Ausstellung

Sonderausstellung: Raubgräber – Grabräuber

Mit Metallsonden können die Besucher des Oldenburger Landesmuseums Natur und Mensch auf Schatzsuche gehen.

Mit Metallsonden können die Besucher auf „Schatzsuche“ gehen.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (am) Die Geschichte der Grabräuber ist älter als die Archäologie. Immer schon haben die Täter immensen Schaden angerichtet. Das ist heute nicht anders: Mit Taschenlampen und Metallsonden ausgerüstet graben sie nach Fundstücken und zerstören dabei unser kulturelles Erbe unwiederbringlich. Das Oldenburger Landesmuseum Natur und Mensch präsentiert vom 11. Mai bis zum 8. September die Sonderausstellung „Raubgräber – Grabräuber“, die die Raubgräberei der modernen Archäologie gegenüberstellt.

Anzeige

Raubgräber und Grabräuber

Während in der Antike vornehmlich die Grabräuber unterwegs waren und es auf Begräbnisbeigaben abgesehen hatten, graben Raubgräber nach archäologischen „Schätzen“ an allen Stellen, die Funde vermuten lassen. Das Streben nach Profit teilen sie. „Nach Schätzungen werden mit illegalem Kunsthandel mehrere Milliarden Dollar jährlich umgesetzt“, erklärt die Ausstellungskuratorin Dr. Christina Wawrzinek. Alleine auf der Internet-Auktionsplattform ebay wurden durch Überwachung im Rahmen eines Pilotprojektes täglich zwischen 2000 und 2500 ärchäologische Objekte angeboten (heute wird ein Herkunftsnachweis, der „Pedigree“ verlangt).

Funde brauchen Zusammenhänge

Dabei sind archäologische Funde ohne ihren Zusammenhang quasi bedeutungslos. Raubgräber reißen die Fundobjekte aus dem Boden und zerstören die Befunde und oft auch die Objekte durch unsachgemäßen Umgang. Sie nutzen modernste Technik, um geldbringende Metallteile zu finden. Aber nur die wissenschaftliche Aufarbeitung aller Funde kann einen Einblick in historische Ereignisse bieten. Als Beispiel nennt Wawrzinek eine Schlacht zwischen Römern und Germanen am Harzhorn in Niedersachsen. Mittels einer genauen Kartierung der Funde konnte der zeitliche Ablauf der Schlacht und die militärische Strategie rekonstruiert werden.

Die Sonderausstellung

In der Ausstellung zeigen Fundgeschichten die Problematik auf, die durch die Raubgräber entsteht. Unter anderem wird die „Himmelsscheibe von Nebra“ als Masterkopie gezeigt und die abenteuerlichen Hintergründe des Originalfundes erklärt. Als Beflügelung für die archäologische und naturwissenschaftliche Forschung stellte sich der „Goldhort von Gessel“ heraus, der bei Grabungsarbeiten, die den Bau einer Erdgasleitung begleiten, im Block geborgen werden konnte. Ebenfalls positiv das Beispiel von der Goldscheibenfibel von Wechloy. Hier handelte ein Finder richtig. Wie weit die Täter gehen, zeigt ein kurioser Fall von zwei Tunnelgräbern, die in Frechen / Rheinland an einen Töpferofen unter einem Gebäude herankommen wollten. Das Problem sei so weit verbreitet, berichtet Wawrzinek, dass auf der Insel Gotland Metallsonden bereits verboten seien. Ganze Landstriche seien schon total abgegrast, was ein Foto eines Ausgrabungsgebietes im Iran verdeutlicht. „Dem liegt oft eine hohe kriminelle Energie zugrunde“, so Wawrzinek, aber sie wisse natürlich, dass sich auch Familien zum Zeitvertreib als „Schatzsucher“ betätigen und ahnungslose Touristen Souvenirs zweifelhafter Herkunft kaufen würden. Positive Beispiele wie eigene Grabungen mit wissenschaftlicher Begleitung seien deshalb Teil der Ausstellung (Citizen Science).

Das Museum

Das Landesmuseum Natur und Mensch bietet das Depot für sämtliche Funde der Weser-Ems Region. Für den Bereich der Naturwissenschaften erklärt der stellvertretende Museumsleiter, Dr. Ulf Beichle, dass beim Ankauf manchmal eine gewisse Aufwandentschädigung für die Funde gezahlt würde, aber man ginge dabei äußert vorsichtig vor. Die Probleme seien in allen drei Sparten des Museums Naturkunde, Völkerkunde und Ärchäologie bekannt. „Ohne Ort und Zeitangabe kommt bei uns gar nichts mehr ins Haus“, sagt Dr. Christina Wawrzinek deutlich.

Rahmenprogramm

Zur Ausstellung ist ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Familientag, Sonntagsführungen und Abendvorträgen geplant. Als Höhepunkt wird wieder das Spontantheater „Bumerang!“ auftreten. „Raubgräber – Grabräuber“ suchen meistens unter der Erde und deshalb führt ein Hamster die Besucherkinder durch die Sonderausstellung. Zudem ist ein gleichnamiges Buch im Nünnerich-Asmus Verlag & Media erschienen, in dem detailliert auf die Hintergründe eingegangen wird.

Geocaching

Passend zum Thema lädt das Landesmuseum Natur und Mensch zu einer alternativen Schatzsuche ein. Die Startkoordinaten für den Raubgräber-Cache werden zusammen mit den Spielregeln ab 11. Mai auf der Website des Museums unter www.naturundmensch.de sowie unter www.geocaching.com bekannt gegeben. Das Geocaching ist kostenfrei.

Vorheriger Artikel

Aussperrung: Warnstreik bei NWPP eskaliert

Nächster Artikel

Neues von der „Drosselkom“