Kultur

World Press Photo 2021: Hoffnung in der Covid-Pandemie

Weltpressefoto des Jahres: Rosa Luzia Lunardi (85) wird von Krankenschwester Adriana Silva da Costa Souza im Pflegeheim Viva Bem in São Paulo, Brasilien, umarmt. Es war die erste Umarmung, die Rosa seit fünf Monaten erhalten hatte.

Weltpressefoto des Jahres: Rosa Luzia Lunardi (85) wird von Krankenschwester Adriana Silva da Costa Souza im Pflegeheim Viva Bem in São Paulo, Brasilien, umarmt. Es war die erste Umarmung, die Rosa seit fünf Monaten erhalten hatte.
Foto: Mads Nissen

Oldenburg (pm) Auch im kommenden Jahr wird die World-Press-Photo-Ausstellung auf ihrer Reise um die Welt Station in Oldenburg machen. Sie soll vom 19. Februar bis zum 13. März im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen sein. Über den Stand der Vorbereitungen informierten die Veranstalter jetzt auf einer Online-Pressekonferenz.

Anzeige

Die vergangenen beiden Jahre waren für Pressefotografen in aller Welt kompliziert. Viele konnten ihren Beruf coronabedingt nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen nachgehen. „Wenn man das bedenkt, ist es durchaus erstaunlich, dass sich erneut über 4.300 Fotografinnen und Fotografen mit mehr als 74.000 Aufnahmen am Wettbewerb um das beste Pressefoto des Jahres beteiligt haben“, sagte Claus Spitzer-Ewersmann im Rahmen eines Pressegesprächs. Der Geschäftsführer der Medienagentur Mediavanti holt die World-Press-Photo-Ausstellung seit 2016 alljährlich nach Oldenburg ins Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.

Weltpressefoto des Jahres von Mads Nissen

Corona – dieses Thema ist auf vielen Fotos des aktuellen Jahrgangs präsent. Das beginnt schon beim Siegerbild des Wettbewerbs. Es zeigt die 85-jährige Brasilianerin Rosa Luzia Lunardi, die nach fünfmonatiger Isolation in einem Pflegeheim in Sao Paulo erstmals wieder von einer Krankenschwester umarmt wird, wenn auch durch einen Plastikumhang getrennt. „In den tristen Zeiten der Covid-Pandemie sticht dieses Foto heraus. Es setzt ein Zeichen, dass wir Hoffnung für die Zukunft haben können und haben sollen“, begründete Jurymitglied Pilar Olivares die Wahl. „Für mich ist dies eine Geschichte über Hoffnung und Liebe in den schwierigsten Zeiten“, fügte Fotograf Mads Nissen hinzu. Der in Kopenhagen lebende Preisträger verbrachte mehrere Wochen in Brasilien, um, wie er sagte, die Tatenlosigkeit von Präsident Bolsonaro und die Hilflosigkeit der Bevölkerung zu dokumentieren.

Der 42-jährige Däne ist einer von nur fünf Fotografen, die den seit Mitte der 1950er Jahre ausgetragenen Wettbewerb zweimal gewinnen konnten. Er war bereits 2015 mit einer Aufnahme siegreich, die auf die Lage Homosexueller in Russland aufmerksam machte. „Schon damals durften wir ihn als Gast bei der Eröffnung unserer Ausstellungspremiere begrüßen“, erinnert sich Claus Spitzer-Ewersmann, „und wir freuen uns sehr, dass er auch diesmal wieder nach Oldenburg kommen wird“.

Die Vorbereitungen laufen

Alle Vorbereitungen sind auf den Start am 19. Februar ausgerichtet. „Wir hoffen wirklich, dass wir die bei unseren Besucherinnen und Besuchern so beliebte Ausstellung dann wieder zeigen können“, sagte Dr. Anna Heinze, stellvertretende Direktorin des Landesmuseums. „Selbstverständlich tragen wir – wie schon in den letzten Monaten – die Schutzmaßnahmen mit, um allen einen sicheren Besuch unseres Hauses zu ermöglichen.“ Für alle Fälle gibt es einen Plan B: Die Eröffnung der Ausstellung könnte um drei Wochen verschoben werden.

