Ausstellung

Ausstellung: Beat oder Bieder

Situation vor dem Bau der Fußgängerzone, Achternstraße, Frühjahr 1967.

Situation vor dem Bau der Fußgängerzone, Achternstraße, Frühjahr 1967.
Foto: Günter Nordhausen

Oldenburg (pm) Vor 50 Jahren, am 1. August 1967, wurden in Oldenburg die wichtigsten Straßen des historischen Stadtkerns für den Autoverkehr gesperrt: Die Fußgängerzone entstand. Das Stadtmuseum Oldenburg feiert dieses Jubiläum mit einer besonderen Ausstellung. Unter dem Titel „Beat oder Bieder – Oldenburg und das Jahr 1967“ können sich die Besucher vom 30. Juli bis zum 1. Oktober auf eine gleichermaßen unterhaltsame wie informative Zeitreise in das Jahr der Entstehung der Fußgängerzone begeben. Kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Andreas von Seggern und Franziska Boegehold.

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„Die Oldenburger Fußgängerzone war zwar nicht die erste ihrer Art, aber erstmals in Deutschland wurde eine solche Maßnahme in einem weitgehend geschlossenen Stadtkern durchgeführt“, weiß Dr. Andreas von Seggern, Leiter des Stadtmuseums. Nach anfänglicher Skepsis insbesondere bei vielen Geschäftsinhabern der Innenstadt, hat sich die Oldenburger Fußgängerzone in den folgenden Jahrzehnten zu einem Erfolgsmodell entwickelt und prägt bis heute das Stadtbild.

Doch das Jahr 1967 hielt noch viele andere Ereignisse bereit: Weltweite Krisenherde, innenpolitische Konflikte, aber auch ein bis heute faszinierender Aufbruchsgeist in Politik, Gesellschaft und Kultur gehören zu den Facetten dieses spannungsreichen Jahres. Ob eine Jacke von Mitch Mitchell, dem Schlagzeuger der Jimi Hendrix Experience, der Schreibtischstuhl des damaligen Bundeskanzlers Kiesinger aus dem Kanzleramt oder auch prägende Bildikonen der Zeit – viele ausgewählte Objekte, Bilder und Dokumente lokaler und nationaler Leihgeber bieten einen Einblick in jene zwölf Monate, in denen sich viel von dem andeutete, was heute mit den „68ern“ verbunden wird.

Bau der Fußgängerzone, Lange Straße, Juli 1967.

Bau der Fußgängerzone, Lange Straße, Juli 1967.
Foto: Günter Nordhausen

Eröffnung der Fußgängerzone, Lange Straße, 1967.

Eröffnung der Fußgängerzone, Lange Straße, 1967.
Foto: Stadtmuseum

Die Ausstellung schaut insbesondere auf Oldenburg: Hatten internationale Entwicklungen und nationale Ereignisse einen Einfluss auf den Alltag der Menschen vor Ort? Was bewegte die Oldenburger, in welchem Rhythmus schlug der Puls der Stadt, eben: Beat oder Bieder? „Wir gehen diesen Fragen in ausgewählten Schlaglichtern nach“, berichtet Franziska Boegehold, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stadtmuseum. „Die Besucher dürfen gespannt sein auf zahlreiche, zum Teil erstmals gezeigte Fotografien, vor allem des Oldenburger Bildreporters Günter Nordhausen, und auf einen Zusammenschnitt zeitgenössischer Filmaufnahmen aus der Stadt.“ Zudem gibt es eine Hörstation mit den 20 beliebtesten Hits aus dem Jahr 1967, ausgewählt in einer Zufallsumfrage unter 200 Oldenburgern.

Die Ausstellung gleicht einer Entdeckungsreise, erstreckt sie sich doch über 18 Räume: „Für ‚Beat oder Bieder‘ öffnen wir erstmals – als zeitlich begrenzte ‚Intervention‘ – die historischen Francksen-Villen für ein neues Publikum“, sagt Andreas von Seggern. Dafür wurden besondere, flexibel nutzbare Stellwände angefertigt, die sich in die historischen Räumlichkeiten integrieren lassen. „Ihren überlieferten Grundcharakter werden die Räume natürlich auch während dieser Zeit behalten. Sie bleiben weiterhin geöffnet für all jene Besucher, die sich vom einzigartigen Charme der gründerzeitlichen Schausammlung einfangen lassen möchten“, schließt Museumsleiter von Seggern.

