Sport

Etzhorner Schießsportler leben Inklusion

Tim Focken, Hans-Günter Rostalski, Clemens Kurek, Herbert Michels, Werner Fredehorst und Anders Spielmeyer informierten über den SV Etzhorn als Partnerverein des Behinderten Sportverbandes Niedersachsen.

Tim Focken, Hans-Günter Rostalski von der LzO, Clemens Kurek von der Lotto-Sport-Stiftung, Herbert Michels, Werner Fredehorst und Anders Spielmeyer (von links) informierten über den SV Etzhorn als Partnerverein des Behinderten Sportverbandes Niedersachsen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Der Oldenburger Schützenverein Etzhorn hat seine Weichen neu gestellt. Grund ist die Anerkennung als Partnerverein durch den Behindertensportverband Niedersachsen (BSN). Der SV Etzhorn ist landesweit erst der sechste Verein, dem diese Anerkennung zu Teil wird. Das heißt, Behindertensport und Inklusion nehmen dort einen sehr großen Stellenwert ein. „Das passt ohnehin gut zu unserem Verein, der voneinander, füreinander und miteinander lebt“, sagt Vereinspräsident Werner Fredehorst, der die offizielle Anerkennung jetzt von BSN-Vizepräsident Herbert Michels entgegennahm.

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Diese Entwicklung ist nicht zufällig. Seit Vereinsmitglied Elke Seeliger für die Paralympischen Spiele 2016 in Rio trainiert hat, haben sich die Verantwortlichen intensiv um die Behindertensportlerin gekümmert und schnell erkannt, dass der Schießsport geradezu ideal ist, um Menschen mit und ohne Handicaps gemeinsam zu trainieren. Die 45-Jährige leidet unter einer Rückenmarkserkrankung und ist auf den Rollstuhl angewiesen. „In unserem Verein wird seither inklusiv gearbeitet und alle Beteiligten profitieren davon. Ob beeinträchtigt oder nicht, es spielt bei uns nur hinsichtlich der Hilfsmittel eine Rolle“, macht Werner Fredehorst deutlich.

Da lag es nahe, den Antrag als Partnerverein beim BSN zu stellen. „Die Erfolge des SV Etzhorn sprechen für sich“, sagt Herbert Michels, der von der Arbeit des Vereins angetan ist und von einem kompetenten Partner spricht. „Ziel ist es, mit Hilfe der Partnervereine möglichst viele Menschen mit Handicaps für den Sport zu gewinnen“, erklärt er. Der SV Etzhorn sei bereits auf einen sehr guten Weg. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die gesamte Anlage demnächst mit Hilfe der „Aktion Mensch“ barrierefrei ist.

Neben Elke Seeliger gehört auch Tim Focken dem Verein an. Der Soldat wurde während eines Afghanistan-Einsatzes an der linken Schulter schwer verletzt. Die Bundeswehr hat ihn seither für den Leistungssport freigestellt. Bis zu 35 Stunden in der Woche trainiert er und holte bereits mehrere Weltcupmedaillen. Außerdem ließ er sich zum Trainer ausbilden.

„Für den BSN ist es von enormer Bedeutung, leistungssportaffine Vereine als Partner zu gewinnen, zu fördern und zu etablieren. Nur mit Hilfe der Sparkassen in Niedersachsen und der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung konnte das Projekt mit den Partnervereinen realisiert werden“, betont Herbert Michels. So soll in den nächsten zwei Jahren die leistungssportliche Infrastruktur des SV Etzhorn im Behindertensport ausgebaut beziehungsweise gestärkt werden. Gemeinsam wurde ein zweijähriger Entwicklungsplan erarbeitet.

„Neben Sichtungsmaßnahmen umfasst er unter anderem die Aufstockung von Trainingszeiten und ganz besonders die enge Zusammenarbeit mit Partnern innerhalb und außerhalb des organisierten Sports sowie die Ausrichtung von Schnuppertagen und verpflichtende Trainerfortbildungen“, berichtet Anders Spielmeyer, BSN-Leistungssportkoordinator. Jedes Jahr erhält der Verein 2000 Euro und nach zwei Jahren ist eine Verlängerung grundsätzlich möglich.

Neben der internationalen Klasse gibt es im SV Etzhorn eine nationale Klasse sowie eine Anfänger- und Aufbaugruppe. Sie alle werden von Ehrenamtlichen trainiert und demnächst soll noch ein Mentaltrainer hinzukommen. Die Schießsportanlage des Vereins mit seinen 230 Mitgliedern ist absolut professionell und erfüllt alle Voraussetzungen für Wettbewerbe mit körperbehinderten Sportlern. Das Sportangebot für alle Altersklassen umfasst Armbrustschießen, Bogenschießen und Gewehrschießen.

„Sportschießen ist eine Faszination“, sagt Werner Fredehorst. „Zahlreiche feinmotorische Abläufe im Körper werden hier aneinandergereiht. Eine hohe Koordinationsfähigkeit, die nur durch intensives Training erlernt werden kann, das Umsetzen der Konzentration in ein ausgeglichenes körperliches Spannungsverhältnis gehört genauso zum Sportschießen wie der Kampf gegen die eigene Nervosität. Sportschießen ist eine der komplexesten Sportarten, die man von jungen Jahren an bis ins hohe Alter ausüben kann“, sagt er abschließend.

Weitere Informationen gibt es unter www.sv-etzhorn.de.

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