Kultur

Soul Kitchen: Esther Filly rockt das Kleine Haus

Das Ensemble der August-Hinrichs-Bühne spielt derzeit „Soul Kitchen“ im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Für die Musik dieser Bühnenfassung des Kinoerfolgs von Fatih Akim sorgt die Soul-Sängerin Esther Filly mit Band.

Das Ensemble der August-Hinrichs-Bühne spielt derzeit „Soul Kitchen“ im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Für die Musik dieser Bühnenfassung des Kinoerfolgs von Fatih Akim sorgt die Soul-Sängerin Esther Filly mit Band.
Foto: Stephan Walzl

Oldenburg (vs) Das Niederdeutsche Schauspiel am Oldenburgischen Staatstheater hat mit der Bühnenfassung von „Soul Kitchen“ wieder einmal einen erfolgreichen Kinofilm ins Kleine Haus gebracht. Nach „Teemlich beste Frünnen“ („Ziemlich beste Freunde“) ist es nun der Film von Fatih Akim, der für ausgelassene Stimmung auf der Bühne und reichlich Szenenapplaus im Publikum sorgt.

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Filmadaptionen auf die Bühne zu bringen, ist eine gewagte Angelegenheit. Meist groß sind die Fußstapfen in die Dramaturgie, Regie und Ensemble schlüpfen müssen. Der Vergleich mit der Kinovorlage ist stets im Hinterkopf, auch wenn Leinwand und Bühne nicht miteinander zu vergleichen sind. Bei „Soul Kitchen“ gelingt das Unterfangen wie auch zuvor durch die Hinzunahme professioneller Unterstützung und einer gelungen Inszenierung. Das große Ensemble der August-Hinrichs-Bühne hat sich für die musikalische Abteilung in „Soul Kitchen“ die Dienste der Sängerin Esther Filly gesichert. Gemeinsam mit ihrer Band sorgt die Oldenburger Soul-Sängerin für viel Stimmung in dieser kurzweiligen Inszenierung von Christoph Jacobi. Die niederdeutsche Fassung von Ingo Pütz und Cornelia Ehlers ist unterhaltsam und mit einer gehörigen Portion derbem Wortwitz und reichlich schlüpfrigen Andeutungen entsprechend dem Klientel einer Hamburger Hafenspelunke ausgestattet.

August-Hinrichs-Bühne mit viel Spielfreude

Im Hafen-Restaurant „Soul Kitchen“ von Inhaber Sino (Jakob Dalin) läuft es nicht so prächtig. Erst sorgt sein Bandscheibenvorfall für Schmerzen und dann steht die Beziehung mit seiner Freundin Nadine (Nadine Woinke) durch ihren bevorstehenden Jobwechsel nach Shanghai auf der Kippe. Gäste werden es auch immer weniger. Ein exzentrischer „Vier-Jahreszeiten-Koch“ als Aushilfe für Sino soll das Geschäft wieder zum Laufen bringen aber die Stammgäste stehen mehr auf Deftiges statt feine Speisen. Sängerin Love mit ihrer Band nutzt das Ladenlokal kurzerhand als Probenraum, was sich dank zunehmender Gästezahl aber als Glücksgriff erweist.

Zum Gefühls- und Geschäftschaos gesellt sich zusätzlich Linus, der kriminelle Bruder von Sino, der dringend einen Job benötigt. Ein alter Klassenkamerad erscheint als schmieriger Immobilienmakler ebenfalls auf der Bühne und wittert in der Bruchbude in bester Lage seine große Chance. Da stellt sich heraus, dass die verbliebenen Gäste ihr „Soul Kitchen“ doch mehr lieben als vermutet.

Dieses turbulente und amüsante Szenarium bietet ausreichend Gelegenheit für das große Ensemble der August-Hinrichs-Bühne, sein Können zu zeigen. Die Spielfreude unter allen Beteiligten, inklusive der Statisterie, ist groß. Die derbe Textvorlage kommt beim Publikum bestens an. Das legendäre Hamburger Ohnsorg-Theater lässt grüßen. Bei der Rollenverteilung tritt allerdings auch das unterschiedliche schauspielerische Talent der einzelnen Mitglieder zum Vorschein. Die größeren Rollen wissen allerdings zu überzeugen. Glanzlicht ist Esther Filly, die mit ihrer Stimme und Ausstrahlung für ausreichend musikalische Stimmung sorgt und nach dem langen und herzlichen Schlussapplaus auch noch eine Zugabe liefert.

Vorstellungstermine und Karten sind unter www.staatstheater.de sowie telefonisch unter 0441 2225 111 erhältlich.

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