Kultur

„Cross Culture“: Kultur als Integrationshilfe

Natalia Petrillo, Gabriele Heinen-Kljajić und Mustafa Akça haben in der Oldenburger Kulturetage das Interkulturforum Cross Culture eröffnet.

Natalia Petrillo, Gabriele Heinen-Kljajić und Mustafa Akça (von links) setzen auf Kultur als Integrationsmöglichkeit.
Foto: Muhannad Mhisen

Oldenburg (zb) – Ob zugewandert oder alteingesessen, Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen verändern unsere Gesellschaft, und unsere Kultur muss für sie alle offen und zugänglich sein, meint Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajić, die heute in der Oldenburger Kulturetage das Regionale Interkulturforum „Cross Culture“ eröffnet hat. 115 Kultur-, Migrations- und Wissenschaftsexperten sowie Künstler diskutierten Chancen und Herausforderungen der interkulturellen Öffnung.

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„Cross Culture“ geht bereits in die zweite von insgesamt vier Runden und stellt die Frage in den Mittelpunkt, welchen Beitrag Kultur zur Integration leisten kann. „Wir formulieren keine Gebrauchsanweisungen für Kulturbetriebe, wir überlegen, wie wir alle zusammen Kultur betreiben und anbieten können, an denen Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen teilnehmen und mitwirken“, erklärt die Ministerin zu Beginn des Forums. „Es geht also darum, Wünsche und Erwartungen aller wahrzunehmen und möglichst viele zum Mitmachen zu motivieren.“

Mustafa Akça, Projektleiter „Selam Opera“ an der Komischen Oper Berlin, hat bereits Erfahrungen gemacht. Der Urberliner mit Migrationshintergrund, wie er sich selbst bezeichnet, war einst Quartiermanager in der Hauptstadt und arbeitet gegenwärtig an der Komischen Oper Berlin. Dort fiel ihm auf, dass der Kinderchor aus 80 deutschen Kindern bestand. Das änderte sich schnell, nachdem der 42-Jährige seine Kontakte nutzte, und plötzlich 300 Kinder mit Migrationshintergrund ihren Wunsch bekundeten, auch mitsingen zu wollen.

Inzwischen ist der Chor, was die Abstammung der Kinder betrifft, bunt gemischt und funktioniert prächtig. Denn schon nach kürzester Zeit begann der kulturelle Austausch unter ihnen wie selbstverständlich. Mittlerweile werden nicht nur deutsche sondern auch türkische Lieder gesungen. „Das gegenseitige Interesse an der jeweiligen Sprache ist groß und die Kinder entwickeln dabei ein gesundes Selbstbewusstsein“, berichtet Mustafa Akça.

Tatsächlich sind Menschen mit ausländischen Wurzeln in der Kultur – ob im Publikum oder als Akteur – fast überall unterrepräsentiert. Über Projekte könnten sie in die Kultureinrichtungen geholt werden, glaubt die Ministerin. Dr. Natalia Petrillo, Leiterin der Stabsstelle Integration der Stadt Oldenburg, bestätigt das. Sie setzt aber auch auf dezentrale und bürgernahe Initiativen, von denen es in der Huntestadt allerhand gibt. Gleichwohl wünscht sie sich noch mehr kulturelle Stadtteilarbeit, um vor allem auch Kinder und Jugendliche zu erreichen, die miteinander ins Gespräch kommen, sich kennen und schätzen lernen und von ihrer jeweiligen Kultur erzählen. Dabei besteht ihrer Ansicht nach die Chance, auch religiöse Differenzen zu überwinden und Grundwerte zu vermitteln.

Dass bei uns noch nicht alles rund läuft, hält Gabriele Heinen-Kljajić für ein Kommunikations- und Haltungsproblem. „Wir müssen nachfrageorientiert arbeiten und in einer ganzen Stadt oder einem ganzen Dorf kommunizieren“, sagt sie und lobt die Stadt Oldenburg für ihre zahlreichen erfolgreichen Projekte. Die Stadt habe sich früh den Herausforderungen gestellt, jetzt müssten weitere Kultureinrichtungen folgen, um allen Bewohnern eine Kulturteilhabe zu ermöglichen. Das trage zur gelungenen Integration bei, ist die Ministerin überzeugt.

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