Theater

„Alle meine Söhne“ begeistert im Staatstheater

Die erste Schauspielpremiere von Alle meine Söhne im Oldenburgischen Staatstheater des neuen Oberspielleiters Peter Hailer war ein Erfolg.

Von links: Caroline Nagel (Kate Keller), Matthias Kleinert (Joe Keller), Rajko Geith (George Deever), Diana Ebert (Ann Deever).
Foto: Karen Stuke

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Oldenburg (vs) – Als Einstand nach Maß kann man die erste Schauspielpremiere im Oldenburgischen Staatstheater unter der neuen Leitung von Oberspielleiter und Regisseur Peter Hailer bezeichnen. „Alle meine Söhne“ von Arthur Miller feierte im fast ausverkauften Kleinen Haus eine Premiere mit langanhaltendem Applaus und vereinzelten Bravo-Rufen.

Der Klassiker des amerikanischen Schriftstellers aus dem Jahr 1947 kommt ohne Schnörkel auf die Bühne. Ein zeitloser Raum (Bühne und Kostüme: Dirk Becker), nur mit wenigen Stühlen, einem umgestürzten Baum und einer Videoinstallation im Bilderrahmen mit kitschig-bedrohlichem Abendrot, bildet die Kulisse für dieses eindringliche Familiendrama. Beginnend mit kleinen Plaudereien und leichter Situationskomik spitzt sich die Inszenierung langsam aber unaufhaltsam zu, um in der zu erahnenden Katastrophe die Zuschauer aus den roten Sesseln zu knallen. Die Regie versucht erst gar nicht, ein biederes amerikanisches Nachkriegsheim darzustellen und gibt damit Raum für die zweischneidige Vergangenheit, um den Vater und Patriarchen Joe Keller unverblümt zu zeigen. Neu-Schauspieler Matthias Keller, zu Beginn eher blass, steigert sich zusehends in seiner Rolle und den Versuchen, alle Schuld von sich zu weisen und mit seiner Macht als Familienoberhaupt die Fäden in der Hand zu halten.

Ausgangspunkt der Tragödie ist die fehlerhafte Lieferung von Zylinderköpfen für die Luftwaffe, weshalb in der Folge 21 Piloten getötet werden. Firmeninhaber Joe Keller kann die Schuld vor Gericht von sich weisen, ins Gefängnis kommt ein Mitarbeiter und Freund. Die Familie ahnt um die Wahrheit, will sich aber nichts eingestehen. Profit und Macht steht über den Toten. Also doch nicht ganz zeitlos dieses Stück Theater. Unter den Toten war auch Sohn Larry auf dessen Rückkehr nur noch Mutter Kate (wie immer mit beeindruckender, beim Zuschauen fast schmerzender Präsenz gespielt von Caroline Nagel) wartet. Die Familie zerbricht förmlich an ihrer Lebenslüge, darf das Aufgeben des Sohnes aber auf keinen Fall preisgeben. Sohn Chris (gespielt von dem wunderbar hin- und hergerissenen neuen Ensemblemitglied Johannes Lange) erwartet Ann Deever, die Tochter des unschuldig Inhaftierten und „Mädchen“ des Bruders zur Verlobung, von der Mutter Kate vorerst nichts erfahren darf. Kate (brav gekleidet, stark gespielt von Neumitglied Diana Ebert) wird erst durch das plötzliche Auftauchen von Annes Bruder und Rechtsanwalt George (herrlich klar und direkt von Neumitglied Raijo Geith) „wachgerüttelt“. Anschuldigungen, Diffamierungen, Wut, Trauer und Aufgabe prasseln auf die Familie ein und lassen die Lebenslüge wie ein Kartenhaus zusammenfallen.

In Nebenrollen sind der souveräne Thomas Lichtenstein als Freund des Hauses mit seiner Frau Sue (als Gast: Christina Kühnreich) und Nachbars-Teenager Lydia (Schauspielstudentin Alexanddra Ostapenko als Gast) zu sehen. Einzig diese beiden Frauen kommen angestrengt klischeehaft in Gestik und Kostüm auf die Bühne und stören die ansonsten perfekte Inszenierung.

Arthur Miller sagt über sein Stück, er versuche „so unliterarisch wie irgendmöglich zu schreiben“. Ihm, wie auch der Regie, ist das bestens gelungen. Über diesen erfolgreichen Einstand wird sich auch der neue Generalintendant Christian Firmbach gefreut haben. Dieses neue Schauspielensemble macht auf jeden Fall Lust auf mehr Theater.

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