Theater

Neuer Spielplan am Oldenburgischen Staatstheater

Telse Hahmann, Antoine Jully, Gesine Geppert, Marc-Oliver Krampe, Christian Firmbach, Peter Hailer, Matthias Grön und Petra Bohlen freuen sich auf das neue Programm in ihren Sparten am Oldenburgischen Staatstheater.

Telse Hahmann, Antoine Jully, Gesine Geppert, Marc-Oliver Krampe, Christian Firmbach, Peter Hailer, Matthias Grön und Petra Bohlen (von links) freuen sich auf das neue Programm in ihren Sparten.
Foto: Anneke Hoffmann

Oldenburg (pm) 32 Premieren und 18 Wiederaufnahmen hält die neue Spielzeit 2018/19 für die Besucherinnen und Besucher des Oldenburgischen Staatstheaters bereit, unter anderem zehn Uraufführungen, drei Niederdeutsche Erstaufführungen und ein umfangreiches Konzertprogramm. Außerdem erwarten das Publikum mit den 14. Internationalen Tanztagen, den Jugendtheatertagen sowie der Beteiligung an Plattart Neuauflagen dreier traditionsreicher Theater- beziehungsweise Kulturfestivals.

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In der fünften Spielzeit unter Generalintendant Christian Firmbach sei es mehr denn je der Wunsch des Theaters, sich zu öffnen und damit ein Gegengewicht zu der zunehmenden Abgrenzung in der Gesellschaft zu setzen, teilt das Oldenburgische Staatstheater mit. Mithilfe der Internationalität des Theaters, durch Kooperationen mit Kulturschaffenden und einer Reihe partizipativer Formate und Projekte soll deutlich werden, „wie das Andere das Ich in seinem Tun bereichern kann“.

Schauspiel

Der Spielplan in der Sparte Schauspiel fußt im Wesentlichen auf zwei Säulen: auf Texten der Weltliteratur wie „Effi Briest“, „Romeo & Julia“, „Der zerbrochne Krug“, Georges Orwells „1984“ und Hermann Hesses „Steppenwolf“ sowie auf Uraufführungen wie die des queeren Dramas „Russian Boy“ von Dimitri Sokolov, Rebekka Kricheldorfs „Das Haus auf Monkey Island“ sowie Texten jüngerer deutscher Dramatik wie die schwarzhumorige Komödie „Ein großer Aufbruch“ von Magnus Vattrodt.

Darüber hinaus wird sich das Schauspielensemble erstmals in einem Musical präsentieren. Im Genreklassiker „The Rocky Horror Show“ wird auch das Publikum ins Rampenlicht gestellt. Bei speziellen Vorstellungen wird die Möglichkeit gegeben, in einer eigens dafür eingerichteten Dance-Area direkt vor der Bühne zum „Timewarp“ das Tanzbein zu schwingen. Ebenfalls unter das Stichwort Publikumsbeteiligung fällt das Projekt „O. – eine Stadt sucht ihr Drama“. Hier werden in szenischen Lesungen verschiedene Texte vorgestellt und besprochen, über deren Aufführung in der Spielzeit 19/20 in einer Publikumskonferenz jede und jeder mitdiskutieren und entscheiden darf.

Oper

Die Sparte Oper schmiedet weiter den „Ring“: Die Spielzeit eröffnet mit dem dritten Teil der Tetralogie, „Siegfried“. Das Sagenpaar Siegfried und Brünnhilde sind Zoltán Nyári und Nancy Weißbach. Als konzertante Oper steht „La Damnation de Faust“ von Hector Berlioz auf dem Spielplan, das – obgleich hochdramatisch – ausdrücklich für den konzertanten Vortrag geschrieben wurde. Marguerite und Faust sind die neuen Ensemblemitglieder Ann-Beth Solvang und Zoltán Nyári im Wechsel mit Jason Kim.

Es folgt Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“. In der Barocklinie geht der Blick nach Frankreich: „Les Paladins“ von Jean-Philippe Rameau steckt musikalisch wie inhaltlich voll französischer Raffinesse. Die nach einem Tatsachenbericht und dem gleichnamigen Film entstandene Oper „Dead Man Walking“ beteiligt sich an der Diskussion zum Thema Todesstrafe. Außerdem auf dem Spielplan stehen Jacque Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“, Mozarts letzte Opera seria „La Clemenza di Tito“ sowie die Theresienstädter Kinderoper „Brundibár“ von Hans Krása.

