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Risikoexperte: Defensives Entscheiden kostet Wirtschaft Milliarden

Glasfassade an einem Bürohaus, über dts Nachrichtenagentur

Potsdam (dts Nachrichtenagentur) – Der Risikoexperte Gerd Gigerenzer geht davon aus, dass bis zu 40 Prozent aller wichtigen Entscheidungen von Führungskräften zweitklassig sind – und viele davon nicht mutig genug. „Defensives Entscheiden kostet Unternehmen jedes Jahr Milliarden“, sagte der Direktor des Harding Zentrums für Risikokompetenz dem „Zeit-Magazin“ (Spezial Arbeit).

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Um im Management erfolgreich zu sein, brauche man „Intuition und Erfahrung“. Und außerdem: „Den Mut, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen schnell zu treffen“, so der Psychologe. Risiko und Intuition seien elementar für Innovation im Unternehmen. Auch auf die Teamzusammensetzung komme es an: „Ohne einen unabhängigen Geist kann man leicht dem `group think` zum Opfer fallen, also der psychologischen Tendenz, das, was die anderen gerade sagen, gut zu finden, weil man ja akzeptiert werden möchte.“

Der Fachbuch-Autor erklärt, die Qualitätskontrolle beginne bereits bei der Bewerberauswahl. Während traditionell „auf akademische Abschlüsse, den Ruf der Universität oder Ergebnisse von Persönlichkeitstests“ geachtet werde, würden Manager wie Elon Musk oder Jeff Bezos einzig auf „außergewöhnliche Fähigkeiten“ ihrer Mitarbeiter setzen. Der ehemalige Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung kritisiert Manager dafür, bei wichtigen Entscheidungen nicht zu ihrer Intuition zu stehen: „Denn für eine Bauchentscheidung muss man selbst die Verantwortung übernehmen. Wir leben aber in einer Zeit, in der immer weniger Führungskräfte noch bereit sind, dies zu tun.“

Selbst Schachweltmeister Magnus Carlsen oder Steve Jobs hätten ihre Erfolge ihrer Intuition zu verdanken, so Gigerenzer. „Intuition ist der Motor von Innovation“ und beruhe auf jahrelanger Erfahrung. Das Harding Zentrum für Risikokompetenz, dessen Direktor Gigerenzer ist, gehört zur Universität Potsdam und arbeitet auch mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) zusammen. So wurden zuletzt „Faktenboxen“ erstellt, um möglichen Nutzen und Schaden einer Schutzimpfung gegen Covid-19 abzuwägen.

Foto: Glasfassade an einem Bürohaus, über dts Nachrichtenagentur

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