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Macht Krankheit arm oder Armut krank?

Prof. Dr. Olaf von dem Knesebeck referierte in der Jade Hochschule in Oldenburg über soziale Einflüsse auf die gesundheitliche Versorgung.

Prof. Dr. Olaf von dem Knesebeck referierte in der Jade Hochschule über soziale Einflüsse auf die gesundheitliche Versorgung.
Foto: Piet Meyer

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Oldenburg / zb – Macht Krankheit arm oder Armut krank? Über „Soziale Einflüsse auf die gesundheitliche Versorgung“ berichtete Prof. Dr. Olaf von dem Knesebeck vom Institut für Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf auf Einladung von Dr. Frauke Koppelin, Professorin für Gesundheitswissenschaften beim Master-Studiengang Public Health an der Jade Hochschule am Studienort Oldenburg.

Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Frage, ob alle gesundheitlichen Ungleichheiten ungerecht sind? Doch wie entstehen Ungleichheiten überhaupt? Dass Bildung und Einkommen dabei eine Rolle spielen, ist unbestritten, sagt der Medizinsoziologe. Aber es gibt noch weitere Ursachen, wie zahlreiche Studien belegen. Denn in skandinavischen Ländern, die ein staatliches organisiertes Gesundheitssystem haben, treten vergleichbare Phänomene auf wie in Deutschland.

Einkommen und Lebenserwartung zeigen einen sozialen Gradienten. Je mehr jemand verdient, umso länger lebt man statistisch gesehen. Das kann einen Unterschied von bis zu elf Jahren ausmachen, wie der Referent anhand von Studien darstellte. Das gilt auch für den Bildungsstand. „Je niedriger die Bildung, umso höher ist das Risiko früher zu sterben“, berichtet von dem Knesebeck. Aber auch innerhalb einer Stadt kann die Lebenserwartung sehr unterschiedlich sein. Im Glasgower Stadtteil Calton ist die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern 54 Jahre, im Glasgower Stadtteil Lenzie hingegen 82 Jahre.

Tatsächlich wird über die Lebenserwartung auch im Mutterleib entschieden. Schwangere mit niedrigem Sozialstatus haben nicht selten ein ungünstigeres Gesundheitsverhalten und rauchen häufiger als Schwangere mit höheren Sozialstatus. Folge: Sie bringen kleinere und leichtere Kinder zur Welt. Sind wir dann auf der Welt, entwickeln wir andere gesundheitsschädigende Verhaltensweisen. Wir rauchen, essen zu viel und falsch, wir bewegen uns zu wenig und trinken Alkohol, wobei der vor allem von höheren Bildungsschichten konsumiert wird. Schließlich wirken sich auch familiäre und berufliche Belastungen und unsere sonstigen sozialen Beziehungen auf unsere Gesundheit aus.

Entscheidend für unsere Gesundheit sind zudem der Zugang und die Inanspruchnahme unseres gesundheitlichen Versorgungssystems. So ist bewiesen, dass Präventionsangebote vor allem höhere Bildungsschichten in Anspruch nehmen. Vor und nach einer Präventionskampagne in Hamburg wurden Menschen zu ihrem Wissensstand befragt. Nach Abschluss der Kampagnen wussten diejenigen, die ohnehin schon viel wussten, noch mehr. Offenbar, so bemerkte von dem Knesebeck, finden die Kampagnen an Orten statt, die eher höhere Bildungsschichten ansprechen.

Auch Wartezeiten, Zuzahlungen oder die Kommunikation zwischen Arzt und Patient wirken sich aus. Denn je schneller ein Kranker behandelt wird und dabei möglichst genau versteht, was er hat und wie er sich idealerweise verhalten sollte, umso größer ist seine Chance auf Gesunderhaltung. Gleichwohl stellte der Medizinsoziologe abschließend klar, dass es keine Indikatoren gibt, die den Einfluss des Versorgungssystems umfassend und valide abbilden.

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2 Kommentare

  1. Michael Reins
    17. Juli 2015 um 17.49

    „Schwangere mit niedrigem Sozialstatus haben nicht selten ein ungünstigeres Gesundheitsverhalten und rauchen häufiger als Schwangere mit höheren Sozialstatus.“
    Wie kommt man denn auf eine solche Aussage? Dann könnte man auch sagen, das der höhere soziale Status dazu führt, das mehr Alkohol getrunken würde.
    „So ist bewiesen, dass Präventionsangebote vor allem höhere Bildungsschichten in Anspruch nehmen.“
    Höhere Bildungsschichten oder doch eher diejenigen, die ein hohes Gehalt haben? Nicht jeder ist finanziell in der Lage, kostenpflichtige „Präventionsangebote“ in Anspruch zu nehmen.
    Und wenn eine schnelle Behandlung eher eine heilung verspricht als lange Wartezeiten, stellt sich doch tatsächlich die Frage warum das so ist, das Kassenpatienten länger warten müssen; die Antwort aber ist recht einfach: Mit einem Privatpatienten kann man sehr viel mehr verdienen.
    Oder um Klartext zu reden: Wer Geld hat, bekommt die schnellere und bessere Versorgung.
    Wäre doch toll, wenn ein Professor nicht so lange um den heißen Brei reden würde.

  2. Karl
    17. Juli 2015 um 19.26

    Keine wirklich neuen Erkenntnisse. Schon 1956 befasste sich ein Spielfilm mit diesem Thema:

    http://www.filmportal.de/film/weil-du-arm-bist-musst-du-frueher-sterben_529bf412cd37458fa2b7d08bd2b8877f