Konzerte

Auf dem Konzertprogramm stehen in der kommenden Saison acht Sinfoniekonzerte mit einer Mischung aus bekannten und unbekannteren Werken von Hugo Alfvén über Mozart und Puccini bis zu Bernd Alois Zimmermann. Besonders hervorzuheben sind Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ mit Zoltan Nyári und Ann-Beth Solvang sowie Felix Mendelssohn Bartholdys „Ein Sommernachtstraum“, eine weitere spartenübergreifende Zusammenarbeit mit dem Schauspielensemble.

Zu dem traditionellen Barockkonzert im Schloss gesellt sich diesmal zusätzlich ein Barockkonzert mit französischer Barockmusik mit Werken von Jean-Philippe Rameau und Jean-Marie Leclair, unter der Leitung des französischen Barockexperten Alexis Kossenko, der auch „Les Paladins“ dirigieren wird.

Hinzu kommt eine große Bandbreite an Kammerkonzerten. Und auch die KlangHelden-Konzertreihen stehen wieder auf dem Programm. Sie richten sich an Kinder und Familien sowie an konzertbegeistertes Publikum, das besondere Einblicke in die Welt musikalischer Werke erhalten möchte. Im Bereich der Neuen Musik beteiligt sich das Staatstheater zusammen mit anderen Partnern an dem Projekt „Artist in Residence“, initiiert und verantwortet von „oh ton“. Im Rahmen von „Artist in Residence“ kommen Komponistinnen und Komponisten nach Oldenburg, arbeiten mit den hier ansässigen Partnern und treten dabei auch mit dem Publikum in intensiven Kontakt.

BallettCompagnie

Die Produktionen der BallettCompagnie Oldenburg zeigen die ganze Spannweite vom klassischen bis zum modernen Tanz. Die erste Premiere im Oktober im Großen Haus ist ein dreiteiliger Ballettabend mit der Choreografie „Dark Meadow Suite“ von Martha Graham, der Pionierin des Modern Dance in den USA, einer Uraufführung von Antoine Jullys „Su una nota sola“ sowie dem Stück „A.U.R.A“ von Jacopo Godani, dem Leiter der Frankfurt Dresden Dance Company.

Im April folgen zwei Uraufführungen, die vom Oldenburgischen Staatsorchester begleitet werden: Der italienische Gastchoreograf Luca Veggetti kreiert „Am Ende unser Schatten“ zu Arnold Schönbergs sinfonischer Dichtung „Pelleas und Melisande“ und Antoine Jully wird seine Version von Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ choreografieren. Bei der Premiere im Kleinen Haus im Juni präsentiert Jully eine Uraufführung zu Johann Sebastian Bachs „Die Kunst der Fuge“. Für dieses Projekt hat er den Oldenburger Sänger und Stimmkünstler Gunnar Brandt-Sigurdsson gewinnen können.

Im Video Dance Projekt „Clipping Dance – Capturing Motion“ darf man sich auf neue Werke des Choreografen Lester René freuen, der gemeinsam mit dem Oldenburger Filmregisseur Omid Mohadjeri verschiedene Tanzfilme realisieren wird, die unter anderem auf der Internetseite des Staatstheaters veröffentlicht werden.

Internationale Tanztage

Einen weiteren Höhepunkt der Spielzeit bieten die 14. Internationalen Tanztage vom 10. bis 19. Mai 2019. Auf allen Bühnen des Oldenburgischen Staatstheaters tanzen Ensembles sowie Solistinnen und Solisten der internationalen Tanzszene spannende Choreografien. Fortgesetzt wird die beliebte Reihe „Mehr Bewegung!“.

Junges Staatstheater

Die Geschichten, die das Junge Staatstheater erzählen will, handeln von der Suche nach Orientierung in einer Welt ohne Wegmarken. Die Spielzeit beginnt mit der Uraufführung von Marc Beckers Stück „David“, einer ebenso düsteren wie amüsanten Vision des Theaters im Zeitalter der Technologie. In dem Roman „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel erkennen die Kinder erst spät, dass der paradiesische Schutzraum, den die Mutter errichtete, sie nicht gut aufs Leben vorbereitet hat. Ähnlich und doch ganz anders ergeht es Hazal in dem Roman „Ellbogen“ von Fatma Eydemir. Die junge Deutschtürkin wächst zwischen den Kulturen auf, in einer Welt, in der nur Ellbogen zählen und sich niemand für sie interessiert.

