Geschichte

Jaspers Bibliothek ein Glücksfall für die Universität

12.673 Bände der einstigen Karl Jaspers Bibliothek befinden sich ab sofort in der Karl Jaspers Bibliothek in einer Villa, Unter den Eichen 22, in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Oldenburger Landtags. Das Haus befand sich lange im Besitz des Landes.

Das Haus der Karl Jaspers Gesellschaft.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg/zb – 12.673 Bände der einstigen Karl Jaspers Bibliothek befinden sich ab sofort in der Karl Jaspers Bibliothek in einer Villa, Unter den Eichen 22, in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Oldenburger Landtags. Das Haus befand sich lange im Besitz des Landes, ehe es von der EWE-Stiftung gekauft, saniert und restauriert wurde.

„Dass die Jaspers-Bibliothek jetzt im Jaspers-Haus steht, ist ein Glücksfall für die Universität Oldenburg“, finden die Professoren Dr. Gunilla Budde und Dr. Matthias Bormuth vom Vorstand der Karl-Jaspers-Gesellschaft, die in der Villa ihren Sitz hat. Denn seit dem Jaspers-Jahr 2008 wird in Oldenburg mit noch größerer Intensität zu Jaspers interdisziplinär orientiertem Werk geforscht und gelehrt.

Der Philosoph wurde 1883 in Oldenburg geboren, wo er auch das Alte Gymnasium besuchte. Nach dem Abitur studierte er in Berlin, Göttingen und Heidelberg Medizin. Doch sein Interesse galt ebenso der Philosophie, Religion, Geschichte und der Politik. „Jaspers hat fächerübergreifend gearbeitet und sich vor allem stets eingemischt. Er war ein politischer Schriftsteller“, berichtet Gunilla Budde.

Gerade weil er so arbeitete, wurde er lange Zeit von der Fachwelt nicht beachtet. Durch den Kauf seiner Bibliothek und durch die Jaspers Vorlesungen an der Universität Oldenburg 2008, an der bekannte Persönlichkeiten wie der Philosoph Jürgen Habermas teilgenommen haben, änderte sich das. Inzwischen gibt es weltweit Jaspers-Gesellschaften, die längst nicht nur den Blick auf Oldenburg gerichtet, sondern Kontakte zwecks Forschung hergestellt haben.

„Die Bibliothek ist für die nationale und internationale Jaspers-Forschung und insbesondere für die begonnene ‚Kommentierte Gesamtausgabe der Werke, des Nachlasses und der Briefe von Karl Jaspers‘ von immensem Wert“, sagt Dr. Reinhard Schulz, Professor für Philosophie. Dass Jaspers grundsätzlich mit dem Bleistift gelesen hat, macht die Bibliothek so wertvoll. Die Bücher sind voller Anstreichungen, Einlegeblätter und Notizen. Sie geben Auskunft darüber, was er gedacht hat und ihm wichtig war.

2009 gelangte die Jaspers-Bibliothek von Basel nach Oldenburg. Dr. Dr. h.c. Hans Saner, Jaspers letzter Assistent und Herausgeber der Schriften aus seinem Nachlass, hatte die Bibliothek 1974 aus dem Hause Jaspers durch Erbschaft übernommen. Er war bereit, sie für 300.000 Euro zu verkaufen. Durch das Engagement der Stiftung Niedersachsen gelang der Verkauf.

Mit Sondermitteln des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur konnte die Bibliothek komplett katalogisiert werden und ist unter anderem über einen speziellen Online-Katalog vielfältig recherchierbar. „Neben der gezielten Suche ist auch das Stöbern im Bestand entlang eines virtuellen Regals möglich“, betont Dr. Oliver Schönbeck von der Uni-Bibliothek.

„Die Karl-Jaspers-Gesellschaft will den Dialog der Wissenschaften anregen, so wie ihn Jaspers selbst im Austausch mit Medizin, Politik, Religion, Kunst und Literatur pflegte“, erläutert Bormuth. Jaspers Gedanken und Absichten sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Deshalb gibt es eine Vortragsreihe, die Jaspers Wirken allen Interessierten verständlich vermittelt, sowie Bibliotheksführungen. Darüber hinaus wird es Lesungen und Ausstellungen geben.

Über Jaspers-Fellowship sollen zudem jüngere Forscher aus aller Welt ins Karl-Jaspers-Haus eingeladen werden, um die Schätze der Bibliothek zu heben und ihre Forschungen dazu wiederum der Öffentlichkeit nahezubringen. Eigens dafür hält das Karl-Jaspers-Haus zwei kleine Wohnungen vor, so dass die Forscher im Haus leben und arbeiten können.

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