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Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus

Der Unterricht an den Schulen in Niedersachsen fällt ab Montag aus.

Der Unterricht an den Schulen in Niedersachsen fällt ab Montag aus.
Foto: dts Nachrichtenagentur

Hannover (pm) Das Kabinett der Landesregierung hat am Freitag auf Empfehlung des Krisenstabes zur Bekämpfung der Corona-Epidemie beschlossen, den Unterricht an den Schulen in Niedersachsen ab dem kommenden Montag, 16. März ausfallen zu lassen. Diese Maßnahme ist zunächst befristet bis zum 18. April. Darüber hinaus werden Kitas, Hochschulen, Landesmuseen und Landestheater geschlossen.

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Es wird eine Notbetreuung für Beschäftige aus den Bereichen Pflege, Gesundheit, Medizin und öffentliche Sicherheit wie Polizei, Justiz, Rettungsdienste, Feuerwehr und Katastrophenschutz, sowie zur Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge geben.

Ministerpräsident Stephan Weil erklärt zu den Maßnahmen: „Der Virus ist da und er wird auch bleiben. Wir haben aber in Niedersachsen eine reelle Chance, den Verlauf relativ milde zu gestalten. Bei vielen Erkrankten wird der Verlauf unproblematisch sein. Es gibt aber auch schwere und lebensbedrohliche Verläufe. Deutschland hat ein sehr gutes Gesundheitswesen und bislang noch recht geringe Infiziertenzahlen. Und wir können von anderen lernen. Unser Ziel ist es, mit den heutigen Maßnahmen Zeit zu gewinnen, um unsere Infrastruktur, insbesondere das Gesundheitswesen weiter zu ertüchtigen. Wir müssen Alters- und Pflegeheime besonders schützen. Wir hoffen, dass wir in dieser Zeit den Virus mindestens so weit abmildern können, das die Zahlen insgesamt überschaubar bleiben und für unser Gesundheitswesen verkraftbar.“

Die beschlossenen Maßnahmen seien eine Reaktion auf das extrem dynamische Infektionsgeschehen, so Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann: „Es geht darum, das Virus auch mit drastischen Maßnahmen einzubremsen und die Dynamik zu brechen. Wir werden nicht ganz verhindern können, dass sich Menschen anstecken, aber wir wollen, dass sich so wenige wie möglich anstecken.“

Es komme nun insbesondere auf die nächsten Wochen an, so Ministerin Reimann: „Wir stehen vor einer Herausforderung, die wir in diesem Ausmaß bisher nicht gekannt haben. Eine Schlüsselfunktion kommt dabei dem medizinischen und pflegerischen Personal zu. Diese Menschen leisten schon jetzt grandiose Arbeit und einen hohen Einsatz. Ihnen gilt der Dank der ganzen Landesregierung. Unser Gesundheitssystem ist eines der besten, wenn nicht das Beste der Welt. Es steht jetzt vor einer großen Prüfung, einem echten Stresstest. Diesen bestehen wir nur mit dem besonderen Einsatz der Profis im Gesundheitswesen. Vor diesem Hintergrund ist es absolut wichtig, dass alle, die im Gesundheitssystem arbeiten, auch weiterhin ihre Aufgaben wahrnehmen können.“

Auch deshalb habe man sich die Entscheidung zu Schulschließungen nicht leicht gemacht, so Reimann: „Wir appellieren an alle in unseren Krankenhäusern, Arztpraxen, in Alten- und Pflegeheimen, aber auch beispielsweise bei der Feuerwehr und Polizei: Nutzen Sie die vorhandene Notfallbetreuung für Ihre Kinder und gehen Sie weiter zur Arbeit. Wir brauchen Sie. Wir brauchen Sie gerade jetzt mehr denn je!“

Kultusminister Grant Hendrik Tonne erläutert zum Unterrichtsausfall und den Schließungen von Kindertagesstätten: „Die Maßnahmen sind weitreichend und einschneidend. Aber sie sind notwendig. Wir stellen um auf Notbetrieb. Alleroberste Priorität hat der Gesundheitsschutz der Bevölkerung. Kinder und Jugendliche können Überträger sein und das Virus in ihre Familien bringen. Das kann sehr gefährlich sein, insbesondere für ältere Menschen, Großeltern, Bekannte, Verwandte. Aber auch Kinder können erkranken. Um die die Infektionen zu verlangsamen, müssen wir den Verbreitungsweg über Schulen und Kitas ausbremsen. Nicht notwendige Kontakte müssen vermieden werden. In diesem Zusammenhang appelliere ich auch an die Eltern, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder Verabredungen und Treffen mit anderen auf das Notwendigste beschränken.“

Mit Blick auf die Notenvergabe und bevorstehende Abschlussprüfungen versichert Tonne: „Keiner Schülerin und keinem Schüler wird ein Nachteil entstehen. Wir stellen uns so auf, dass unterschiedliche Szenarien hinsichtlich der Abschlussarbeiten und Zentralabiturprüfungen umgesetzt werden können. Diese Szenarien sehen vor, dass Maßnahmen für den Ausfall einzelner Schülerinnen und Schüler, einzelner Schulen bis hin zu allen Schulen in Niedersachsen berücksichtigt werden. Dabei werden je nach Szenario auch einzelne Prüfungstermine verschoben. Selbstverständlich werden Lösungen gefunden, die jedem Prüfling die Teilnahme an den Abschlussprüfungen ermöglicht.“

Mit Blick auf die niedersächsischen Hochschulen erklärt Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler: Wir empfehlen den staatlichen niedersächsischen Hochschulen dringend, die vorlesungsfreie Zeit bis zum 19. April zu verlängern. Auch den Fachhochschulen haben wir empfohlen, den Präsenzbetrieb bis einschließlich 19. April auszusetzen. Der interne Betrieb in den Einrichtungen wird weitergeführt. Darüber hinaus haben wir auch den Landesbibliotheken empfohlen, den Ausleihbetrieb bis einschließlich 19. April einzustellen. Auch die Staatstheater in Hannover, Braunschweig und Oldenburg werden ihren Vorstellungsbetrieb einstellen. Wir gehen davon aus, dass der Ausstellungsbetrieb in den Landesmuseen ebenfalls eingestellt wird. „So vermindern wir die Ansteckungsgefahr und gewinnen wertvolle Zeit, um das Gesundheitssystem zu entlasten“, so Thümler.

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