Osternburg

Hakenkreuze auf jüdische Grabsteine geschmiert

Erneut wurde der jüdische Friedhof in der Dedestraße in Oldenburg-Osternburg von Nazis heimgesucht. Acht Gräber und die Trauerkapelle wurden mit Hakenkreuzen und dem Wort Jude beschmiert. Das bemerkte am vergangenen Sonntag ein Besucher.

Hakenkreuze-Schmierereien auf dem jüdischen Friedhof Oldenbburg.
Foto: Anja Michaeli

Anzeige

LzO Neukunden

Oldenburg/am – Erneut wurde der jüdische Friedhof in der Dedestraße in Oldenburg-Osternburg von Nazis heimgesucht. Acht Gräber und die Trauerkapelle wurden mit Hakenkreuzen und dem Wort „Jude“ beschmiert. Das bemerkte am vergangenen Sonntag ein Besucher, der die Polizei informierte. Verdächtigt wird ein 32-Jähriger, der einen Tag zuvor am Marschweg beim Sprayen erwischt wurde.

Der 32-jährige Mann wurde aufgegriffen, nachdem ein Zeuge am Samstag Farbschmierereien am Marschweg (Autobahnunterführung und Helene-Lange-Schule) entdeckt hatte. „Die Gesamtumstände und die Machart der Hakenkreuze erhärten den Tatverdacht“, so Polizeisprecher Mathias Kutzner. Deshalb habe die Staatswaltschaft Oldenburg am gestrigen Sonntag einen Durchsuchungsbeschluss erwirkt. Bei der Ausführung sei der Tatverdächtige allerdings nicht angetroffen worden, die Ermittlungen und die Suche gegen ihn wegen Sachbeschädigung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen dauern an.

Um Solidarität zu zeigen, hat der Bürgerverein Osternburg-Dammtor gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Oldenburg und dem Arbeitskreis „Erinnerung gestalten“ zu einer Mahnwache aufgerufen. Mit Teelichtern stellten sich die Teilnehmer_innen rund um den Friedhof, um ihn symbolisch zu umarmen. Diese Anteilnahme und der Einsatz – auch gerade von Nichtbetroffenen – sei lebenswichtig, sagt Jehuda Wältermann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Oldenburg. „Wir sind sehr dankbar dafür, dass Bürger reagieren und sagen, dass sie damit nicht einverstanden sind, den Mund zu halten“, so Wältermann. „Es ist immens wichtig, dass die Leute aufstehen. Gerade Nichtbetroffene können das Zünglein an der Waage sein, dass das Geschehen vor 75 Jahren in der Zukunft nicht wieder passiert.“ Die Betroffene seien immer dafür hoch sensibilisiert. „Die Bevölkerung – auch nicht jüdische Freunde – sagen, es ist ja vorbei. Aber solche Dinge zeigen, dass es immer noch Menschen gibt, die ein Regime verherrlichen, das entrechtet und industriell umbringt. Das ist gegenwärtig. Für uns ist das Alltag, wir leben hinter Panzerglas. Es ist nicht vorbei, auch nach 75 Jahren nicht.“

Die aktuellen Farbschmierereien sind nicht der einzige Hinweis darauf, dass Neonazis zurzeit ihr Unwesen in Oldenburg treiben. Aufkleber des nationalsozialisten Onlinesenders „FSN TV“, des Nazi-Netzwerkes „Freies Netz“ und der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ wurden laut Antifaelf.blogsport.de am „Alhambra“ und beim Lokalsender „oeins“ gefunden. Auch im Eingangsbereich zu den Redaktionsräumen der Oldenburger Onlinezeitung wurden diese Aufkleber angebracht.

Vorheriger Artikel

Stundenweise in die Rolle der Concierge schlüpfen

Nächster Artikel

Theater-Mittheilungen aus dem 19. Jahrhundert