Ausstellung

Tiefer Einblick in Horst Janssens Welt

Der Horst-Janssen-Archipel – Die Reise geht weiter… ist die persönlichste Schau, die das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg je gezeigt hat.

Horst Janssen, Kugelvase (1981), Blei- und Farbstift.
Foto: VG Bild-Kunst Bonn, 2016

Oldenburg (zb) „Der Horst-Janssen-Archipel – Die Reise geht weiter…“ ist die größte und persönlichste Schau zu Leben und Werk von Horst Janssen überschrieben, die das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg je gezeigt hat. Sie ist bis zum 15. Januar zu sehen.

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Die Besucher können sich auf über 300 Exponate freuen, die aus Museen und von privaten Leihgebern stammen und einen tiefen Einblick in die Welt des Hamburger Künstlers bieten, der in Oldenburg geboren wurde. Die Reise zum Janssen-Archipel hat in der ersten Jahreshälfte im Altonaer Museum in Hamburg begonnen, und setzt sich mit einer Vielzahl neuer und durchaus überraschender Exponate in Oldenburg fort.

Sechs Themeninseln sind auf drei Ebenen zu sehen. Darunter finden sich zur Markierung der einzelnen Inseln Schlüsselobjekte wie beispielsweise der Spiegel aus seinem Haus in Blankenese, seine dortige, von ihm bezeichnete, Eingangstür und sein Telefon. Zusätzlich wird der Blick auf die Inselwelt durch drei Kurzfilme des Hamburger Filmemachers Hinrich Lührs erhellt, der bislang unbekanntes Filmmaterial von Peter Voss-Andreae eigens für die Schau zusammengestellt hat.

Auf der Insel „Ego-Zeichen“ rückt sich der Künstler mit seinen Arbeiten ins motivistische Zentrum. So sind Werke zu sehen, die zeigen, wie Janssen mit seiner Signatur spielte und sie über ihre übliche Funktion am Kunstmarkt hinaus aufgewertet und eingesetzt hat. Wohn- und Arbeitsstätten sind auf der Themeninsel „Wirkungs- und Inspirationsorte“ zu entdecken wie die Lerchenstraße in Oldenburg, später die Hamburger Adressen und sein eigener Verlag in Altona. Die Draußen-Welt – dazu gehörte Hamburg, die norddeutsche Landschaft und das Tessin – inspirierte ihn weniger. Seine Reiselust hielt sich in Grenzen. Vielmehr kennzeichnet den Künstler ein ausgeprägter Mitteilungsdrang, der auf seinen Arbeiten immer wieder sichtbar ist. So können die Besucher „Horst Janssen als Kommunikator“ auch auf Plakaten, Mitteilungsblättern, Briefen und anderen Formaten kennenlernen.

Janssens „Entourage“, also seine Familie und Freunde, seine Ehefrauen und Freundinnen, seine Galeristen und Sammler, die Drucker und Verleger, sind ebenso Thema einer eigenen Insel wie der „Technikvirtuose“ Janssen, der es vom Holzschnippler und Lithografen zum Meister der Radierung in all ihren Schwärzen und Farbschattierungen brachte.

„Nulla dies sine linea“ – Kein Tag sei ohne Linie – ist das größte Eiland überschrieben. Hier wird Janssens rastloser Arbeitsstil in allen Verästelungen von Auftrags- und Gelegenheits-, Gefälligkeits-, Meister- und Promillezeichnungen, seinen angefangenen, verworfenen und beiläufig entstandenen Arbeiten dokumentiert“, sagt Projektleiterin Antje Tietken.

Explizit gab Janssen über sein Tagwerk Auskunft in einem Brief aus dem Jahr 1974 an seine damalige Freundin Birgit Jacobsen, der ebenfalls ausgestellt ist. Das sogenannte Jacobsen-Konvolut, eine umfangreiche Sammlung, seit 2008 im Besitz des Horst-Janssen-Museums, ist der Fundus für einige Exponate in der Ausstellung, die nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Helene Roolf, die Kuratorin, dazu: „Der Blick in die Vitrinen lohnt sich. Dort findet der Besucher auch beiläufig entstandene Arbeiten, die extrem aufgeladen und für Janssen, den Immer-Zeichner, absolut typisch sind.“

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