Region

Bewusstsein für Hochwassergefahr schärfen

Ute Schlautmann und Heiner Harting zeigen die ersten Risikokarten, die bereits im Internet einsehbar sind.

Ute Schlautmann und Heiner Harting zeigen die ersten Risikokarten, die bereits im Internet einsehbar sind.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg/zb – „Je weiter die Küste weg ist, umso geringer ist das Bewusstsein für Hochwassergefahren“, fasst Heiner Harting vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), auf einer Veranstaltung im ehemaligen Oldenburger Landtag zusammen. 125 Vertreter aus der Weser-Ems Region von Kommunen und Verbänden informierten sich über eine verbesserte Vorsorge bezüglich Hochwasser- und Küstenschutz.

„Außerordentliche Hochwasser und extreme Sturmfluten werden immer dann zur Katastrophe, wenn sie sich der Gefahr nicht bewusst sind“, sagt Harting. Deshalb sei die konsequente Umsetzung der Europäischen Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie, die auch für die niedersächsische Küste gilt, wichtig. Nur wer mögliche Gefahren kennt, kann rechtzeitig handeln. Deshalb wird in Niedersachsen verstärkt Hochwasserrisiko-Management betrieben.

„Unser Ziel ist ein schärferes Bewusstsein für die Gefahren zu schaffen“, erklärt Ute Schlautmann, Leiterin des NLWKN-Betriebsstelle Brake-Oldenburg. Dazu ist eine gute Datengrundlage unerlässlich. Der Landesbetrieb hat bereits gute Vorarbeit geleistet und bestimmte Abschnitte von 29 Flüssen in Niedersachsen, darunter befinden sich die Mittelelbe, die Mittelweser, die Ems, aber auch die Wümme und die Ochtum, identifiziert, für die ein erhöhtes Hochwasserrisiko besteht. Hinzu kommt die gesamte niedersächsische Küste, so dass hier von 2300 Kilometer im Binnenland und 700 Kilometer an der Küste die Rede ist.

„Bis zum nächsten Jahr werden für alle Gebiete Hochwassergefahren- und Risikokarten erstellt, die Auskunft darüber geben, welche Flüsse durch Deiche geschützt beziehungsweise überschwemmt werden bei einem extremen Hochwasser oder einer Sturmflut“, berichtet Schlautmann. Die Risikokarten geben Auskunft darüber, wie diese Flächen gegenwärtig genutzt werden – als Wohn- oder Industriegebiet oder landwirtschaftliche Flächen und sie zeigen an, ob sich in den Gebieten Industrieanlagen mit gefährlichen Stoffen befinden. Die bereits fertig gestellten Karten sind schon online für alle einsehbar.

„Jeder kann dort sehen, ob er in einem gefährdeten Gebiet lebt oder nicht“, sagt Harting. Das ist besonders wichtig für jene, die ein Grundstück kaufen wollen. Außerdem wird manch ein Bürger beim Betrachten der Karten verstehen, warum er Geld an den Deichband überweisen muss. Denn es ist schon vorgekommen, dass auch Oldenburgs Innenstadt unter Wasser steht. Viele Leute verstehen das nicht. Die Karten geben Aufschluss darüber.

Es geht aber auch um konkrete Hochwasser- und Küstenschutzmaßnahmen. Sie werden als Bestandteil der Kochwasserrisikomanagement-Pläne der EU gemeldet. Kommunen, Deich- und Unterhaltungsverbände sind deshalb aufgefordert, in nächster Zeit Küsten- und Hochwasserschutz wie den Bau von Rückhaltebecken oder Deichen zu melden. Darüber hinaus geht es zudem um die Berücksichtigung des Küsten- und Hochwasserschutzes in Bauleitplänen oder die Einrichtung bzw. Verbesserung von kommunalen Warn- und Informationsdiensten. „Alle müssen die Hochwasservorsorge als Gemeinschaftsaufgabe verstehen – das Land, die Kommunen, Verbände und die Bürger“, betonte Peter Horn vom Niedersächsischen Umweltministerium abschließend.

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