Ausstellung

Horst-Janssen-Museum: 17 Künstler zeigen ihren Final Cut

Esther Glück, Schnakel, 2005, Papierschnitt.

Esther Glück, Schnakel, 2005, Papierschnitt.
Foto: Horst-Janssen-Museum

Oldenburg (zb) „Final Cut“ heißt eine außergewöhnliche Ausstellung im Oldenburger Horst-Janssen-Museum, in der es um den Papierschnitt als eigenständiges künstlerisches Medium geht. Die Ausstellung ist vom 25. Januar bis 27. April zu sehen.

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17 internationale Künstler, die aus der Malerei, Bildhauerei oder Grafik kommen, zeigen, dass der traditionsreiche Scheren- oder Papierschnitt nichts von seiner Faszination eingebüßt hat, sondern vielmehr Inspiration zu eigenständigen künstlerischen Positionen bedeutet. Papier als Werkstoff in dieser Form ist ganz neu im Horst-Janssen-Museum.

Tatsächlich zeigt die Ausstellung eindrucksvoll, dass sich der in der volkstümlichen Handwerkskunst populäre Scherenschnitt zum Papierschnitt als eigene Kunstform mit unterschiedlichsten Facetten weiterentwickelt hat. Das Spektrum reicht vom filigranen Scherenschnitt über riesige Formate bis hin zur Rauminstallationen.

Der französische Künstler Henri Matisse, ein Meister des Papierschnitts, sprach davon „mit der Schere zu zeichnen“. Das trifft auch auf Andreas Kocks zu, bekannt für seine individuellen Wandgestaltungen, der buchstäblich eine malerische Spur hinterlässt. Ob Schere, Skalpell oder einfach mit den Fingern gerissen wie bei Tilmann Zahn, die Künstler folgen keiner vorgegeben Linie und haben dennoch klare Linien im Kopf. Und das selbst auf großen raumgreifenden Arbeiten, die zum Teil mehrere Meter hoch und breit sind.

So wie die Arbeit von Annette Schröter, deren aus schwarzem Papier geschnittene Casper-David-Friedrich-Figuren auf eine explodierende Großstadt blicken. Ihr Papierschnitt „Kawummh“ erinnert an einen Comic, der alles andere als ein romantischer Scherenschnitt ist. Gleichwohl sind ihre Wolkenkratzer und Rauchwolken von feinster Ornamentik durchzogen. Aber ihre Botschaft ist klar: Der Traum von einer besseren Zukunft ist ausgeträumt.

Der Papierschnitt ist wie ein Schlag mit dem Meißel. Er ist endgültig, unumkehrbar – also ein finaler Schnitt, deshalb wurde der Ausstellungstitel „Final Cut“ gewählt. Dabei ist das Papier mal robust und mal so zart, dass man es nicht anfassen mag. Die Künstler arbeiten mit Lupen, speziellen Lampen und zaubern unglaubliche Werke. Dazu gehören auch Esther Glücks Schnaken. Diese beeindruckenden Zweiflügler befestigt sie gleich mehrfach an der Wand, die schöne Schatten wirft. Weil ihre Papiertiere so filigran geschnitten sind, flirren sie aufgrund der Luftzirkulation.

Die Arbeiten beinhalten zahlreiche Botschaften, stehen in vielen Kontexten von politisch bis traditionell und lassen ein großes Assoziationsfeld. An den liebevoll hergestellten Scherenschnitt aus vorigen Jahrhunderten erinnert in der Ausstellung eher wenig und das macht sie so interessant. Hier hat die Welt viele Facetten – dazu gehören auch die traurigen und wenig schönen Seiten der Lebenswirklichkeit.

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