Filmfest

Filmfest: Weltpremieren der Independent-Filmszene

Filmfestchef Torsten Neumann stellte im Rahmen einer Pressekonferenz erste Details zum diesjährigen Internationalen Filmfestes Oldenburg vor.

Filmfestchef Torsten Neumann stellte im Rahmen einer Pressekonferenz erste Details zum diesjährigen Internationalen Filmfestes Oldenburg vor.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (Ann-Christin Pietsch) Oldenburger Kinofreunde können sich beim Internationalen Oldenburger Filmfestival vom 13. bis 17. September wieder auf zahlreiche Vorführungen mit Deutschland-, Europa- und Weltpremieren freuen. Neben den Premieren werden im Rahmen der Retrospektive weltbekannte Klassiker gezeigt. Filmfest-Direktor Torsten Neumann stellt heute erste Details zum Festival vor und zeigte den neuen Trailer.

Anzeige

Rund 45 Spielfilme und zirka 50 Kurzfilme werden beim Festival präsentiert. Insgesamt gibt es 70 bis 80 Vorführungen. Dazu werden wieder zahlreiche internationale Regisseure, Drehbuchautoren und Schauspieler als Besucher erwartet. Unter anderem kommt Lou Diamond Phillips, bekannt aus Filmen wie „La Bamba“ und „Schatten des Wolfes“. Er spielt in dem US-amerikanischen-Film „Quest“ vom Regisseur Santiago Rizzo mit, der beim Filmfestival seine Weltpremiere feiern wird.

Trailer: „The Road less traveled“

Für ein „Hollywood an der Hunte“ mit Empfängen, Promis und großem Kino wirbt auch wieder der diesjährige Trailer, diesmal mit einer Hommage an den Filmklassiker „Lorna“ aus den 60er Jahren. Arno Frisch, unter anderem bekannt aus dem Psychothriller „Funny Games“, hat die Hauptrolle übernommen. Deborah Kara Unger und Torsten Neumann waren wieder gemeinsam für die Regie verantwortlich und wurden von der Kamerafrau Irina Dragojevic unterstützt. Bei der Produktion der Festivaltrailer sind die drei ein eingespieltes Team. Auf mehr als 100 Leinwänden wird der Trailer ab 17. August bundesweit in Kinos zu sehen sein „Wichtig ist uns, dass die Trailer nicht nur das Festival bewerben, sondern wie kleine Filme funktionieren“, sagt Torsten Neumann. Gedreht wurde der Trailer in Oldenburg vor der Szene-Kneipe „Marvins“ und auf einer verlassenen Landstraße kurz vor Ovelgönne.

Retrospektive

Zum ersten Mal wird das Filmfest Oldenburg in diesem Jahr einen Filmproduzenten mit der Retrospektive ehren. „Edward R. Pressman ist der Produzent, der mit Filmen wie ‚Badlands‘, ‚Conan‘ und vielen weiteren die Meilensteine des amerikanischen Kinos gelegt hat“, sagt Neumann. Über 80 Filme hat Pressman in einer 50-jährigen Karriere erfolgreich produziert und erhielt zahlreiche Ehrungen. Dabei engagierte er viele neue Talente und verhalf so Filmemachern wie Brian de Palma oder Oliver Stone zu einer großen Karriere. „Im Rahmen der Retrospektive werden acht Filme als kleiner Querschnitt durch sein Leben gezeigt“, erzählt Neumann. Unter den ausgewählten Filmen werden große Klassiker wie „American Psycho“ zu sehen sein, aber auch Filme wie „Phantom of the Paradise“ von 1974 können wieder entdeckt werden. Ein Film von Oliver Stone in der Regie darf dabei nicht fehlen, weshalb „Talk Radio“ präsentiert wird. Zwar ist „Wall Street“ einer der bekanntesten Filme mit Oliver Stone in der Regie, jedoch haben diesen viele schon gesehen, weshalb „Talk Radio“ ebenso eine Wiederentdeckung ist. Der Film „The Revolutionary“ von 1970 ist noch nie zuvor in Deutschland zusehen gewesen und somit eine Deutschlandpremiere. Der Vorläufer der „Rocky Horror Picture Show“, der Film „Phantom of the Paradise“ von 1974, wird von Neumann empfohlen. Ed Pressman wird mit Ehefrau und Sohn vom 13. bis 17. September Gast des Filmfestes sein.

Filmhighlights

Torsten Neumann hatte in diesem Jahr die Qual der Wahl aus rund 1000 Filmeinreichungen.