Eine kleine Erfolgsgeschichte in der großen schreibt die Aktion „schule@museum“. Mit der Aktion „schule@museum“ bereiten sich Schülerinnen und Schüler darauf vor, Schulklassen durch die Ausstellung zu führen und ihnen deren Besonderheiten zu erläutern. „2022 sind sogar erstmals zwei Schulen dabei“, erläutert Organisationsleiterin Lisa Knoll von Mediavanti: „Zu den Schülerinnen und Schülern der IGS Kreyenbrück kommen dann auch welche von der IGS Flötenteich.“

Sonderschau mit 50 exklusiven Aufnahmen

Zu einer von den Besucherinnen und Besuchern geschätzten Ergänzung der „World Press Photo“ haben sich in den vergangenen zwei Jahren die Sonderschauen entwickelt. Zweimal waren in Europa Arbeiten afrikanischer Fotografinnen und Fotografen zu sehen, die ihren klischeefreien Blick auf die Geschehnisse vor der eigenen Haustür zeigten.

„Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter“, verkündete Lisa Knoll anlässlich des Pressetermins. Auf dem Projekt „Everyday Africa“ baut nämlich die weltweite Bewegung „Everyday Projects“ auf. „Wir können hier in Oldenburg exklusiv 50 Aufnahmen von zwölf Fotografinnen und Fotografen zeigen, die sich für den Everyday Projects Grant, ein einjähriges Fotografie-Stipendium, beworben hatten“, erklärt Knoll. Die Teilnehmenden stammen unter anderem aus Ländern wie dem Sudan, aus Mexiko, Afghanistan und Nigeria.

Ein neugieriger kalifornischer Seelöwe schwimmt am Tauchplatz Breakwater in Monterey, Kalifornien, USA, auf eine Gesichtsmaske zu.

Ein neugieriger kalifornischer Seelöwe schwimmt am Tauchplatz Breakwater in Monterey, Kalifornien, USA, auf eine Gesichtsmaske zu.
Foto: Ralph Pace

Rahmenprogramm

„Wir arbeiten gerade an den letzten Details“, sagte Organisator Spitzer-Ewersmann. Fest steht, dass es neben Workshop- und Filmangeboten wieder die Sonntagsmatineen, eine Podiumsdiskussion und eine Reihe an Vorträgen geben wird.

Unter anderem kommt mit Ursula Meissner, eine deutsche Kriegs- und Krisenfotografin, nach Oldenburg, um von ihren Erlebnissen unter anderem im Afghanistan zu berichten.

Bilder seiner Langzeit-Dokumentation über die Folgen der Sommerflut in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wird der Dortmunder Fotograf Maximilian Mann vorstellen.

Falls die Infektionslage keine Präsenzveranstaltungen zulasse, werde man dafür ins Digitale ausweichen, erklärte Spitzer-Ewersmann. „Das ist zwar eine Notlösung, hat aber 2021 gut funktioniert.“

Überblick der Veranstaltung

Einmal mehr werden alle Informationen zur Ausstellung und den Rahmenveranstaltungen in einem Programmheft zusammengefasst. Die gedruckte Version wird wieder Mitte Januar erscheinen. Auf der Website der Veranstaltung steht die digitale Version schon einige Tage vorher zum Download bereit. Abschließend bedankte sich Claus Spitzer-Ewersmann bei allen Partnern und Sponsoren der Ausstellung für ihr weiterhin großes Engagement: „Trotz all der Pandemie-Probleme ist niemand abgesprungen, ganz im Gegenteil: Wir haben sogar einen weiteren Sponsor hinzugewinnen können“.

Informationen

World Press Photo – Exhibition 2021
19. Februar bis 13. März 2022
Öffnungszeiten: Dienstag/Mittwoch und Samstag/Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag/Freitag 10 bis 20 Uhr
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg (Schloss)
www.worldpressphoto-oldenburg.de

Vorheriger Artikel

Union geht wegen Nachtragshaushalt vor Bundesverfassungsgericht

Nächster Artikel

Kassenärzte gegen Boostern nach vier Wochen