Oldenburg

30 Jahre Tafel: Hilfe an der Kapazitätsgrenze

180 Ehrenamtliche halten den Betrieb bei der Oldenburger Tafel am laufen.

180 Ehrenamtliche halten den Betrieb bei der Oldenburger Tafel am laufen.
Foto: Finn Gohra


Oldenburg (fg) Die Oldenburger Tafel feierte ihr 30-jähriges Bestehen. Der Verein unterstützt Bürger/innen mit „Oldenburg Pass“ durch die Verteilung von kostenlosen Nahrungsmitteln. Damit will er Lebensmittelverschwendung bestmöglich verhindern und Menschen in Not helfen.

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Die Nachfrage ist so hoch, dass die Tafel mit einer Warteliste von rund 500 Personen arbeiten muss. Um mehr Menschen helfen zu können, bräuchte sie größere Räumlichkeiten. Mit einem neuen Film zum Jubiläum will der Verein seine Arbeit jetzt besser sichtbar machen.

Bedarf ungebrochen hoch

Was mit sieben Gründern/-innen begann, ist heute ein Verein mit über 500 Mitgliedern. Die Oldenburger Tafel gründete sich am 12. Januar 1996. Das Ziel war damals wie heute gleich: überschüssige, aber noch essbare Ware vor der Verschwendung retten und damit notleidende Menschen unterstützen. Kurz: „Lebensmittel retten – Menschen helfen“.

Die erste feste Ausgabestelle der Oldenburger Tafel befand sich in der Amalienstraße. Doch bald mussten größere Räumlichkeiten her. Die fand der Verein zunächst an der Alexanderstraße, seit 2008 befindet sich der Sitz in der Kaiserstraße 14. Hier stehen 300 Quadratmeter zur Verfügung.

Inzwischen gehören neben den 180 Ehrenamtlichen auch zwei Bundesfreiwillige und ein Festangestellter zum Kernteam des Vereins. Während Ehrenamtliche in frühen Jahren an zwei Tagen Lebensmittel ausgegeben haben, ist sie jetzt an fünf Tagen geöffnet.

Jede Woche unterstützt die Tafel rund 550 Menschen, die einen Oldenburg Pass besitzen, mit frischen Lebensmitteln. Der Pass gibt darüber Auskunft, wie viele Personen einem Haushalt angehören. Hinter den 550 Nutzerinnen und Nutzern verbergen sich also tatsächlich 1500 Menschen, die die Tafel versorgt. Die ausgegebene Menge: jährlich etwa 150 Tonnen essbare Ware, die sonst im Müll landen würde.

„Auch 30 Jahre nach der Gründung der Oldenburger Tafel hat sich an der Armutssituation nichts verändert,“ so der Vereinsvorsitzende Knut Behrends. Er nennt steigende Armut als Grund für die hohe Notwendigkeit der Tafeln. „Es kann nicht sein, dass Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, sich Sorgen machen müssen, am Ende kein Brot auf dem Tisch zu haben“, findet Behrends.

Neben Altersarmut sind auch gestiegene Lebenshaltungskosten und die Versorgung von Geflüchteten Gründe für den hohen Andrang. Aktuell hat der Verein eine Warteliste von etwa 500 Personen. Zwischen Anmeldung und erster Lebensmittelausgabe müssen Kunden der Tafel meistens ein halbes Jahr oder länger warten.

Um noch mehr Menschen helfen zu können, fehlt es laut Verantwortlichen der Oldenburger Tafel vor allem an Platz. Denn wie schon bei den anderen Standorten stößt der Verein an die Kapazitätsgrenze. Das betrifft zum Beispiel die Lagerung und die Ausgabe.

So wird gearbeitet

Die Mannschaft aus ehrenamtlichen Helfern/-innen teilt sich drei Aufgabenfelder. Der Fahrdienst fährt Bäckereien und Supermärkte an, um überschüssige Ware abzuholen und zu den Sortierer/innen zu bringen. Diese begutachten die Ware und räumen sie in die Regale. Anschließend kümmert sich das Ausgabeteam darum, die Lebensmittel an die Kunden der Tafel zu verteilen.

Der Oldenburg Pass

Spontan zur Tafel für kostenlose Lebensmittel zu gehen – das klappt nicht. Nur Besitzer/innen des Oldenburg Passes können das Angebot in Anspruch nehmen. Dafür müssen sie ihre Bedürftigkeit nachweisen und einen festen oder ersten Wohnsitz in Oldenburg haben. Die Beantragung erfolgt bei der Stadt.

Film mit Blick hinter die Kulissen

Wie die Arbeit der Organisation konkret aussieht, zeigt ein neuer Imagefilm, der für das Jubiläum produziert wurde. Er soll Außenstehenden den Alltag der Oldenburger Tafel näherbringen. Diesen Film finden Sie hier.

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