Kultur

Willkommen im Kabarett

Einen aktuellen Lagebericht aus dem Komfortzonenrandgebiet gibt Christian Ehring bei den Oldenburger Kabarett-Tagen.

Einen aktuellen Lagebericht aus dem Komfortzonenrandgebiet gibt Christian Ehring.
Foto: Stephan Wieland

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Oldenburg (zb/pm) – Vom 29. Januar bis 25. Februar laden die Oldenburger Kulturetage und das Studentenwerk Oldenburg zu den Oldenburger Kabarett-Tagen ein. An acht Abenden denken bekannte Kabarettisten über unser „gelobtes Land“ nach. Den Auftakt machen am 29. Januar Ehnert & Ehnert mit ihrem Programm „Zweikampfhasen“.

Überall nur noch Singles, One-Night-Stands und Lebensabschnittsgefährten. Nur Jennifer und Michael Ehnert hinken diesem Zeitalter individueller Freiheit gnadenlos hinterher. Sie sind das einzige überlebende Exemplar einer ausgestorbenen Spezies: ein Ehepaar. Es vergeht keine Minute, in der den Beiden nicht heftige Zweifel an ihrer unmodernen Lebensform kommen. Könnte das Leben nicht viel spannender sein, wenn man sich unter neu.de schnell mal nach einem weniger anstrengenden Partner umschauen würde?

Max Uthoff setzt den Reigen am 30. Januar mit „Gegendarstellung“ fort. In einer Zeit, in der Günther Jauch ungestraft die Berufsbezeichnung Journalist tragen darf und Hartz IV oft nur die Fortsetzung von „Stirb langsam III“ ist, gilt mehr denn je: Wer über den Tellerrand sieht, sieht viel mehr von der schmutzigen Tischdecke. Max Uthoff erzählt von mörderischen Geschäften, gesellschaftlichem Inzest, teuflischen Kreisläufen und davon, dass Menschen, die in Schubladen denken, sich schon mal halb aufgeräumt fühlen.

„Keine weiteren Fragen“ – darum bittet Christian Ehring am 4. Februar. Dabei handelt es sich um einen aktuellen Lagebericht aus dem Komfortzonenrandgebiet. Die Wirtschaft brummt, der Export bricht alle Rekorde, wir sagen anderen, wo es langgeht. Und doch schleicht sich selbst bei den hartgesottensten Hochleistungsverdrängern das Gefühl ein: So wird es nicht weitergehen. Der Klimawandel, der Islamische Staat, ein gespaltenes Europa und Millionen Menschen auf der Flucht. Die Einschläge kommen näher.

„Volumen 8“ heißt das Programm von Pigor & Eichhorn am 12. Februar. Der Hickhack zwischen den musikalischen Kabarettisten geht nach sieben gemeinsamen Programmen weiter. Den großen Themen der Philosophie nähern sich die Beiden ebenso wie den Skurrilitäten des Alltags, jedoch in völlig unerwarteten Problemstellungen. Dazu gehört unter anderem die Hymne der bauwütigen Deutschen „Einer bohrt immer in diesem Land“ oder der ultimative Identifikationssong für alle Pappis „Wir essen immer alle Teller leer“. Alle vier Vorstellungen beginnen um 20 Uhr in der Kulturetage an der Bahnhofstraße 11.

Vier weitere Auftritte sind im Unikum am Uhlhornsweg auf dem Uni-Campus ebenfalls um 20 Uhr zu erleben. Armin Töpel lädt am 5. Februar zu seinem Programm „Nur für kurze Zeit“ ein, in dem er sich Sowohl textlich als auch musikalisch der Endlichkeit zuwendet und zwar nicht als Drohung sondern als Chance. Viele neue Songs am Piano, Bewährtes in anderem Gewand, Ausflüge in die Literatur, aber auch ewig nicht Gehörtes und Unerwartetes.

Um „Kreativen Ungehorsam“ dreht es sich am 11. Februar. Dann geht Philipp Scharri mit Spaß an der Sprache zu Werke. Was er auf der Bühne darbietet, liegt irgendwo zwischen Kabarett, Slam Poetry und Wortsport. Viele Menschen leben ihr Leben, als hätten sie es ungeöffnet ins Regal gestellt. Dagegen hilft kreativer Ungehorsam, ist der Kabarettist überzeugt. Der Querdenker entführt sein Publikum auf eine tempo- und geistreiche SprAchterbahnfahrt durch feinste Reimkultur und respektlose Spottlieder.

Die bekannte Band Zärtlichkeiten mit Freunden hat ein eigenes Genre geschaffen: Musik-Kasperett. Stefan Schramm (alias Ines Fleiwa) und Christoph Walther (alias Cordula Zwischenfisch) haben am 20. Februar „Das letzte aus den besten 6 Jahren“ dabei. Lieder über den demografischen Wandel, präventive Jugendarbeit, Steppschuhe, Grundlagen der Kampfkunst und große Hits aus der Tschechoslowakei.

Patrick Salmen beendet die Kabarett-Tage am 25. Februar mit seinem Programm „Ich habe eine Axt“. Er ist ein Geschichtenerzähler vom Feinsten mit sonorer Hörbuchstimme. Mit staubtrockenem Humor, Wortwitz und dem gewissen herzlichen Kohlenpottcharme präsentiert der Märchenonkel satirische, herrlich abwegige Geschichten über die Idiotien und Absurditäten der Menschheit. Mal spöttisch und böse, doch immer mit einem charmanten Augenzwinkern und einer großen Portion Selbstironie.

Karten gibt es telefonisch unter 04 41 / 798 26 58 oder 92 48 00 sowie unter www.theater-unikum.de.

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