Geschichte

Prinzenzimmer soll im alten Glanz erstrahlen

Britta Dierig löst mit einem Skalpell die einzelnen Farbschichten von der Holztür.

Britta Dierig löst mit einem Skalpell die einzelnen Farbschichten von der Holztür.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Das Prinzenzimmer im Oldenburger Prinzenpalais ist Bestandteil des Rundgangs durch die Ausstellung in der ersten Etage. Zurzeit stehen in dem besonderen Raum Baugerüste, denn es wird seit einigen Wochen restauriert. Für die Restauratorinnen Britta Dierig und Christiane Maier sowie ihre Mitarbeiterinnen ist die Arbeit etwas ganz Besonderes. „Der Qualität des Raumes ist schön, der Raum komplett erhalten und weitestgehend einzigartig“, sagen sie.

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„Der Raum ist eine Herausforderung. Hier kann nur interdisziplinär gearbeitet werden“, sagt Christiane Maier. Nach den verschiedenen Ausbildungsrichtungen wird unterschieden in materialkundlich spezialisierte Restauratoren. So hat jede von ihnen Spezialkenntnisse zum Beispiel im Bereich Holz, Wandmalerei oder Papiergrafik, um nur einige Bereiche zu nennen. Hinzu gesellt sich kunsthistorische Wissen, umfassende Kenntnisse über historische und moderne Handwerkstechniken und vor allem ruhige Hände, unendlich viel Geduld und Genauigkeit.

„Zwischen 1821 und 1826 ließ der Oldenburger Herzog Peter Friedrich Ludwig das Prinzenpalais für seine früh verwaisten Enkelsöhne errichten“, berichtet Dr. Michael Reinbold, Kurator für Kultur- und Landesgeschichte. „Es diente den Prinzen Friedrich Paul Alexander und Constantin Friedrich Peter bis 1829 als Wohnsitz. Neben zahlreichen Schlaf- und Aufenthaltsräumen durfte eines natürlich nicht fehlen: ein prunkvolles Arbeitszimmer.“ Mittlerweile ist es jedoch in die Jahre gekommen. So gibt es unter anderem Fehlstellen im Holz, Furnierabhebungen, Ausbleichungen, eingerissene Tapeten und vor allem eine starke Verschmutzung. „Die rührt aus ganz alten Zeiten“, vermuten die beiden Restauratorinnen. „Vermutlich wurde in dem Zimmer geraucht, es gab einen Ofen oder viele Kerzen.“

Christiane Maier spritzt gelartige Masse unter die bemalte Tapete.

Christiane Maier spritzt gelartige Masse unter die bemalte Tapete.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Christiane Maier fügt die gerissene Tapete wieder zusammen und bügelt sie.

Sie fügt die gerissene Tapete wieder zusammen und bügelt sie.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Das Prinzenzimmer im Oldenburger Prinzenpalais vor der Restaurierung.

Das Prinzenzimmer im Prinzenpalais vor der Restaurierung.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Um den vergleichsweise guten Zustand weiterhin erhalten zu können, wird das Prinzenzimmer restauriert. 30.000 Euro steuert das Staatliche Baumanagement bei, 70.000 Euro das Museum. Ende Januar 2017 soll der Raum in neuem Glanz erstrahlen. Doch zuvor wird er Zentimeter für Zentimeter unter die Lupe genommen. Britta Dierig hat zuerst die Holzvertäfelung und die Fenster bearbeitet. „Auf dem Holz befindet sich ein transparenter Überzug, der sogenannte Firnis“, erläutert sie. „Durch vorherige Restaurierungen ist er nicht mehr im Originalzustand. Alterung und Sonnenlicht haben dazu geführt, dass der Firnis stark vergilbt und verunreinigt ist. An vielen Stellen ist außerdem das Holz darunter vom Licht ausgeblichen.“

Ihre Aufgabe war es, die alte Firnisschicht abzutragen und durch eine neue zu ersetzen. Ziel ist es, den ursprünglichen Zustand des Prinzenzimmers möglichst wieder herzustellen oder sich ihm anzunähern. Ähnlich verhält es sich mit der Deckentapete mit ihren Ausmalungen im pompejanischen Stil. Stellenweise hatte sich die handbemalte Tapete gelöst oder war eingerissen. In filigraner Arbeit wurde sie gereinigt, befeuchtet und millimetergenau zusammengeklebt. Ganz zum Schluss soll das Eichenparkett gesäubert und mit einem Schutzüberzug versehen werden. Und auch die Türen zu dem Prinzenzimmer werden von verschiedenen Farbschichten befreit, um möglichst den Originalzustand herzustellen.

Was sich so klar anhört, ist äußerst kompliziert. „Es kann sein, dass die Verschmutzungen an einer Stelle komplett heruntergehen, andernorts aber nicht. Dann hätten wir am Ende einen Raum, der nicht zusammenpasst. Wir müssen deshalb ständig mit der Denkmalpflege und der Leitung des Hauses Rücksprache halten und abstimmen, wie restauriert werden soll“, erklärt Christiane Maier. So stehen die Restauratorinnen noch so manche Stunde auf dem Gerüst und wer Lust hat, kann ihnen beim Museumsbesuch über die Schulter blicken und ihre künstlerische Arbeit bewundern.

Dabei fällt auf, dass manches Arbeitsgerät aus der Medizin stammt. So befreit Britta Dierig gerade eine Tür mit Hilfe eines Skalpells vom Lack. Allerdings legt sie gleich mehrere Schichten frei. Christiane Maier zieht eine Spritze mit einer gelähnlichen Flüssigkeit auf, die vorsichtig unter die Tapete gespritzt wird. So lassen sich die gerissenen Stücke wieder exakt zusammenführen. Mit einer Art Mini-Bügeleisen glättet sie die bearbeitete Stelle. Zentimeter für Zentimeter arbeiten sich die Spezialistinnen voran und sehen bereits erste Erfolge. Sie können sich den Endzustand des Prinzenzimmers schon vorstellen. Die Besucher können sich im Februar ein Bild davon machen.

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1 Kommentar

  1. robert nähle
    13. Januar 2017 um 19.14

    …kommt dann zur neueröffnung! 😉