Torsten Neumann hatte in diesem Jahr die Qual der Wahl aus rund 1000 Filmeinreichungen.
Foto: Anja Michaeli

„Wir bekommen weit über 1000 Filmeinreichungen. Darunter hochkarätige und spannende Beiträge, was zeigt, dass wir weltweit immer einen Schritt vorankommen“, erzählt Neumann. Bisher stehen acht Filme fest, in die Torsten Neumann in der heutigen Pressekonferenz einen Einblick gegeben hat.

A Violent Man, USA 2017, von Matthew Berkowitz

„Die Weltpremiere von dem Jungen Regisseur Matthew Berkowitz ist ein Boxerdrama mit einer spannenden Besetzung“, verspricht Neumann. Ex-Football-Spieler Thomas Q. Jones, bekannt aus „Straight Outta Compton“, der ehemalige Mixed-Marital-Arts-Kämpfer Chuck Liddell sind ebenso wie Denise Richards neben Charakterdarstellern wie Bruce Davison und Isaac de Bankolé zu sehen. Der Film handelt von dem noch unbekannten MMA-Fighter Ty Matthews, der als Sparringspartner den bis dato unbesiegten Champion zu Boden bringt. Ein heimlich gefilmtes Video bringt sein Leben durcheinander. Ty wird zum heimlichen Star der Branche und ihm winkt ein Meisterschaftskampf, als das Video viral geht. Als jedoch die Reporterin, die seine Geschichte groß rausbringen will, tot in ihrer Wohnung gefunden wird, gerät er unter Verdacht. Also kämpft er, um die Liebe seines Lebens, seine Unschuld und seine Freiheit.

Bernard & Huey, USA 2017, von Dan Mirvish

In der Komödie erwachsen die Comicfiguren vom Pulitzer-Preisträger Jules Feiffer zum Leben. Oscargewinner Jim Rash verkörpert Bernhard, den erfolgreichen New Yorker Junggesellen, der den Frauen die Köpfe verdreht. Als sein alter Freund Huey, Saturday Night Live Komiker David Koechner, in sein Leben tritt, fallen beide zurück in alte Muster und beginnen Frauen aus dem Leben des jeweils anderen aufzureißen. Der preisgekrönte Regisseur und Slamdance Mitbegründer Dan Mirvish machte eine Komödie über zwei Männer, die sich selbst finden, während sie sich gegenseitig um den Verstand bringen. Der Film feiert auf dem Festival seine Weltpremiere.

Crowhurst, UK 2017, von Simon Rumley

Simon Rumley war schon 2010 zu Gast und genießt Kultstatus bei Genre-und Underground Fans uns wird in seinem neuen Film mit einer neuen Facette seiner Erzählkunst bereichert, indem er eine wahre Geschichte mit dem ihm eigenen Sinn für die dunklen und bizarren Abgründe im menschlichen Wesen umsetzt. Protagonist in der Weltpremiere ist Donald Crowhurt, ein 35-jähriger, vierfacher Vater, der an der Segelregatta „Sunday Times Golden Race“ um die Welt teilnimmt. Grund dafür ist der Geldpreis, der eine Lösung seiner finanziellen Probleme verspricht. „Die Reise geht in die absolute Einsamkeit bis hin zum Wahnsinn.“, so Neumann.

Fashionista, USA 2017, von Simon Rumley

Der zweite Film von Simon Rumley feiert auf dem Filmfest Deutschlandpremiere. „Der Film erzählt eher eine Fetisch-Geschichte, die sehr interessant und spannend ist und den aktuellen Zeitgeist aufgreift“, erzählt Neumann. Als ihr Ehemann sie betrügt, übt die Secondhandshop-Besitzerin April Vergeltung. Sie beginnt ein Verhältnis mit einem reichen Narzissten mit extremen sexuellen Vorlieben. Sie flieht sich in ihre fast fetischartige Sucht nach „Fashion“ und verliert dabei sich selbst. Die Geschichte eines Fashion-Victims wird als tragische Fetisch Lovestory erzählt. Hauptdarstellerin Amanda Fuller liefere als April eine beängstigend gute Performance ab, betont Neumann.

Quest, USA 2017, von Santiago Rizzo

Als er als Zwölfjähriger vor der Gewalt seines Stiefvater, von zu Hause wegläuft, sich einer Gang anschließt und in die illegale Graffiti-Szene einsteigt, hilft ihm einer seiner Lehrer. Santiago Rizzo erzählt auf Grundlage seines eigenen Lebens eine inspirierende Geschichte, die von seinem Mentor und Lehrer geschrieben wurde. „Die Geschichte klingt kitschig, ist aber sehr gut erzählt und es ist ein sehenswerter Film geworden“, findet Neumann. Dash Mihok spielt die Rolle des Lehrers Tim Moellering mit Zurückhaltung und Eindringlichkeit und Hollywood Legende Lou Diamond Phillips glänzt als brutaler, seelisch vernarbter Stiefvater. Zur Weltpremiere wird Lou Diamond Phillips das Filmfestival besuchen.

