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LzO: Martin Grapentin verlässt die Bühne

LzO-Vorstandsvorsitzender Martin Grapentin verabschiedet sich in den Ruhestand.

LzO-Vorstandsvorsitzender Martin Grapentin verabschiedet sich in den Ruhestand.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg (zb) – 1966 begann Martin Grapentin eine Lehre bei der Kreissparkasse Rotenburg/Wümme und er räumt ein, dass seine Motivation sich damals in Grenzen hielt. Doch das sollte sich bald ändern. Am 17. Oktober wird der Vorstandsvorsitzende der Landesparkasse zu Oldenburg (LzO) offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

„Ursprünglich wollte ich Lehrer werden, aber dann bewarb ich mich bei der Kreisverwaltung und der Sparkasse. Mein Onkel riet mir jedoch, die Sparkasse zu favorisieren. Das tat ich“, erzählt der 65-Jährige. „Mein Interesse hielt sich anfangs in Grenzen, aber nach einer Weile entwickelte ich Interesse und sogar Spaß an der Arbeit.“ Immerhin hat er die letzten 35 Jahre Vorstandsarbeit geleistet. Von 1980 bis 1994 war er Vorstandsmitglied der Kreisparkasse Osterholz, von 1994 bis 2004 Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Wilhelmshaven und ab 2005 Vorstandsvorsitzender der LzO.

Lässt sich eine solche berufliche Laufbahn planen? „Nein“, sagt er. „Das hat sich ergeben. Ich wurde für geeignet gehalten, derart verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen.“ So war das auch 2005, als er die Nachfolge von Wilfried Barnstedt antrat. „Ich hatte nicht vor, nach Oldenburg zu gehen. Ich wurde gefragt, habe länger überlegt und es schließlich getan. Im Nachhinein bin ich sehr froh, weil das hier sehr schöne, interessante und befruchtende Berufsjahre waren“, sagt er.

Zehn Jahre hat er an der Spitze der 1786 gegründeten und somit ältesten Sparkasse der Welt gestanden. Rund 1700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in den 116 Geschäftsstellen. „Als ich hier anfing, fand ich relativ hierarchische Strukturen vor“, erinnert er sich. Die schaffte er schnell ab und praktizierte einen vollkommen neuen Kommunikationsstil. Denn kommunizieren ist seine große Stärke.

Er suchte stets die Nähe zu seiner Mitarbeiterschaft. Wenn die neuen Azubis bei der LzO mit ihrer Ausbildung starteten, mischte er sich bei einem Treffen unter sie. „Mich hat immer interessiert, wie unser Nachwuchs tickt“, sagt er. „Schließlich sind das die Kräfte von morgen.“ Der 65-Jährige ist außerdem für jeden im Haus ansprechbar gewesen. „Ich mag keine Allüren“, stellt er klar. „Ich kann auch keine übertriebene Wichtigkeit leiden. Vielmehr muss jeder sein Bestes geben“, findet er.

Als Vorstandsvorsitzender habe er eine besondere Verantwortung gehabt und hat seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Verantwortung und Vertrauen übertragen. Das habe sich bewährt. „Sie waren alle bereit, mitzudenken und verantwortlich zu handeln. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Prinzip Menschen zum Guten verändert. Zumindest ist das meine Erfahrung.“ Und dann gerät er ins Schwärmen. „Wir haben so viele gute Leute, einfach toll. Ich konnte mich stets auf sie verlassen.“

Martin Grapentin hat nie etwas vom militärischen oder harten Führungsstil gehalten, den er selbst durchaus erlebt und gespürt hat. „Als Führungskraft muss man nicht nur Vorbild sein, man muss sehr gut beobachten und zuhören können und eine Kommunikation auf Augenhöhe betreiben. Das heißt, Menschen grundsätzlich mit Respekt begegnen, tolerant sein, andere akzeptieren. Wer das tut, überschreitet eher keine Grenzen“, sagt er. „Sensibilität gehört auch dazu, um anderen keine emotionalen Verbrennungen zuzuführen. Denn wir sind alle zerbrechliche Seelen“, so seine Erfahrung.

„Ein Vorstandschef ist ein Beziehungsarchitekt und Sinnstifter. Er darf sich nicht verstecken. Er muss präsent sein. In der LzO arbeiten wir deshalb kollegial. Damit habe ich beste Erfahrungen gemacht, denn alle gehen mit“, freut er sich. „Ich habe stets das Gefühl gehabt, mich auf meine Mitarbeiterschaft verlassen zu können. Das ist schon etwas Besonderes, was ich stets zu würdigen wusste.“ Kein Wunder: Unter seiner Ägide erlebte die LzO ein enormes soziales und kulturelles Engagement und vor allem eine moderne, familienorientierte Personalpolitik.

Insbesondere die Förderung von Frauen nahm für ihn einen hohen Stellenwert ein. „Wir haben viele tüchtige Mitarbeiterinnen“, weiß er. So manch eine wurde angesprochen und ermuntert, beruflich die Leiter nach oben zu gehen. „Ich sehe nicht ein, dass gute Frauen auf der beruflichen Strecke bleiben, weil sie Kinder haben“, sagt Martin Grapentin. „Deshalb helfen wir jeder Frau bei der Suche nach der passenden Kinderbetreuung mit unserem ElternService.“ Väter werden ermuntert, Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Martin Grapentin hält das für sehr wichtig.

Der 65-Jährige ist Optimist, blickt nach vorne, mag es konstruktiv und verbreitet eher gute Laune. „Dennoch, manche Jahre zählen doppelt“, gibt er unumwunden zu. „Jeder muss sein Päckchen tragen und auch ich hatte manch eine schlaflose Nacht. Aber Führungskräfte dürfen sich nicht gehen lassen“, stellt er klar. Und noch etwas hat er beherzigt: „Nie mit den Gefühlen anderer spielen, immer authentisch bleiben.“

Er gehe mit großer Dankbarkeit und innerem Frieden, sagt er abschließend. „Für mein Berufsleben waren die Jahre in Oldenburg die wichtigsten, und um die Zukunft der LzO mache ich mir keine Sorgen. Doch nun kommt ein neuer Lebensabschnitt, auf den ich gut vorbereitet bin. Gleichwohl spüre ich Wehmut und Vorfreude zugleich“, beschreibt er seinen Gemütszustand. Künftig will er alles bewusster und mit mehr Ruhe angehen und er wird – obwohl er das Klavierspiel sehr gut beherrscht – Klavierunterricht nehmen, um noch besser zu werden. Und seine zahlreichen Ehrenämter übt er weiter aus. Martin Grapentin tritt also von der großen Bühne ab, auf den verschiedenen kleineren wird man ihm weiterhin begegnen.

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