Theater

Theaterkritik: „Draußen vor der Tür“ begeistert im Staatstheater

Fabian Kulp ist als Beckmann in „Draußen vor der Tür“ im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters zu sehen.

Fabian Kulp ist als Beckmann in „Draußen vor der Tür“ im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters zu sehen.
Foto: Mario Dirks

Oldenburg (vs) Das Oldenburgische Staatstheater ist wieder da. Gemessen an dem Applaus der ersten beiden Vorstellungen des Antikriegsdramas „Draußen vor der Tür“ haben die Oldenburger ihr Theater sehr vermisst. Der Literaturklassiker von Wolfgang Borchert läuft derzeit im Kleinen Haus, wenn auch situationsbedingt nur vor rund 60 Zuschauern. Aber diese Zuschauer haben nach knapp zwei Stunden alles gegeben, um auf der einen Seite die leicht unwirkliche Atmosphäre eines fast leeren Theatersaals mit Leben zu füllen und auf der anderen vor allem die herausragende Leistung von Fabian Kulp in der Hauptrolle des Soldaten Beckmanns zu feiern.

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Regisseurin Luise Voigt hat nach „Krieg der Welten“ und „1984“ im Staatstheater ihre Inszenierung erneut als Installation aus Schauspiel, Klang, Video und Raum angelegt. Diese Art einen Text visuell umzusetzen, ist ihr Markenzeichen. Auch beim dritten Engagement in Oldenburg ist ihr das gelungen, ohne diese Medien nur als Selbstzweck und zur Effekthascherei einzusetzen. Die Bühne ist ein dunkler leerer Raum mit einem flachen Wasserbecken, in dem der Kriegsheimkehrer Beckmann nach seiner Kriegsgefangenschaft auf einem Wakeboard wild gestikulierend umherirrend. Verzweifelt ist er auf der Suche nach Menschen, denen er die Verantwortung zurückgeben kann. Fabian Kulp absolviert dabei ein beachtliches Textpensum. Dass man als ehemaliger Soldat im 2. Weltkrieg mit anschließender Gefangenschaft seinen Schmerz und seine Verzweiflung herausschreit, ist verständlich, aber fast zwei Stunden angebrüllt zu werden, ist auch anstrengend.

Ebenso beeindruckend ist „der Andere“ besetzt, Beckmanns alter Ego, der versucht, ihm Mut zu machen und nicht aufzugeben. Diese Rolle des Jungen ist mit Anton Thyssen und Jonathan Schwanke doppelt besetzt. Beide jungen Nachwuchstalente sagen in ihren Rollen ihren reichlich Text nicht nur auswendig gelernt auf sondern agieren gekonnt mit Beckmann. Auch für diese Leistung erhalten beide reichlich Applaus.

In Videoeinspielungen wird Beckmann mit der Elbe konfrontiert, in die er sich stürzen will. Sein ehemaliger Oberst (Thomas Lichtenstein) mit Gattin (Nientje C. Schwabe) und Familie wird beim üppigen Mahl im Speiseraum seines Anwesens fast comicartig dargestellt. Das ehemalige Elternhaus sucht er auf, um aber nur die neue Bewohnerin Frau Kramer (Nientje C. Schwabe) zu treffen, die wenig Verständnis für seine Lage zeigt. Auch der General mit dem Knochenxylophon, der Kabarettdirektor und der Einbeinige verhöhnen ihn und wollen nur an das Morgen denken.

Ruhige Momente sind in der Inszenierung kaum vorhanden. Fast zum Ende, wenn Beckmann Papierlaternen als Zeichen der Erinnerung und Mahnung an die Toten auf das Wasser schiebt, wird auch er sentimental. Ein kurzer Moment, der berührt. Sonst bleibt das Stück im Nachkriegsjahr der Uraufführung 1947 hängen und bleibt auf Distanz, trotz der aktuellen weltweiten Kriegssituationen mit seinen unzähligen Opfern.

Mehr Informationen und (mögliche) Restkarten unter www.staatstheater.de, Telefon 04 41 / 222 51 11 und an der Theaterkasse.

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