Oldenburg

Ministerpräsident dankt Soko Kardio

Ministerpräsident Stephan Weil informierte sich in Oldenburg bei Bernd Deutschmann, Polizeivizepräsident, Arne Schmidt, Leiter der Soko Kardio, und Polizeipräsident Johann Kühme über die Arbeit der Soko.

Ministerpräsident Stephan Weil (3. von links) informierte sich bei Bernd Deutschmann, Polizeivizepräsident, Arne Schmidt, Leiter der Soko Kardio, und Polizeipräsident Johann Kühme (von links) über die Arbeit der Soko.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (zb) – Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil besuchte gestern die Sonderkommision (Soko) Kardio in Oldenburg. „Es ist mir ein Anliegen, mit den 13 Beamtinnen und Beamten persönlich zu sprechen und mir einen genaueren Eindruck über ihre Arbeit zu verschaffen“, erklärte er nach dem Gespräch und zeigte sich beeindruckt. „Es ist eine sehr belastende Arbeit, die getan werden muss. Als ihr Dienstherr möchte ich mich bei ihnen dafür bedanken“, so Weil.

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Die Soko Kardio hat vor über einem Jahr begonnen, das unvorstellbare Wirken des ehemaligen Krankenpflegers Niels H. umfassend und vollständig zu überprüfen. Er steht im Verdacht, in diversen Fällen durch die Verabreichung von hochwirksamen Medikamenten den Tod von Patienten zumindest billigend in Kauf genommen zu haben.

Ein Schwerpunkt der Ermittlungen sind die Exhumierungen, von denen bislang mehr als 80 durchgeführt worden sind. „Diese Arbeit stellt sowohl eine sehr hohe Belastung für die ermittelnden Beamtinnen und Beamten als auch insbesondere für die Angehörigen dar“, erklärte Arne Schmidt, Leiter der Soko Kardio. „Sie hilft jedoch letztlich dabei, den Angehörigen Gewissheit vermitteln zu können“, machte Weil die wichtige Arbeit der Soko deutlich. „Sie ist aber auch deshalb besonders wertvoll, weil sie uns möglicherweise Erkenntnisse darüber vermittelt, wie solche Taten künftig verhindert beziehungsweise ihre Wahrscheinlichkeit minimiert werden kann.“

Weil sprach sich für bestimmte Standards in Krankenhäusern aus, die Vorgänge nachvollziehbar machen. Gleichzeitig betonte er, dass viele Krankenhausmitarbeiterinnen und –mitarbeiter ihrer Arbeit sehr verantwortungsbewusst nachgingen und warnte vor einer Pauschalverurteilung.

Demnächst legt der Niedersächsische Landtag einen Bericht zu dem Thema vor, über den Weil jedoch vorab nicht sprechen wollte. Nur so viel: „Es scheint so zu sein, dass es Auffälligkeiten gibt.“ Auch Schmidt und Polizeipräsident Johann Kühme wollten zu neuesten Ermittlungen und Erkenntnissen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts sagen. „Wir werden uns voraussichtlich in der nächsten Woche dazu äußern“, kündigte Schmidt an.

Niels H. ist schon im vergangenen Jahr vom Landgericht Oldenburg wegen zweifachen Mordes, zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung an Patienten des Klinikums Delmenhorst zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zudem wurde die Schwere der Schuld festgestellt, weshalb er die 15 Jahre auf jeden Fall absitzen muss. Derzeit prüft die Polizei weitere Fälle. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass es einen weiteren Prozess geben wird.

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