Nachrichten

Verband bemängelt Unterstützung für Sexarbeiter in Pandemie

Prostituierte, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Berufsverband erotische & sexuelle Dienstleistungen (BesD) vermisst in der Coronakrise politische Fürsprecher für Sexarbeiter. „Wir sind die ersten, die im Lockdown schließen müssen und die letzten, die wieder arbeiten dürfen, auch wenn wir faktisch nicht mehr oder weniger Viren übertragen“, sagte Sprecher André Nolte dem Nachrichtenportal Watson.

Anzeige

„Wir ziehen den Kürzeren, weil wir keine große Lobby haben und nicht salonfähig sind“, so Nolte, der selbst Sexarbeiter ist. „Kaum ein Politiker würde sich hinstellen und sagen, er habe sich mit uns zusammengesetzt, wie sie es mit Friseuren tun.“ Im Zuge des ersten Lockdowns wurden sexuelle Dienstleistungen ab März 2020 verboten. Die lange Berufspause unter Corona käme einigen Politkern mitunter ganz recht, vermutet der Sprecher: „Ich glaube, viele würden Sexarbeit gerne ganz verbieten, einige Politiker sagen das ja auch ganz offen. Da geht es nicht um tatsächliche Infektionswege oder die Sicherheit der Sexworker, sondern um Moral.“

Denn Sex-Kauf fände auch unter Corona weiterhin statt, nur eben im Verborgenen. Im Zweifelsfall stünden Schwarzarbeiter mit Gewalterfahrungen alleine da, würden sich nicht an die Polizei wenden: „Sie trauen sich nicht, Hilfe anzunehmen, weil sie derzeit eine kriminelle Handlung begehen und dementsprechend Angst vor Bußgeldern oder Abschiebung haben“, sagte der Branchenvertreter. „Diese Menschen sind ausgeliefert.“

Ein größeres, strukturelles Problem erwartet die Branche, wenn die Bordelle nach und nach pleitegehen, warnt der Verband. „Das ist verheerend für die Branche“, warnte Nolte. „Denn die Bordelle stellen eine wichtige Infrastruktur für viele Sexworker dar.“ Dort stünden Securitys, Reinigungskräfte und Rezeptionen zur Verfügung, um Hygiene- und Sicherheitskonzepte umzusetzen.

Sexworker, die Bordelle gewöhnt wären und nun spontan auf Hausbesuche ausweichen, brächten sich in Gefahr, so Nolte: „Was, wenn eine unerfahrene Sexworkerin heimlich einen Hausbesuch zusagt, zum Kunden fährt und dann sitzen da plötzlich zwei Typen statt einem?“

Foto: Prostituierte, über dts Nachrichtenagentur

Vorheriger Artikel

Brinkhaus dringt auf Notbremse des Bundes

Nächster Artikel

Klöckner will Einigung über K-Frage der Union dieses Wochenende

7 Kommentare

  1. Chrissi
    19. April 2021 um 19.24

    Von 200.000 bis 400.000 Prostituierten waren schon vor Corona nur etwa 40.000 offiziell gemeldet: Offensichtlich verkaufen die meisten illegal „Sex“.

    Die meisten tun es fremdbestimmt, wie in der 3sat-Doku vom 4. März 21 „Prostitution: Kein Job wie jeder andere“ ans Licht kam.

    Deutschland ist seit der Legalisierung der Prostitution 2002 das Sextourismusland Europas, ein Schlaraffenland für Menschenhändler und ein Alptraum für verschleppte Mädchen.

    Zur „Moral“: Menschenhandel ist moderne Sklaverei. Das sagt doch alles.

    „Auch bezahlte Vergewaltigung ist Vergewaltigung.“ (Michael Brand, MdB)

    Wenn Zuhälter „ihre“ Frau (unter schwersten Morddrohung gegen sie und ihre Familie) dazu bringen, vor Gericht zu sagen, alles sei freiwillig gewesen, muss (!) das Gericht die Täter laufen lassen.

    Die Nachfrage nach immer neuen Frauen ist die Haupttriebfeder des Menschenhandels.

    Der Geldhahn ist erst dann zugedreht, wenn Männer nicht mehr für „Sex“ bezahlen.

    Genau da muss der Bundestag ansetzen:
    Sexkäufer bestrafen, Prostituierte straffrei lassen und Opfern den Ausstieg leichter machen.

    Das Problem bei der Wurzel anpacken!

    • W. Lorenzen-Pranger
      20. April 2021 um 14.47

      Prostitution bekommt man, wie Rauschmittel auch, ganz sicher nie aus einer Gesellschaft heraus. Selbst bei TIeren gibt es so etwas, bekannt geworden vor allem durch das Verhalten von Schimpansen z.B.
      Der Versuch, das irgendwie reguliert zu halten, ist immerhin aller Ehren wert, auch wenns bisher wahrhaft nicht optimal gelaufen ist.

      • Chrissi
        5. Mai 2021 um 14.30

        Schweden ist ein gutes Beispiel:

        Prostitution ist dort deutlich weniger geworden und den Frauen geht es deutlich besser als in Deutschland.

        Für Menschenhändler ist Schweden uninteressant geworden.

        Morde an Prostituierten gibt es dort fast gar nicht mehr.

        Der Bundestag muss endlich die Augen aufmachen und handeln:

        Freier bestrafen und Prostituierte straffrei lassen!

  2. Chrissi
    19. April 2021 um 19.25

    Gute Infos gibt es in „Das Nordische Modell zu Prostitution – Ein Perspektivwechsel zum Schutz der Menschenwürde“ von Dr. Ingeborg Kraus

  3. Markus
    20. April 2021 um 15.46

    Sex gegen Geld ist Prostitution? Gilt das auch bei Haushaltsgeld?

    • W. Lorenzen-Pranger
      20. April 2021 um 23.45

      All zu oft – vermutlich JA.

  4. Chrissi
    5. Mai 2021 um 14.31

    Es geht um bezahlte Vergewaltigung.