Ausstellung

Beate Lama: Keine Berührungsängste

Beate Lama inmitten ihrer Ausstellung in den Räumen des Projekts 3×3 in Oldenburg.

Beate Lama inmitten ihrer Ausstellung in den Räumen des Projekts „3×3“ in der Donnerschweer Straße 57.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (am) In Oldenburg hat sich die BBK-Künstlerin Beate Lama (Bund Bildender Künstler Oldenburg) als Fotografin einen Namen gemacht. Ihre künstlerische Karriere begann sie jedoch als Schneiderin. Wir sprachen mit ihr über ein bewegtes Leben, die aktuelle „Aufweichung – Think Pink“ und Vernetzungen.

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Frau Lama, wie verlief der Weg von der Schneiderausbildung hin zur Bildenden Kunst?

Beate Lama: Ich habe schon mit 13, 14 Jahren viel gezeichnet und gemalt. Mit Zwanzig habe ich dann in einem Künstlerwohnprojekt in Mülheim gelebt. In der Zeit habe ich auch die Ausbildung zur Schneiderin gemacht. Damals wurde mir schon bewusst, dass Material in meinen Arbeiten im Vordergrund stehen würde. Es folgte eine Zeit im Kostümbereich der Sparte Ballett an der Hamburger Staatsoper. Gereizt haben mich vor allem die zahlreichen Tourneen. Eigentlich wollte ich so lange an der Oper bleiben, bis ich nach Japan komme (lacht).

Und hat das geklappt?

Beate Lama: Nein, leider nicht. Unterwegs in den USA habe ich Santa Fe kennen und lieben gelernt. Ich bin dort geblieben, habe an freien Theaterprojekten teilgenommen und Natural Art studiert. In der Zeit habe ich viel gelernt. Die Ablehnung meines Studentenvisums beendete diesen Traum. Ich musste wieder in Deutschland Fuß fassen. Es folgte eine Zeit beim Musical „Starlight Express“ und die Ausbildung zur Tanz- und Bewegungstherapeutin. Nicht zu vergessen, dass ich Mutter wurde (lacht).

Sie kamen nach Oldenburg …

Beate Lama: Ja. Hier entstand der „Blaufalter- Raum für Bild und Sprache“, ein Kommunikationsraum für bildnerisches Sehen. Meine erste Rauminstallation entstand, eine mystische Riesenmärchenwelt aus Seidenpapier und weißen Schwanenfedern. Anschließend arbeitete ich an einigen Filmprojekten in Zusammenarbeit mit dem „Lokalsender oeins“ und der Kulturetage. Im „quARTier“ wurde die Ausstellung „Verstrickungen“ gezeigt: Fotografien sowie Raum- und Klanginstallationen in Pink. Das Thema war der Umbruch im Sanierungsgebiet Bahnhofsviertel.

Wie kam es zu der aktuellen Ausstellung?

Beate Lama: „Aufweichung – Think Pink“ entstand aus der Fotoausstellung „Berührungsangst“, die Obdachlose und deren Leben in Oldenburg zeigt. Auch hier habe ich mich wieder mit unterschiedlichen Materialien auseinandergesetzt. Mir ist es wichtig, dass das Material, das ich benutze, einen Alltagsbezug hat. Es muss leben, eine Geschichte haben. Deshalb habe ich die Fotos monatelang der Witterung ausgesetzt – so wie die Menschen, die ich abgebildet habe, es erleben. Sie weichen auf, verlieren den Schutz und es entstehen neue Strukturen. Die Fotos habe ich als Untergrund für meine Collagen genutzt. Wegen der fast romantischen Lebensvorstellungen von denen die Obdachlosen mir manchmal erzählt haben, habe ich sie Kinderspielfiguren gegenübergestellt, die unser Bild von Frau und Mann mit prägen. Durch eine Fadenkonstruktion habe ich diese Gegensätze miteinander vernetzt und verbunden.

Netze sind für Sie ein wichtiges Thema?

Beate Lama: Ja, zurzeit arbeite ich beispielsweise an kleineren Formaten. Dabei geht es um die Verbindung von Industrienetzen mit anderen Materialien. Auch meine Mitwirkung bei der Onlinezeitung „Oldenburger Lokalteil“ – als ein Teil des Netzes Internet – sehe ich durchaus als Kunst und Kunstvermittlung. Netze und Vernetzung sind zurzeit mein künstlerisches Thema.

Frau Lama, wir bedanken uns für das Gespräch.

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