Neue Vitrine erinnert an Lettische Kolonie

An die Geschichte der Rennplatzsiedlung, die Wurzeln in der Lettischen Kolonie und das Engagement des damaligen Pastors Paulis Urdze erinnert eine Infotafel am Kulturzentrum Rennplatz.
Foto: Stadt Oldenburg
Das städtische Kulturbüro hat am Kulturzentrum Rennplatz in Oldenburg-Ohmstede eine Informationsvitrine zur Geschichte der Lettischen Kolonie und zu Pastor Paulis Urdze aufgestellt. Die Stadt informierte am 2. September 2026 über die neue Vitrine. Auslöser war eine Anregung des Bürgervereins Ohmstede und des Autors Günter Heuzeroth, an Urdzes Arbeit zu erinnern.
Der Vitrinentext stellt sein Wirken in den Zusammenhang mit dem früheren Lager und der späteren Rennplatzsiedlung. Die GSG unterstützte die Errichtung der Vitrine.
Das Lager auf dem Rennplatz war 1943 als erste Durchgangsstation für sowjetische Zwangsarbeiter/innen eingerichtet worden. Später diente es zunehmend als dauerhafter Unterbringungsort für Zwangsarbeiter/innen in Oldenburg. Nach Kriegsende entstand dort die größte lettische Kolonie in der Bundesrepublik Deutschland. Anfang der 1950er-Jahre lebten dort mehr als 1.000 lettische Staatsbürger/innen sowie aus Lettland stammende Menschen, die formal staatenlos waren.
Von den Baracken zur Rennplatzsiedlung
Die Holzbaracken waren dürftig ausgestattet. Seit Juni 1950 trug die Oldenburger Stadtverwaltung die Verantwortung für Betrieb und Versorgung der Bewohner/innen, konnte aber nur notwendige Reparaturen veranlassen. Zugleich kamen viele Geflüchtete und Vertriebene nach Oldenburg. Die Einwohnerzahl stieg in den ersten drei Jahren nach Kriegsende um fast 50 Prozent auf mehr als 100.000. Die ersten Baracken wurden 1959 abgerissen. Anschließend begann die Stadt gemeinsam mit der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft mit dem Bau der Rennplatzsiedlung im sozialen Wohnungsbau.
Paulis Urdze verändert das Leben im Lager
Pastor Paulis Urdze übernahm im Sommer 1955 das Pfarramt der lettischen Gemeinde. Unter seiner Leitung entstanden „ökumenische Aufbaulager“, bei denen junge Menschen aus verschiedenen Ländern gemeinsam die Lebensbedingungen verbesserten. Zudem wurden Räume für die Gemeinnützigen Werkstätten hergerichtet. Dort fanden ab 1957 lettische Bewohner/innen mit eingeschränkter Arbeitsfähigkeit Beschäftigung.
Die Bauarbeiten für ein Jugendzentrum, einen Kindergarten mit Hort sowie einen Kirchenraum begannen im April 1963. Ein Jahr später wurden die Einrichtungen mit einem Festakt und einem Gottesdienst eröffnet. Nach Urdzes Tod 1985 gefährdeten gestrichene kirchliche, kommunale und staatliche Zuschüsse den Fortbestand. Die Stadt Oldenburg übernahm die Einrichtung 1999 und führte sie als Kulturzentrum Rennplatz weiter.
Historische Recherchen als Grundlage
Grundlage des Vitrinentextes sind die 2014 veröffentlichte Arbeit des Oldenburger Historikers Günter Heuzeroth und Rechercheergebnisse des Bremer Historikers Dr. Karl-Ludwig Sommer aus dem Jahr 2024. Heuzeroth dokumentiert in seiner Publikation „Baltenflüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg im deutschen Exil“ die Lettische Kolonie, die Kirchengemeinde, die Gemeinnützigen Werkstätten sowie den Aufbau des Jugend- und Kulturzentrums.
Seine Dokumentation ist unter www.oldenburg.de/kulturbuero abrufbar.
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