Kultur

Museum als Ort der Kommunikation

Peter-René Becker und die Biologin und Sprecherin Lena Nietschke stimmen mit zwei Exponaten auf die neue Ausstellungssaison ein.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Eine positive Bilanz zog gestern Dr. Peter-René Becker, Direktor des Landesmuseums für Natur und Mensch, in Oldenburg. Ausstellungen und Rahmenprogramm seien von den rund 30.000 Besuchern gut angenommen worden.

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Die Ausstellungen „Mensch Fisch“ und die noch laufenden „Pferdegeschichten“ wurden am häufigsten besucht. „Die Pferdegeschichten treffen den Nerv der Menschen im Oldenburger Land“, beobachtet Becker. „Das Thema ist hier zu Hause, da gibt es viele Anknüpfungspunkte.“ Grundsätzlich ist er davon überzeugt, „dass Museen viel stärker als bisher Orte der Kommunikation werden müssen. Auf diese Weise können wir die Schwellen für einen Museumsbesuch senken“, ist er überzeugt.

Genau daran arbeiten er und sein Team intensiv. So wurde das Rahmenprogramm ausgeweitet. U.a. bietet das Museum Vorleseaktionen für Kinder an, die stark nachgefragt werden. Die Geschichten handeln von Tieren, die die Kinder anschließend im Museum bewundern können. „Die Kinder mögen die Mischung aus zuhören und angucken. Sie stellen viele Fragen und entwickeln spielerisch eine Beziehung zum Museum.“

Gut angenommen werden auch die hochkarätig besetzten Podiumsdiskussionen, die von Experten moderiert werden. Die nächste befasst sich mit dem künftigen Energiemix und wie er aussehen muss. „Wir greifen aktuelle Themen auf und zeigen den Spannungsbogen zwischen Natur und Mensch“, sagt Becker. Etabliert haben sich auch die Familientage, die regelmäßig stattfinden. Immer mehr Eltern nutzen dieses Angebot, zusammen mit ihren Kindern das Museum kennenzulernen und an verschiedenen Aktionen teilzunehmen.

Außerdem bemüht sich Becker um das im Landesbesitz befindliche Nachbarhaus, das 2017 frei wird. „Es ist die letzte Chance, dieses Museum zu erweitern“, macht er deutlich und steht bereits in intensivem Kontakt zur Landesregierung. 1,3 Millionen Euro würden die Umbauarbeiten nach ersten Schätzungen kosten. Weil das Haus denkmalgeschützt ist, würden Verwaltung und Bibliothek dorthin umziehen und somit Flächen im jetzigen Museum frei werden.

Diese Flächen möchte Becker gern für die Völkerkundliche Sammlung nutzen, die aus über 7000 Exponaten besteht. „Da liegen Schätze, und kein Mensch kann sie sehen“, bedauert der Direktor. Darunter befinden sich zahlreiche Exponate, die der Oldenburger Großherzog Paul Friedrich August und Gründer des Museums vom russischen Zaren bekam.

In diesem Jahr wird sich das Haus mit einer großen Ausstellung zum Schlossgarten beteiligen, der seinen 200. Geburtstag feiert. „natur.wert.schätzen“ heißt sie und zeigt auf, dass die Fläche durch den Eingriff des Menschen so geworden ist und ansonsten dort eher ein sumpfiger Auwald anzutreffen wäre. „Eigen und Fremd in Glaubenswelten“ heißt eine Sonderausstellung im September, die durch die Kulturen verschiedener Kontinente führt und sich mit Themen wie Tod und Schöpfung befasst. Hier werden Übereinstimmungen und Unterschiede herausgearbeitet. Im Oktober zeigt das Haus die Wanderausstellung „Weil wir Mädchen sind“. Sie zeigt Mädchenbiografien aus Afrika, Indien und Ecuador. Der Besucher lernt verschiedene Lebenswelten kennen, die auch Themen wie Gewalt oder Zwangsheirat beinhalten.

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