Ausstellung

971 Oldenburger schwärmen für das Zeichenfestival

Das 5. Oldenburger Zeichenfestival ausgezeichnet steht ganz im Zeichen der Schwarmkunst. In der bau_werk Halle am Pferdemarkt werden noch bis Samstag, 10. Oktober, die Ergebnisse aus zehn Projekten präsentiert.

Die Ausstellung zum 5. Oldenburger Zeichenfestival kann noch bis zum morgigen Samstag besucht werden.
Foto: Anja Michaeli

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Oldenburg / am – Das 5. Oldenburger Zeichenfestival „ausgezeichnet!“ steht ganz im Zeichen der Schwarmkunst. Dabei sind nicht nur die rund 160 teilnehmenden Schüler „ausgeschwärmt“, sondern es haben sich 971 Oldenburger mit einer Fliegenzeichnung an der Großinstallation „Die Oldenburger Fliege“ beteiligt. In der bau_werk Halle am Pferdemarkt werden noch bis Samstag, 10. Oktober, die Ergebnisse aus zehn Projekten präsentiert.

Bereits zum fünften Mal findet das Zeichenfestival „ausgezeichnet!“ der Oldenburger Kunstschule statt. Seit 2007 bringt das Festival alle zwei Jahre Jugendliche und junge Erwachsene mit professionellen Künstler_innen verschiedenster Sparten zusammen und vermittelt damit Zugänge zu aktueller Bildender Kunst. Das Besondere dabei ist die Vernetzung von Kulturinstitutionen, Künstlerinnen und Künstlern sowie Bildungseinrichtungen. „Ich freue mich sehr, dass das Zeichenfestival ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Oldenburg geworden ist“, sagt Deliane Rohlfs, Geschäftsführerin Oldenburger Kunstschule.

Für „s c h w a r m – z e i c h e n“ hat das Festival in seiner fünften Ausgabe mit dem Ausschwärmen der Teilnehmer, Aktionen in der Oldenburger Innenstadt und natürlich nicht zuletzt mit dem entstandenen Schwarmkunstwerk „Die Oldenburger Fliege“ gesorgt. Dazu wurde im Rahmen von Performances in der Innenstadt animiert. „Mit dem Festival wollten wir die künstlerische Handlung noch mehr ‚in die Straßen‘ und damit in das öffentliche Bewusstsein bringen. Dass uns das gelungen ist, zeigen unter anderem die fast 1000 gezeichneten Fliegen, die uns die Oldenburger zeichneten. Das ist ein großer Erfolg. Dafür danken wir allen Teilnehmern“, so Festivalleiterin und Künstlerin Karen Scheper. Die Schüler bekamen zudem die Gelegenheit, unter anderem an Workshops mit namhaften Künstlern teilzunehmen. Weitere Projekte wurden von Partnerinstitutionen organisiert.

Die Projekte 2015

Unter dem Titel „Wenn ich ein Zeichen …“ entwickelte der Künstler Hannes Kater mit Schülern der Oberschule Ofenerdiek sogenannte „Notationen“ mit bekannten Symbolen, selbst bestimmten Zeichen und verschiedenen Verknüpfungsregeln. Das Ergebnis wird in einer riesenhaften Zeichnung präsentiert.

Der „Hyperlink Generator“ entstand in Zusammenarbeit der Künstlerinnen Malve Lippmann und Catriona Shaw mit Schülerinnen der Liebfrauenschule. Zeichnerisch untersucht wurden die „Transportmittel“ mit denen Netz-Surfer auf ihrem Weg durch das Internet sind. Die Ergebnisse wurden in eine analoge „Suchmaschine“ in Form einer Installation übersetzt. „Die Schülerinnen sind sehr begabt und haben mit Gunda Tuchenhagen eine ausgezeichnete Kunstlehrerin“, freute sich Catriona Shaw. „Wir mussten einige Aufgaben komplizierter gestalten.“ Schülerin Talina, 13 Jahre, sagte: „Ich habe es mir anders vorgestellt, aber es ist viel cooler geworden, als ich es dachte.“ Der „Hyperlink Generator“ kann in der bau_werk Halle befragt und bespielt werden.

In der Alten Post gingen die Tänzerin Christine Grunert und die Bildende Künstlerin Veronika Witte mit Schülerinnen der Oberschule Alexanderstraße bei „Vorne. Hinten. Mittendrin.“ der Frage nach, welche zeichnerische Handlung die Bewegung des eigenen Körpers beeinflusst. Die Übungen endeten in einer performativen Aktion mit einem Schwarmtanz, der schlussendlich die „Fluchtrichtung“ anzeigt. „Es war super spannend und ein großes Experiment“, zeigte sich die Tänzerin Christine Grunert begeistert. „Die Schülerinnen haben sich zur Übung den Weg von Zuhause in die Halle vorgestellt, als Pfad gelegt und ein Bewegungsmuster entwickelt“, beschreibt die Bildende Künstlerin Veronika Witte den Workshop-Auftakt. „Wir haben Scrabble gespielt und sind über das Wort ‚rennen‘ auf das aktuelle Thema Flüchtlinge gekommen“, erinnert sich Dana, 13 Jahre. „Passend zu den 16 Schülerinnen entwickelte sich das Wort ‚Fluchtrichtung‘ – aus dem wiederum ‚richten‘, ‚hungern‘, ‚fern‘ oder ‚Tunnel‘ herausgelesen werden kann.“ Marie Therese, 14 Jahre: „Das Sprühen, Spielen und Proben hat Spaß gemacht, das war witzig.“ Die Schülerinnen performten „Vorne. Hinten. Musterhaft.“ zur Ausstellungseröffnung.

