CDU vor Ratswahl: Harmonie mit einem Kampf und ein paar Abschieden

Die Oldenburger CDU hat ihre Listen für die Ratswahl aufgestellt. Foto: Björn Stuhr Fotografie
Oldenburg (Michael Exner) In einer harmonisch-langatmigen Versammlung mit nur einer Kampfabstimmung hat die Oldenburger CDU am Donnerstagabend ihre Listen für die Ratswahl im Herbst aufgestellt. Insgesamt 65 Männer und Frauen bewerben sich in den sechs Wahlbereichen der Stadt am 13. September um einen der wegen der gewachsenen Bevölkerung um zwei auf 52 erhöhten Sitze.
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Dass die Zusammenkunft höchst friedlich verlief, lag auch daran, dass die vor Wahlen üblichen Grausamkeiten bereits auf Stadtbezirksebene abgehandelt worden waren und ein angekündigter Aufstand ausfiel. So hatte im Stadtbezirk II (Mitte-Süd) die JU-Vorsitzende Frederike Trumpf-Müller den Co-Fraktionsvorsitzenden Christoph Baak vom Spitzenplatz verdrängt. Der ehemalige Parteichef und OB-Kandidat, der bei der 21er Wahl das drittbeste CDU-Ergebnis eingefahren hatte, verzichtete auf den Versuch, das Ergebnis auf der Versammlung zu drehen und begnügte sich (wohl im Bewusstsein seines Bekanntheitsgrades im Stadtteil und darüber hinaus) mit Rang 2.
Im Wahlbereich III (Nordwest) hatte der seit 2023 amtierende junge Parteivorsitzende Niklas Howad (35) beim ersten Anlauf zu einem Kommunalmandat Pech im Spiel. Der ehemalige Ratsherr Thomas Theilsiefje machte im den gewünschten ersten Platz streitig und sicherte sich den nach Remis-Gängen letztlich im Losverfahren. Der Parteivorstand korrigierte das im seinem Vorschlag für die Aufstellungsversammlung, die erwartete Retourkutsche fiel aus, und Parteichef Howad ist nun auch vor Ort die Nummer eins.
Im Wahlbereich IV (Nordost) hatte es im Vorfeld hinter dem unumstrittenen Vorsitzenden Stefan Menke zwischen zwei neuen Kräften Gerangel um Platz 2 gegeben, den sich dort Christoph Faurie gegen Jan Gutzeit gesichert hatte. Der Versuch des Unterlegenen, das Ergebnis umzudrehen, scheiterte. Faurie behielt nach einem 38:38 in ersten Gang mit 41:29 die Oberhand und Platz 2.
Zu derlei Parteitagen gehören nicht nur Anfänge, sondern immer auch Abgänge – und die wiegen mal mehr, mal weniger schwer. Zur ersten Kategorie gehört zweifelsfrei der Abschied der Co-Fraktionsvorsitzenden und Ex-Landtagsabgeordneten Esther Niewerth-Baumann. Die ist zwar zur Wahl gerade mal knapp 58 (in dem Alter fangen manche erst an), aber sie hatte schon vor einiger Zeit erklärt, 30 Jahre (!) im Rat seien genug. Dass die Entscheidung des Parteivorstandes, bei der OB-Wahl zugunsten des grünen Bewerbers auf einen eigenen Kandidaten zu verzichten, ihr den Schritt erleichtert hat, dementiert sie nicht. Beide Begründungen sind nachvollziehbar, für Fraktion und Rat bringt ihr Verzicht einen Verlust an Kompetenz.
Gehen wird nach 15 Jahren im Rat auch Klaus Raschke, der über lange Zeit das Gesicht der CDU im Stadtsüden geprägt hat. 76 Jahre seien ein gutes Alter zum Aufhören, sagte Raschke, der sich auf sein Amt als Bürgervereinsvorsitzender konzentrieren will.
Ihren (zumindest vorübergehenden) Abschied hat nach zehn Ratsjahren auch Annika Eickhoff erklärt und sich eher pro forma auf einen unter Erfolgsaussichten eher ungefährlichen Listenplatz gesellt. Die ehemalige Präsidentin des Studierendenparlaments und frühere Stadtbezirksvorsitzende galt stets als eine der wenigen Hoffnungen der Partei, gibt aber mit Verweis auf zwei kleine Kinder aktuell der Familie den Vorzug. Aber die Frau ist erst 34. Da kann noch was kommen – und ihre fernere Zukunft lässt sie offen.
Einen Rekord hatten die Christdemokraten noch zu vermelden. Im Wahlbereich I (Mitte-Nord) des erneut antretenden ehemaligen Partei- und Fraktionsvorsitzenden Olaf Klaukien präsentieren sie auf Platz 5 die wohl stadtweit und parteiübergreifend älteste Kandidatin: Angela Habermann ist 88.
Hier die Spitzenplätze der Wahlbereiche:
I Mitte-Nord: Olaf Klaukien vor Florian Hustede
II Mitte-Süd: Frederike Trumpf-Müller vor Christoph Baak
III Nordwest: Niklas Howad vor Daniel Kaszanics
IV Nordost: Stefan Menke vor Christoph Faurie
V Süd: Barbara Woltmann vor Mats Meerbothe
VI: Südwest: Petra Averbeck vor Hans-Georg Heß





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