Filmfest

Filmfest: „Ich fang dann mal an …“

Festivalleiter Torsten Neumann und Oberbürgermeister Jürgen Krogmann bei der Eröffnungsgala des 22. Internationalen Filmfest Oldenburg.

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (rechts) bekannte sich zum Internationalen Filmfest Oldenburg. Darüber freute sich Festivalleiter Torsten Neumann sehr.
Foto: Anja Michaeli

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Oldenburg / am – Mit dem Defilee der prominenten Gäste über den roten Teppich durch das Blitzlichtgewitter begann gestern die Eröffnungsgala zum 22. Internationalen Filmfest Oldenburg. Mit „Ich fang dann mal an …“ und anerkennenden Worten für sein Team und die Sponsoren eröffnete Filmfestchef Torsten Neumann das Festival. Zum Auftakt sahen rund 1000 Zuschauer den österreichischen Film „Jack“ in der kleinen EWE-Arena.

Für eine Überraschung sorgte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, der erstmals zur Eröffnung des Oldenburger Filmfestes sprach: Er bekannte sich nicht nur in seiner Rede zum Festival, sondern gab durch das Tragen eines Filmfest-T-Shirts ein zustimmendes Statement ab. „Oldenburg ist stolz auf sein Filmfest“, so Krogmann. Er wisse natürlich um die schwierigen Diskussionen, wenn es um die Finanzierung gehe (die Stadt fördert das Filmfest mit 50.000 Euro). „Es könnte mehr sein“, so der Oberbürgermeister, aber der Rat der Stadt müsse abwägen. „Die Bedeutung des Filmfestes steht außer Frage“, betonte Krogmann. Seine Anerkennung zollte er auch Torsten Neumann: „Ohne Sie würden wir heute nicht die 22. Ausgabe feiern.“ Der Filmfestchef war darüber sehr gerührt: „Das war unglaublich.“

22. Internationales Filmfest Oldenburg: Eröffnungsgala

Lobende Worte fand auch der US-Konsul Michael Gray. Das Oldenburger Filmfest sei längst eine Institution. Es inspiriere und unterhalte. Ein Lobeslied auf das Festival stimmte Jochen Coldewey, Bereichsleiter Film- und Medienförderung der nordmedia, an: „Viele Festivals entwickeln ihr eigenes Profil, manche schaffen es sogar, eine Marke zu werden – und dazu gehört das Internationale Filmfest Oldenburg.“ So ein Festival verdiene eine öffentliche Förderung, es brauche finanzielle Sicherheit. Er würdigte das „größte Independence-Festival“ für seine „sehr gute Programmgestaltung und das hervorragende Marketing“. Das Oldenburger Filmfest sei ein kultureller Leuchtturm in Niedersachsen und hätte hohe Strahlkraft, so Coldeway. Mit Augenzwinkern sprach er die Hoffnung aus, das Oldenburger Filmfest irgendwann nicht nur sechs-, sondern siebenstellig fördern zu können – auch wenn das sehr schwer werde.

„Jack“: Es blieben Fragen offen

Das Filmfest 2014 endete mit einem Film namens „Jack“ und 2015 begann es damit. Aber außer dem Namen sind die beiden Filme kaum zu vergleichen. Während es sich beim letztjährigen Abschlussfilm um eine Familiendrama handelt, geht es in dem neuen Film der Regisseurin Elisabeth Scharang um den manipulativen und glamourösen Mörder Jack Unterweger, der nach dem Mord an einer jungen Frau 15 Jahre Haft verbüßte, frühzeitig als Musterbeispiel für Resozialisierung entlassen wurde und sich als „Knastpoet“ und „Frauenversteher“ einen Namen machte. Nach einer weiteren Verurteilung wegen einer Mordserie an Prostituierten erhängte er sich.

Nach einem rasanten Start stellt der Film die Lebensgeschichte nicht immer authentisch, aber mit intensiven Bildern dar. Jack Unterweger wirkt bedrohlich. Und sehr kalt und unheimlich sei er ihm auch begegnet, erklärte der Produzent Dieter Pochlatko, der ihn persönlich traf und seinen Knastroman „Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus“ 1988 verfilmt hat. „Die mediale Vorverurteilung ist heute unvorstellbar“, so Pochlatko. „Einmal Mörder, immer Mörder?“, ist die Frage, die der Film stellt. Trotz der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Johannes Krisch und der beachtlichen Arbeit des Kameramannes Jörg Widmer blieb der Applaus ein wenig verhalten. Viele Fragen blieben für das Publikum offen: Einigen kam die Lebensgeschichte zu kurz, andere fühlten deutlich die Ambivalenz in der Person des Jack Unterweger und erhielten keine Antworten. Aber gerade die Darstellung des Mannes, der Charme und Gewalt in sich vereint hat, überzeugt, wenngleich sie ein unwohles Gefühl hinterlässt. Schlussendlich blieb der Fall im Film ungelöst: War er nun der Serienkiller oder war er es nicht?

„Jack“ ist nominiert als einer von zwölf Filmen für den Oldenburger Publikumspreis und wurde zeitgleich auf dem Filmfestival in Toronto vorgestellt. Im Rahmen des Filmfestes Oldenburg wird er noch einmal in der Justizvollzugsanstalt (JVA) am Samstag, 19. September, 16.30 Uhr gezeigt.

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