Theater

Theaterkritik: Effi Briest – ein moderner Klassiker

Rebecca Seidel spielt Effi Briest nach Theodor Fontane derzeit im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters.

Rebecca Seidel (links) spielt Effi Briest nach Theodor Fontane derzeit im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters.
Foto: Stephan Walzl

Oldenburg (vs) Vorhang auf. Ein Schuss. Ende des Dramas. Wer Effi Briest, den Klassiker von Theodor Fontane, kennt, weiß um dieses Ende und den anderen wird bei der Premiere des Oldenburgischen Staatstheaters das Ende an den Anfang von zweieinviertel Stunden Klassiker im modernen Gewand gestellt. Bis zur Pause zieht sich die Inszenierung von Oberspielleiter und Regisseur Peter Hailer in seiner eigenen Bühnenfassung langsam und solide hin.

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Spannungslos bringt Hailer die Geschichte um eine Frau, die zwangsverheiratet wird und nicht fliehen kann, auf die Bühne. Können Ehebruch und Moralvorstellungen heute noch Publikum ziehen? Das Große Haus ist fast ausverkauft und die Deutschlehrer freuen sich immer über Klassiker für ihren Unterricht. Das Band-Trio soll der Inszenierung etwas Pep verleihen. Maria Tripelli wird dabei als Sängerin von Helen Wendt verkörpert.

Rebecca Seidel bringt als junge, verspielte Effi Briest im braven rosa Kostüm bis zur Pause als Einzige etwas Leben in den schlichten grauen, decken hohen Holzkasten (Bühne: Martin Fischer). Sie leidet unter der Zwangsheirat mit dem stocksteifen Geert von Innstetten (ein eiskalter und abgeklärter und erst nach der Pause ein nachdenklicher Fabian Felix Dorst), eingefädelt von ihren Eltern Luise von Briest (eine gefühlvolle aber kontrollierte Franziska Werner) und von Briest (ein farbloser Matthias Kleinert mit flotten Sprüchen). Diese Heirat soll ihrem Kind den persönlichen Erfolg bringen, der ihr verwehrt blieb. Überhaupt sind Gefühle in dieser Familie ein Fremdwort. Diese hegt Apotheker Alonzo Gieshübler (ein kauziger und liebevoller Thomas Birklein) für Effi zur Verachtung ihres Mannes. Eine kurze Affäre mit Major von Crampas (ein unauffälliger Johannes Schumacher) bringt für einige Zeit Schwung in ihr einsames Leben und die Hoffnung auf etwas Freiheit in ihrem häuslichen Gefängnis in der pommerschen Einöde. Rückhalt findet die verzweifelt nach Zuneigung suchende Effi nur durch ihre Haushälterin Roswitha (eine herrliche und herzliche Caroline Nagel).

Nach der Pause nimmt die Inszenierung glücklicherweise Fahrt auf, das Spiel wird lebendiger und spannender. Effi wandelt vom Mädchen zur gestanden Frau im schicken leuchtend roten Kleid. Spannung kommt auf, nachdem von Innstetten zufällig die heimlichen Liebesbriefe von Crampas an seine Frau entdeckt. Es kommt der Anfang des Abends mit bekanntem Ausgang. Das Duell eines gekränkten Ehrenmannes folgt standesgemäß nach dem Fund der Briefe. Nach dem tödlichen Schuss auf den ehemaligen Nebenbuhler folgt wortlos die Scheidung. Zurück nach Hause zu den Eltern kann Effi nicht gehen. Das lassen der Stand und der Ruf im Dorf nicht zu. Allein bleibt sie auf der Bühne zurück. Reichlich Applaus und vereinzelte Bravos.

Vorstellungstermine und Karten gibt es unter www.staatstheater.de und staatstheater.de/effibriest.html.

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