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Diakonie-Präsident gegen Dienstpflicht

Vier junge Leute auf einer Treppe, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Diakonie-Präsident Ulrich Lilie hat sich in der Dienstpflicht-Debatte gegen Pflicht und für eine Stärkung der freiwilligen Dienste ausgesprochen. „Ich möchte mir keine genötigten Freiwilligen vorstellen, die schlecht gelaunt und unmotiviert mit dem Maßband die Dauer ihres sozialen Dienstes bei hochaltrigen Menschen oder Menschen mit Beeinträchtigungen messen“, sagte Lilie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Die Forderung nach einer gesellschaftlichen Dienstpflicht ist nicht zu Ende gedacht und nicht wirklich sinnvoll.“

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Man wisse, dass die Motivation deutlich höher sei, wenn sich Menschen freiwillig entscheiden, einen sozialen Dienst zu verrichten, so der Präsident des evangelischen Wohlfahrtsverbands. „Die Arbeit mit Menschen kann schon von der Sache her keine reine Pflichtveranstaltung sein.“ Er plädiere deshalb dafür, dass nationale wie internationale Formate der Freiwilligendienste weiter zu stärken und attraktiver zu machen. Besser als die „sehr deutsche Pflichtdenke“ sei es, überzeugende Anreize zu schaffen für Menschen, die sich engagieren. Dies könne unter anderem durch die Anerkennung der freiwilligen Erfahrungen bei der Berufs- und Studienausbildung sowie Erleichterungen und Vergünstigungen im öffentlichen Leben erreicht werden, zum Beispiel über vergünstigte oder freie Tickets für den öffentlichen Nahverkehr, die Deutsche Bahn oder kulturelle Veranstaltungen. Um diese Maßnahmen umzusetzen, brauche es eine verbesserte finanzielle Ausstattung des Systems der Freiwilligendienste, sagte Lilie. „Insbesondere sollten wir bei sozialen oder ökologischen Jahren aber bitte nicht immer nur an die Schulabgänger denken, sondern auch an die infolge der Digitalisierung immer größer werdende Gruppe derer, die mitten im Leben stehen und eine berufliche Neuorientierung suchen und hier ihre freiwilligen Erfahrungen mit einer Weiterbildung oder eine weiteren Ausbildungsperspektive verbinden können.“

Foto: Vier junge Leute auf einer Treppe, über dts Nachrichtenagentur

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