Politik

(K)eine Bank für Ex-Stadtbaurätin

Ex-Stadtbaurätin Gabriele Nießen wirkt längst in Süddeutschland, ihr Geist aber schwebt zumindest durch die Grünanlagen gegenüber dem AGO.

Bank mit Blick aufs AGO: erst mit, dann ohne Gedenk-Schild.
Fotos: Michael Exner

Oldenburg (Michael Exner) Ex-Stadtbaurätin Gabriele Nießen wirkt längst in Süddeutschland, ihr Geist aber schwebt noch immer durch Oldenburg, zumindest durch die Grünanlagen gegenüber dem AGO. Davon kündet nicht zuletzt eine Bank mit hintergründiger Geschichte: Plötzlich stand sie da – mit einer Art Nießen-Gedächtnisplakette, die ihrerseits ebenso plötzlich wieder verschwand.

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Die heute 54 Jahre alte Nießen hatte hierzulande eine (nur eine) in der Endphase von Turbulenzen geprägte Amtszeit absolviert. Unter dem damaligen Oberbürgermeister Gerd Schwandner war sie 2011 einstimmig vom Rat zur Dezernentin für Bau, Umwelt und Verkehr gewählt worden, hatte mit dessen Nachfolger Jürgen Krogmann (ab 2014) aber stets gefremdelt. Atmosphärisch mag das an einer tatsächlichen oder vermeintlichen Nießen-Nähe zu den Grünen gelegen haben, konkret hatte das Ursachen in unterschiedlichen Ansichten zur Stadtentwicklung, manifestiert etwa an der geplanten Straße über den Fliegerhorst.

Im Sommer 2018 stellte Krogmann der Dezernentin den Stuhl vor die Tür, indem er erklärte, er werde sie nicht zur Wiederwahl vorschlagen – offenkundig unbeeindruckt davon, dass eine ganz große Koalition von CDU, Grünen, Linken und Liberalen per gemeinsamer Erklärung für eine weitere Amtszeit Nießens plädiert hatte. Eine plakative Sympathiebekundung, die bestenfalls geeignet war, den Rathauschef zu ärgern. Dass nur gewählt werden kann, wer vom OB vorgeschlagen wird, wussten auch die Initiatoren. Die von der Entwicklung tief getroffene Stadtbaurätin orientierte sich um und bewarb sich mit Erfolg als Bürgermeisterin (so heißen dort die Dezernenten) in Ludwigsburg, einer 95.000-Einwohner-Stadt im Weichbild von Stuttgart. Im Februar verließ sie die Oldenburger Stadtverwaltung – vorzeitig und im Stillen. Eine öffentliche Verabschiedung hatte sie sich verbeten.

Vor einigen Wochen stand plötzlich eine neue Bank am Fußweg zwischen Staatstheater und AGO-Parkplatz hinter der kleinen Parkfläche am Theaterwall. An der Lehne trug sie ein Schild: „Hier ist stets ein Platz frei für Frau Gabriele Nießen (Stadtbaurätin von 2011 bis 2019)“. Stadtsprecher Reinhardt Schenke hatte auf die Frage nach der Herkunft mit den Schultern gezuckt. „Normalerweise reden Stifter mit unserem Fachdienst Grünpflege, und in der Regel sagen wir ja“, meinte Schenke damals, setzte aber hinzu: „Diese Bank hat diesen Weg nicht genommen; die stand einfach da.“

Da steht sie auch jetzt noch – allerdings ohne Schild. Und wieder hält der Stadtsprecher den Ball flach: „Wir wissen weder, wer das Schild angebracht hat, noch etwas über das Verschwinden“, sagt Schenke. „Mittlerweile steht da halt einfach eine Bank mit Blick auf das AGO.“

Da wird sie wohl auch stehen bleiben, möglicherweise irgendwann mal mit neuem Schild. Denn mit dem Erscheinen der Bank hatten in der Stadt sofort wieder Gerüchte eingesetzt über eine bei den Grünen herumgeisternde Idee: die Ex-Dezernentin als Kandidatin gegen Krogmann in die OB-Wahl 2021 zu schicken (den Vorschlag eines gemeinsamen Personal-Projektes hatte CDU-Chef Christoph Baak schon früher abgelehnt). Eine Idee, die Gabriele Nießen zumindest nicht gänzlich ausgeschlossen hat. Nach einem Bericht der Stuttgarter Zeitung beantwortete sie Ende Februar eine entsprechende Frage mit einer aus der Politik nicht unbekannten Formulierung: „Ich konzentriere mich jetzt voll auf Ludwigsburg. Etwas anderes steht nicht an.“

Vielleicht orientiert sich das nächste Schild am Titel einer alten Stephen-King-Geschichte: „Manchmal kommen sie wieder.“

4 Kommentare

  1. Manfred Murdfield
    19. Oktober 2019 um 17.56 — Antworten

    G. Niessen als OB’in-Nachfolge von Krogmann?? Nur wenn gewollt ist, dass die Einwohnerzahl wieder zurück geht. Das wäre dann wohl das einzig Erwähnenswerte in der Amtszeit. Was hat Frau Niessen hier an bleibendem Eindruck hinterlassen?? Im wesentlichen hat sie die Eier ausgebrütet, die ihr Vorgänger gelegt hat. Aber sie hat schon am Anfang gesagt, dass sie keine Visionen hätte. Gute Voraussetzung für eine Oberbürgermeisterin. Und den Grünen „nahestehend“, vielleicht hat sie mal mit der Fraktion Kaffee getrunken, abgefärbt hat es nicht. Bei dem Leistungsergebnis von Frau Niessen sollten sich die Grünen fragen, was schief läuft in der Fraktion.

    • W. Lorenzen-Pranger
      20. Oktober 2019 um 14.04 — Antworten

      War nicht der Umweltgedanke die selbst gewählte Kernkompetenz der Grünen? Komisch, man sieht nicht viel davon, das haben denen andere längst abgenommen. Aus meiner Sicht sind die längst im Einheitsbrei untergegangen. Kein Wunder, wenn man mit reaktionärsten Parteien Koalitionen eingeht, ja selbst die letzten Spiesser und Armleuchter in der Partei nicht nur duldet, sondern in Ämter hievt.
      Wie sagte einer meiner Freunde Mal über die? „Es gibt Sachen, die macht man einfach nicht!“ Die Grünen machen sie eben doch, und zeigen damit nicht gerade viel Anstand – und erst recht keine Haltung.
      Vergessen wir sie einfach, derzeit wachsen Bessere nach – VIEL Bessere. Mir gibt das Hoffnung – immerhin.

  2. ano
    27. Oktober 2019 um 7.36 — Antworten

    „Wir wissen weder, wer das Schild angebracht hat, noch etwas über das Verschwinden“, LOL sehr dreist

    • Manfred Murdfield
      30. Oktober 2019 um 13.17 — Antworten

      Wurde auf der Bank ein lachender Vogelschiss übersehen?

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