5. Oldenburger Zeichenfestival "ausgezeichnet!"

Bereits vor dem Auftakt zum 5. Zeichenfestival rief die Künstlerin und Festivalleiterin Karen Scheper die Oldenburger Bevölkerung auf, „Die Oldenburger Fliege“ zu zeichnen. Weit mehr als 900 Fliegen wurden eingereicht. Das daraus mit Unterstützung von Schülerinnen und Schülern der IGS Flötenteich entstandene Schwarmkunstwerk ist in der bau_werk Halle zu sehen.

In die „School of Flies“ gingen die Schüler der IGS Flötenteich. Mit dem Künstler Sebastian Neubert inszenierten sie die „Fliegenmetamorphosen“ mit ihrem Performance- und Untersuchungsausschuss „basic instinct“ die Gegenüberstellung von Mensch und Insekt. Die Künstlerin Yingshu Shi gestaltete mit ihrem Team von Kunstagentinnen und Kunstagenten zwei „Fliegenfänger“. Beide Gruppen animierten Passanten in der Innenstadt, ihren Beitrag zur Gesamtinstallation „Die Oldenburger Fliege“ zu leisten. „Wir kamen mit überraschend vielen Oldenburgern ins Gespräch, die sich auf das Projekt eingelassen haben“, so Sebastian Neubert. „Die Performance hat für Aufmerksamkeit gesorgt und das partizipatorische Element des Festivals gestärkt.“

Die „Nachtschwärmer“ des Bildungszentrums für Technik und Gestaltung gingen mit der Bildenden Künstlerin und Dozentin Doris Garduhn in der „Nacht der Museen“ im Oldenburger Schloss, im Kunstverein und im Edith-Russ-Haus für Medienkunst auf die Pirsch, um Kunstbetrachtende zu zeichnen und so Impressionen des Oldenburger Kultur-Erlebens abzubilden.

Das Thema „Zuhause in der Fremde“ beschäftigte das Social Land Art Projekt (slap) unter der künstlerischen Leitung von Edda Akkermann und Thomas Robbers, Schüler der Oberschule Eversten und das Institut für Kunst und Visuelle Kultur der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. 24 Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 17 Jahren aus zehn Nationen erkundeten in Streifzügen die Stadt. Ihre Wege wurden dokumentiert und ihre „Haltestellen“ markiert – ein Bewegungsmuster entstand.

„Schwärme“ entstehen manchmal unverhofft und zufällig. Studierende des Instituts für Kunst und Visuelle Kultur der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg entwickelten in verschiedenen Kursen der Dozentin Natascha Kaßner einen eigenen Umgang mit Themen und künstlerischen Medien. In der Ausstellung werden Arbeiten von Denise Schauberer, Marie Entzer und Simon Kirchmann gezeigt.

Für Schülerinnen und Schüler der IGS Kreyenbrück hieß es „Ansicht, Aufsicht, Nebensicht“. Gemeinsam mit Sandrine Teuber vom Museumspädagogischen Dienst der Stadt Oldenburg folgte dieses Projekt den Bewegungen in der Stadt und entdeckte sie mit Stift und Papier.

Ausstellung

Die Ausstellung ist am heutigen Freitag bis 18 Uhr und am Samstag von 11 bis 17 Uhr zu sehen.

Mit Beginn der Ausstellung beginnt das „Voting“ für „Die Oldenburger Fliege“: Bis Samstag, 10. Oktober, um 15 Uhr dürfen Besucher_innen eine Stimme für ihre favorisierte Fliegenzeichnung abgeben. Nach Auszählung der Stimmen erfolgt um 16 Uhr die Bekanntgabe der per Mehrheitsbeschluss gewählten Zeichnung.

Letzte Führung durch die Ausstellung:

Samstag, 10. Oktober
15 Uhr mit Karen Scheper
Im Anschluss wird um 16 Uhr „Die Oldenburger Fliege“ gekürt.

Weitere Ausstellung im Nachgang
Vom 19. Oktober bis 5. November kann die Ausstellung „Und ich male diese Lieder“ mit Arbeiten von Studierenden der Künstlerin und Dozentin Natascha Kaßner im Hörsaalgebäude A14 am Uhlhornsweg der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg besucht werden.

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