Die Ausstellungseröffnung findet am Sonntag, 30. Juli, um 11 Uhr statt. Für musikalische Unterhaltung sorgt die Band „Heart of Gold“ mit Songs aus den 1960er-Jahren und vor dem Museum zeigt der Motor-Sport-Club Oldenburg von 10 bis 14 Uhr Oldtimer aus dieser Zeit. Zur Ausstellung erscheint eine 60-seitige Begleitbroschüre, die zum Preis von 9,90 Euro an der Museumskasse erhältlich ist.

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3 Kommentare

  1. W. Lorenzen-Pranger
    29. Juli 2017 um 9.17

    Na ja, der Stuhl vom Alt-Nazi Kiesinger ist wohl etwas wenig, wenn man die Besonderheiten der Ende 60-er zeigen will. Ohne Kiesinger, Filbinger und Konsorten, die nach dem Krieg fröhlich weiter Karriere machten als wäre nichts gwesen, wären diese Jahre in Deutchland wohl sehr viel friedlicher verlaufen. Wir wurden die alten braunen Kameraden ja nicht los – und bis heute leider auch die von denen überlieferten Denkstrukturen nicht – oder hat sich deren Partei jemals für diese unerträglichen Spukgestalten entschuldigt? Aufarbeitung der tiefbraunen Vergangenheit? BIs heute Fehlanzeige!

  2. Manfred Murdfield
    2. August 2017 um 17.09

    Einige Festlichkeiten zur 50 Jahr-Feier werden in Bekleidungserinnerungen vorgeführt, die damals allenfalls auf dem OTB-Sockenball getragen werden konnten. Beat oder bieder, die Frage erübrigt sich. Ich war damals knapp volljährig, ein Parka war schon fast zu viel, ebenso die Haarlänge über dem Kragen. Zwar tanzte meine Schwester Rock n Roll, gleichwohl war Wolfmann Jack vom anderen Stern. Sicher gab es bunte und politische Nischen, aber das war nicht der Alltag, und wie bieder Oldenburg wirklich war, wurde mir deutlich, nachdem ich ab 1970 in einer Kreuzberger WG wohnte.

    • W. Lorenzen-Pranger
      2. August 2017 um 22.55

      Was die NWZ sich derzeit leistet ist wieder mal der Hammer. Ich war damals voll dabei, aber was die da als „Hippies“ verkaufen habe ich mit meinen siebzig Jahren bis heute noch nie gesehen – außer im extremst schlecht gemachten Karneval viele Jahre danach. Die Veranstalter und die NWZ haben offensichtlich kein Internet, sonst wüßten sie, wie „wir“ damals aussahen.
      https://www.youtube.com/watch?v=fJu6Up9w2Hc. Aber – auch schon DAS war eine einstudierte und durchgegestiyte Show, nicht etwa „echt“ und Alltag. (Es gibt mehrere, fast gleiche, Aufnahmen davon.)
      Viel besser dann doch das: https://www.youtube.com/watch?v=kxSR4ZaDpBg. Das war schon sehr ernst zu nehmen! Ich kannte einige Vietnam-„Heimkehrer“ persönlich.
      https://www.goodreads.com/book/show/1112870.Do_It_Scenarios_of_the_Revolution
      Aber dieser lächerliche Affenkram hier – – – nee danke!
      Übrigens, die Band heute (2. 8.) war ausgesprochen schlecht. Hauptsache schön billig davonkommen, das doofe Publikum wirds schon nicht merken (Wie beim ausgestellten Golf, den es nun mal 1967 noch gar nicht gab.). Und sie, die Veranstalter selbst, merken nicht wie sich selbst mit solchen Dummheiten nur selber schaden…
      https://www.youtube.com/watch?v=CWzrABouyeE