Junk Head, Japan 2017, von Takahide Hori

Der Film feiert beim Filmfestival Europapremiere und Takahide Hori macht dabei Regie, Buch, Schnitt, Kamera, Bauten und sogar einige der Stimmen der Figuren selber. Nach sieben Jahren Arbeit werden Zuschauer bei der Europapremiere mit einem einzigartigen Stop-Motion-Epos in eine weit entfernte Zukunft und eine zutiefst berührende, menschliche Geschichte entführt. 1200 Jahre nach der Rebellion der Klone schicken die Menschen einen Expeditionstrupp tief hinunter zum Unterreich ihrer Nemesis, um wichtige Informationen zur Rettung der menschlichen Spezies zu sammeln. Dabei erfährt der Begriff „Unabhängigkeit“ eine neue Definition. „Die Einreichung dieses Films ist ein Zeichen für die gestiegene Reputation des Internationalen Oldenburger Filmfestes“, sagt Neumann.

Touched, Kanada 2017, von Karl R. Hearne

Nach seinen preisgekrönten Kurzfilmen, die bei so prestigeträchtigen Festivals wie Toronto und SXSW in Austin uraufgeführt wurden, legt Karl R. Hearne mit „Touched sein Spielfilmdebüt vor. So elegant wie gekonnt verwebt Hearne Genres zwischen Drama und Horror in dieser psychologisch ausgefeilten und emotional tiefgehenden Geschichte um zwei einsame Wesen, die ohne Liebe aufgewachsen sind. Hearne zeigt dabei die zerbrechliche Kraft der menschlichen Güte und erzählt dennoch eine Geschichte, die sich dem Genre des Thrillers bedrohlich annähert. Das außergewöhnliche Debüt feiert beim Filmfestival Weltpremiere.

Kinos

Wie im vergangenen Jahr werden die Filme in zwei Kinos der Kulturetage, theater / hof 19 und in der Exerzierhalle am Pferdemarkt gezeigt. Eine Neuerung in diesem Jahr ist, dass die Alte Fleiwa kein Spielort mehr ist. „Der Ton war hier an den Grenzen des Vertretbaren, dafür gibt es jetzt zwei Säle im Casablanca-Kino“, erzählt Neumann.

Die Eröffnung findet wieder in der kleinen EWE-Arena statt. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić, kommen zur Eröffnung. Die Mid-Festival-Gala und der Abschlussabend werden im Großen Haus des Staatstheaters gefeiert.

Zum 12. Mal ist auch die JVA wieder fester Spielort. Eröffnet wird die Spielstätte durch die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz.

Preise

Der Publikumspreis „German Independence Award“ wird 2017 zum ersten Mal durch die OLB vergeben. In diesem Jahr ist der Preis mit 2500 Euro etwas höher dotiert.

Das Advisory Board vergibt den Seymour Cassel Award. Der Jury-Preis geht an den besten männlichen Schauspieler und die beste weibliche Schauspielerin und ist undotiert.

Der „German Independence Award – bester Kurzfilm“ ist mit 500 Euro dotiert.

Kartenvorverkauf

In diesem Jahr gibt es einen neuen Ort für den zentralen Vorverkauf. Ab Montag, 4. September, können Dauerkarten, Karten für die Vorstellungen in der JVA und T-Shirts im Käthe Kaffee in der Kaiserstraße 28 in Oldenburg gekauft werden. Die Verkaufszeiten sind von Montag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr und von 15 bis 19 Uhr. Samstags können Karten von 12 bis 17 Uhr gekauft werden. Während des Festivals sind die Verkaufszeiten dann von Mittwoch bis Samstag von 10 bis 18 Uhr.

Adticket agiert wie im Vorjahr auch als offizieller Partner des Festivals, Karten können auch hier ab Montag, 4. September, gekauft werden. Der Vorverkauf für die Eröffnung startet online jedoch schon ab dem 25. August.

Finanzen

Für das Filmfestival stehen 350.000 Euro zur Verfügung. „Damit sind wir immer noch etwas wackelig aufgestellt“, so Neumann, der sich mehr Kulturförderung wünscht. Ein Förderer des Festivals ist nordmedia mit 120.000 Euro. Die städtische Förderung beträgt 60.000 Euro. Neben dem Hauptsponsor Oldenburgische Landesbank, dem Premiumsponsor EWE AG und anderen konnte in diesem Jahr auch das Modehaus Leffers gewonnen werden. Neu ist, dass ab sofort Freunde und Förderer das Internationale Filmfest unterstützen können.

Vorheriger Artikel

„Große Freiheit – liebe.lust.leben.“

Nächster Artikel

Denkmaltag: Eröffnung in Oldenburg