Oldenburg

Rücklageentnahme schwächt kirchliches Polster

Obwohl die Steuereinnahmen sprudeln, muss die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg den Gürtel enger schnallen. Geht es nach dem Willen des Gemeinsamen Kirchenausschusses, zieht sie sich Ende 2014 aus der Ökumenischen Beratungsstelle zurück.

Geht es nach Synodenpräsidentin Sabine Blütchen und Bischof Jan Janssen muss der Gürtel enger geschnallt werden.
Foto: privat / Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg/zb – Obwohl die Steuereinnahmen sprudeln, muss die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg den Gürtel enger schnallen. Geht es nach dem Willen des Gemeinsamen Kirchenausschusses, zieht sie sich Ende 2014 aus der Ökumenischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensberatung in der Stadt Oldenburg zurück.

Die zweitägige Herbstsynode wird sich ab Donnerstag schwerpunktmäßig mit dem Haushalt befassen. Mit 85,9 Millionen Euro liegt das Haushaltsvolumen für das kommende Jahr fünf Millionen höher als geplant. 5,4 Millionen Euro Rücklagenentnahme sind eingeplant. Außerdem muss eine Einmalzahlung an die Norddeutsche Kirchliche Versorgung für Pfarrer und Kirchenbeamte (NKVK) in Höhe von 22,6 Millionen Euro gezahlt werden.

Der demografische Wandel macht auch vor den Kirchenbediensteten nicht halt. Die NKVK hat neu gerechnet und Nachforderungen in dieser Höhe gestellt. Bleiben der Kirche jetzt noch 133 Millionen Euro an Rücklagen. „Und weil die Zahlen der EKD bis 2030 nichts Gutes verheißen, muss zusätzlich vorgesorgt werden“, sagt Bischof Jan Janssen, der nicht weiterhin auf die Rücklagen zurückgreifen will. „Demnach wird sich die Mitgliederzahl bundesweit um ein Drittel reduzieren, die Einnahmen sogar um die Hälfte“, berichtet er.

Angesichts dieser Aussichten ist die Kirche auf der Suche nach Einsparpotenzial und schreckt nicht davor zurück, sich aus der Beratung in Oldenburg zurückzuziehen. „Wir bleiben in Delmenhorst und Wilhelmshaven weiterhin präsent, weil dort Brennpunkte sind“, erklärt Janssen. „Dass wir mit unserem Schritt Verletzungen erzeugen, wissen wir. Die Realität zwingt uns jedoch zu derartigen Einschnitten“, stellt Synodenpräsidentin Sabine Blütchen klar. Das letzte Wort hat dennoch die Synode.

Damit spart die Kirche nicht nur 100.000 Euro ein, sie geht auch auf die Vorschläge des Zukunftskongresses ein, wonach die Kirchenbasis einen stärkeren Akzent in der theologischen Arbeit setzen möchte. Entsprechend sieht auch der neue Pfarrstellenplan aus, den Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk der Synode vorlegen wird. „Durch ihn sollen die Gemeinden vor Ort aber auch die kirchliche Präsenz außerhalb von Kirche gestärkt werden. Es geht um umsere theologische und seelsorgerische Kernkompetenz in den Gemeinden sowie in Altenheimen, Gefängnissen oder bei der Polizei“, nennt sie ein paar Beispiele.

Weil 100.000 Euro noch nicht den großen Wurf ausmachen, wird die Synode künftig intensiv darüber nachdenken, wie Kirche ihr Profil schärft und welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir bestimmte Arbeitsfelder einstellen“, räumt Blütchen ein. Wohin die Reise konkret geht, muss erörtert werden. Vielleicht rücken die niedersächsischen Kirchen mittelfristig noch viel enger zusammen als mit dem jetzt zur Abstimmung vorliegenden Konföderationsvertrag. Danach bleiben die fünf Kirchen selbstständig, suchen aber die intensivere Zusammenarbeit.

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