Oldenburg

Staatstheater: Orchester legt Instrumente nieder

Die Mitglieder des Orchesters im Oldenburgischen Staatstheater nahmen am bundesweiten Warnstreik teil.

Die Mitglieder des Orchesters im Oldenburgischen Staatstheater nahmen am bundesweiten Warnstreik teil.
Foto: Anja Michaeli

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Oldenburg/am – Das Oldenburgische Staatsorchester beteiligte sich am heutigen Montag, 30. September, an einem bundesweiten Warnstreik von rund 100 Staats- und Kommunalorchestern. Dazu hat die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) aufgerufen. Die Musiker im öffentlichen Dienst wollen auf den Tarifstreit zwischen dem Deutschen Bühnenverein und den Orchestern hinweisen. Sie protestieren gegen die Verweigerung tariflicher Lohnerhöhungen seit 2010 und die Abkopplung von anderen Theatermitarbeiter_innen.

Das Bundesarbeitsgericht hatte am 25. September entschieden, dass die Staats- und Kommunalorchester keinen einklagbaren Rechtsanspruch auf die Lohnerhöungen des öffentlichen Dienstes mehr haben. „Wir müssten jetzt jedes Jahr auf die Straße gehen, um für unser Recht zu kämpfen“, schimpft Bratschist Rüdiger Kunst. Mittlerweile ginge es um 7,5 bis 8,5 Prozent Lohnerhöhung, es stünden Nachzahlungen aus den vergangenen Jahren heraus.

Dabei habe der Deutsche Bühnen Verein freiwillige Lohnerhöhungen empfohlen, so Kunst. „Aber das Land Niedersachsen – unter der alten und auch unter der neuen Regierung – zeigt sich besonders stur“.

„Das Maß ist jetzt voll“, ärgert sich DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens. Es müsse endlich Schluss sein mit dem Orchester- und Musikerstellenabbau. „Unser weltweit einmaliges Kulturerbe ist massiv gefährdet. Allein in den letzten 20 Jahren sind von ehemals 168 Orchestern 37 verschwunden. Tausende Arbeitsplätze für junge Musiker wurden vernichtet. Orchesterauflösungen und -fusionen haben noch 131 Orchester übrig gelassen. Weitere Orchester sind in ihrer Existenz akut bedroht“ sagt Mertens. „Die Ausrede, die öffentliche Hand habe dafür kein Geld, kann man nicht gelten lassen: Wenn für 2,2 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst das Geld für Tariferhöhungen da ist, ob in Eisenach, Remscheid oder Chemnitz, sollte es für rund 8.500 Orchestermusiker in Ländern und Kommunen auch noch reichen“, fordert Mertens abschließend.

Auch der Deutsche Bühnenverein, Arbeitgeberverband der Theater und Orchester, meldet sich zu Wort. Die Warnstreiks seien unzulässig und rechtswidrig, da sich die Musikergewerkschaft DOV über drei Jahre jeder Verhandlung verweigert habe. Dies gelte umso mehr, als die Behauptung der DOV nicht zutrifft, der Bühnenverein habe 2010 die Anpassung der Musikervergütungen an die Vergütungserhöhungen des Öffentlichen Dienstes ausgesetzt. Es war die DOV, die den Verhandlungstisch verlassen hat, um ein gerichtliches Verfahren einzuleiten, das sie in der vergangenen Woche vor dem Bundesarbeitsgericht verloren hat.

Während an einigen Theatern die Proben von den Warnstreiks betroffen waren, hatten die Orchestermusiker in Oldenburg keinen Dienst. Wenn die Protestaktionen nichts bewirken, könnte es zum Streik kommen, warnten die Teilnehmer_innen der heutigen Aktion.

Morgen, 1. Oktober, beginnen in Berlin die Tarifgespräche zwischen der DOV und dem Deutschen Bühnenverein.

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