Von der Einsamkeit des Auswanderers in einem fremden Land erzählt Shaun Tan in „Ein neues Land“ ausschließlich in Bildern. In dem Kooperationsprojekt mit der Wiener Gruppe makemake verschmelzen diese Bilder mit Bewegung, Figuren und Musik zu einem magischen Theater. Die Geschichte vom „Räuber Hotzenplotz“ zeigt das Staatstheater zur Weihnachtszeit. Wie in den letzten Jahren spielen bei zwei Vorstellungen Gebärdensprachen-Dolmetscherinnen mit.

Theaterpädagogik

Die Projekte der Theaterpädagogik drehen sich um das Thema „Begegnung“. Neben den zahlreichen Clubs für Kinder, Jugendliche und Erwachsene wird unter dem Motto „Theater machen: diversitysensibel, transkulturell und inklusiv“ eine Fortbildungsreihe für Pädagogen angeboten. In einem Kultur-macht-stark-Projekt entwickeln Kinder ein begehbares Hörspiel und mit der Fachtagung „Theater & Geschichte“ wird die Zusammenarbeit mit dem Verein Jugendkulturarbeit, der Akademie der ev. Kirche und anderen fortgesetzt, die traditionell in die Jugendtheatertage am Ende der Spielzeit mündet.

Niederdeutsches Schauspiel

Das Niederdeutsche Schauspiel wird sich mit der Adaption von Filmstoffen beschäftigen. Den Anfang macht der bekannte Film von Til Schweiger und Hilly Martinek „Honnig in´n Kopp“. Die charmante Geschichte des an Alzheimer erkrankten Amandus Rosenbach und seiner Enkelin Tilda inszeniert Ayla Yeginer. „Paulette“ von Jèrôme Enrico, Bianca Ohlsen, Laurie Aubanel und Cyril Rambour erzählt die Geschichte einer verarmten Frau im Ruhestand, die sich ihre mickrige Rente mit dem Verkauf von Haschisch aufbessern will. Die Regie dieser Niederdeutschen Erstaufführung führt Anja Panse.

Die Adaption eines Filmklassikers von Alfred Hitchcock steht mit dem Thriller „Bi Anroop Moord“ („Bei Anruf Mord“) von Frederick Knott auf dem Programm. Die Regie der Niederdeutschen Erstaufführung übernimmt Alexander Marusch.

Mit „De Letzte Smöker“ von Mark Kuntz unternimmt das Niederdeutsche Schauspiel erstmals eine Exkursion an die Bar der Exerzierhalle. Der Monolog eines Rauchers wird von dem Oldenburger Autor und Regisseur Marc Becker inszeniert. Auch die erfolgreiche Kooperation mit dem Ohnsorg Theater wird mit einem Gastspiel der Hamburger Bühne weitergeführt. „De lütte Herr Jemine“ von Manfred Schlüter ist eine Parabel für Kinder ab fünf Jahren über Konsum und Wachstum.

Sparte 7

Das Programm der Sparte 7 überwindet weiterhin die Grenzen zwischen den einzelnen Disziplinen sowie den Menschen auf, vor und hinter der Bühne. So beispielsweise beim „Schwarzmarkt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen“, bei dem es um den Themenkomplex „Die Migrationsgesellschaft und ich“ geht. Die Sparte 7 veranstaltet das Format der Mobilen Akademie Berlin in Kooperation mit der Stiftung Niedersachsen und dem Center for Migration, Education and Cultural Studies der CvO Universität Oldenburg.

Die Inszenierung „Scherbenpark“ nach Alina Bronsky in einer Bühnenfassung von Thomas Richhardt wird gemeinsam von Schauspielerin Rebecca Seidel und der Regisseurin Franziska Stuhr gestaltet. Sie ist im Rahmen des Formats „Kavaliersdelikte“ entstanden und wird im Spielraum gezeigt.

Mit dem neuen Format „HörBar. SehBar“ etablieren sich kleine spartenübergreifende Veranstaltungen an der neu gestalteten Theaterbar im Großen Haus. Diskussionsveranstaltungen, Gesangseinlagen und Lesungen laden Besucherinnen und Besucher hier zu kleinen Perlen der Theaterkunst ein. Neue Kooperationspartner gewinnt die Sparte 7 mit der World Press Photo Oldenburg, die Beteiligung am Rahmenprogramm des CSD inklusive Gala wird fortgesetzt. In eine neue Runde gehen die erfolgreichen Veranstaltungsformate „Melodien für Moneten“, „(Don’t) Touch The Art“, das „Death Café“ in Kooperation mit der Stiftung Hospizdienst Oldenburg, die Reihe „Kavaliersdelikte“,die interaktive Lektüreshow „Lichtenstein schwärmt aus … und liest!“ und „Tanz mit mir!“.

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