichen Streifzügen, auf der Straße gecastet worden. Wichtig waren den Regisseurinnen einzig authentische und charismatische Jugendliche mit Ausstrahlung und dem gewissen Etwas. Immer im Kopf der Beiden, die nicht einfachen Rollen für Laiendarsteller, die ihnen zugedacht werden sollen. In intensiven Workshops wurde der Film anschließend erarbeitet. So lebt dieser lebensnahe Film besonders von der Authenzität, Frische und Direktheit dieser Jugendlichen. Herausgekommen ist ein realistischer, erotischer und gelegentlich auch düsterer Film über Sex und Liebe im Zeitalter der Sozialen Medien. Generationskonflikt inklusive. Alles andere als oberflächlich, wie heutzutage so oft beschrieben. Mein Prädikat: besonders wertvoll (vs)

Weltpremiere: „Borowski und der Schatten des Mondes“

Regie: Nicolai Rohde

Zum „Love And Peace Festival“, das am ersten Septemberwochenende des Jahres 1970 auf der Insel Fehmarn stattfand, wollen auch Susanne Hansen (Mina Rueffer) und ihr Freund Klaus (August Milberg). Per Anhalter sind die Jugendlichen unterwegs, um Jimi Hendrix zu sehen, der hier den letzten Festivalauftritt vor seinem plötzlichen Tod haben wird. Seine „Foxy Lady“ untermalt stimmig die ersten Szenen des Tatort, der mit Archivaufnahmen der „deutschen Antwort auf Woodstock“ einsteigt. Die ausführliche Kritik gibt es hier.

Closing Night

Paz de la Huerta bekam den Seymour Casell Award -Outstanding Performance-Female Actor für die Hauptrolle im Eröffnungsfilm „Puppy Love“. Regisseur Michael Maxxis erhielt für „Puppy Love“ den „Spirit of Cinema Award“.

Paz de la Huerta bekam den Seymour Casell Award -Outstanding Performance- Female Actor für die Hauptrolle im Eröffnungsfilm „Puppy Love“. Regisseur Michael Maxxis erhielt für „Puppy Love“ den „Spirit of Cinema Award“.
Foto: Volker Schulze

Mit der Closing Night in der Kulturetage wurde gestern Abend das 27. Internationale Filmfest Oldenburg beendet. Die Preisträger wurden in diesem Rahmen bekanntgegeben.

Die Kurzfilmjury, bestehend aus dem Fotografen Tim Bruening, der Schauspielerin Patrycja Płanik und dem Regisseur Andreas Horvath, vergab den German Independence Award für den besten Kurzfilm an den russischen Beitrag „The Coat“ von Igor Nevedrov. Ihre Entscheidung begründete die Jury wie folgt: „Die kreative Herangehensweise an die Sprache der Kinematografie und die Erzählweise voller Brüche machen diesen Film zu einem zeitgemäßen Märchen.« Eine lobende Erwähnung erhielt David G. Morgans »Whisky Charly“. Dieser sei „ein wahrhaft visionärer Film, der sieht, ohne zu zeigen“, so die Jury.

Der Publikumspreis, für den die Festival-Zuschauer sowohl nach den analogen als auch nach den digitalen Screenings abstimmen konnten, geht 2020 an „Miracle Fishing“ von Miles Hargrove. Den German Independence Award – Spirit of Cinema erhielt der Eröffnungsfilm „Puppy Love“ von Michael Maxxis.

Daniel Aráoz (rechts) erhielt den Seymour Casell Award -Outstanding Performance- Male Actorfür seine Hauptrolle des Films „The Longest Night“ in der Regie von Moroco Colman (Mitte). Filmfest-Chef Torsten Neumann begrüßte den Regisseur bereits zum zweiten Mal in Oldenburg.

Daniel Aráoz (rechts) erhielt den Seymour Casell Award -Outstanding Performance- Male Actorfür seine Hauptrolle des Films „The Longest Night“ in der Regie von Moroco Colman (Mitte). Filmfest-Chef Torsten Neumann begrüßte den Regisseur bereits zum zweiten Mal in Oldenburg.
Foto: Volker Schulze

Mit dem Seymour Cassel Award für die beste darstellerische Leistung wurden in diesem Jahr Paz de la Huerta für ihre Hauptrolle in „Puppy Love“ sowie Daniel Aráoz, Hauptdarsteller von „The Longest Night“, ausgezeichnet.

Die Jurybegründung lobte Paz de la Huertas „furchtlose und transformatorische Darbietung. Sie erhebt ihre Stimme für alle, die zum Schweigen gebracht wurden und fordert uns heraus, unsere Sichtweise zu überdenken. Sie erinnert uns daran, dass auch Diamanten in der Gosse versteckt sind. Sie ist eine wahre Künstlerin. Und ein Juwel.“

Über Daniel Aráoz‘ beängstigend intensive Darstellung eines Vergewaltigers sagte die Jury: „Wir haben das Grauen miterlebt. Wir wurden zu Begleitern eines Monsters. Das Risiko einzugehen, auf der Leinwand so verachtet zu werden, erfordert außergewöhnlichen Mut.“

Im Wechselbad der Gefühle

Das 27. Internationale Filmfest Oldenburg ist vorbei. Ein Filmfest unter Corona-Bedingungen. Unter diesen Bedingungen bereitet ein Filmfest nicht wirklich Freude. Fazit: Mit mehr Kino-Feeling ist es schöner. Hier zur ausführlichen Rückbetrachtung von Volker Schulze.

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