Kinderhilfswerk beklagt „kinderpolitisches Versagen“

Kinder vor einem unsanierten Haus in Berlin-Neukölln, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Das Deutsche Kinderhilfswerk hat angesichts des Höchststandes von Kindeswohlgefährdungen im Corona-Jahr 2020 ein „kinderpolitisches Versagen“ beklagt. „In der Coronakrise wurden viele Kinder und ihre Familien aufgrund eingeschränkter Arbeitsfähigkeit potenzieller Hilfseinrichtungen einer Risikosituation überlassen, ohne dass die Gesellschaft nachhaltig Antwort darauf gefunden hat“, sagte Vize-Geschäftsführer Kai Hanke der „Welt“ (Donnerstagsausgabe).

Die Zahlen der Jugendämter, aber auch die Berichte aus Kinder- und Jugendarztpraxen und Psychiatrien zeigten, „dass innerfamiliäre Konflikte im Zuge der Coronakrise deutlich zugenommen haben und viele Kinder und Jugendliche zunehmend Ängste, Vereinsamung, Unsicherheiten und Depressionen zeigen“. Trotz der steigenden Aufmerksamkeit für das Thema Kindeswohlgefährdung befürchtet Hanke eine sehr hohe Dunkelziffer. Auch die stellvertretende Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Martina Huxoll-von Ahn, rechnet mit einem großen Dunkelfeld, auch weil einige Jugendämter zu Beginn der Coronakrise nur schwer erreichbar gewesen seien. „Wir gehen davon aus, dass sich die Situation im Lockdown im Winter noch zugespitzt hat“, sagte sie der Zeitung.

Anzeige

„Er war für die meisten Familien deutlich anstrengender als der erste.“ Die familienpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Ekin Deligöz, sagte unterdessen, dass im Corona-Jahr vor allem die psychische Gewalt gegen Kinder sehr verbreitet gewesen sei. „Die häusliche Enge im Lockdown hat familiäre Konflikte stark befördert. Das wahre Ausmaß der Folgen können wir jetzt erahnen“, so die Grünen-Politikerin.

Für ein genaues Bild sei es aber noch zu früh. Positiv bewertete Deligöz die gestiegene Aufmerksamkeit für Kindeswohlgefährdungen: „Die Bevölkerung ist durch die Missbrauchsfälle der letzten Jahre sehr stark sensibilisiert worden.“ Die Gesetzesänderungen der letzten Jahre zeigten Wirkung, das sei zunächst einmal gut. Dadurch werde das Dunkelfeld langsam aufgehellt.

Foto: Kinder vor einem unsanierten Haus in Berlin-Neukölln, über dts Nachrichtenagentur

Mehr aus diesem Ressort
NachrichtenGewinnzahlen Eurojackpot vom Freitag (23.10.2026)NachrichtenGdP Berlin will neue Regeln für Länderwechsel von PolizistenNachrichtenHerrmann: Abwanderung von Berliner Polizisten alarmierend
StartseiteKommentieren
Weitere Artikel
Sport2. Bundesliga: Bochum und Wolfsburg trennen sich unentschiedenNachrichtenDax lässt deutlich nach – steigende Ölpreise belastenNachrichtenSöder will „Extremisten-Klausel“ beim LänderfinanzausgleichNachrichtenPiloten werfen Ryanair gezielte Gewerkschaftsbekämpfung vorBremenLänderchefs fordern Korrekturen am Windenergie-auf-See-GesetzOldenburgVon Vollbrand bis Schildkröte: Die Ausbildung bei der Feuerwehr

Anzeige

StellenmarktJobs in OldenburgAktuelle Stellenangebote aus Oldenburg und der Region.LokalesNachrichten aus OldenburgAlle Meldungen aus der Stadt auf einen Blick.Immer informiertWhatsApp-KanalDie wichtigsten Nachrichten direkt aufs Handy.MenschenOldenburger/in des MonatsJeden Monat ein besonderes Gesicht der Stadt.
Im FokusTopthemenKramermarktUOdMVerkehr
Social MediaFolge unsFacebookInstagramYouTubeTikTok