Oldenburg

Beeindruckende Balzbauten sollen Weibchen locken

Bau des Archboldlaubenvogels.

Bau des Archboldlaubenvogels.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Das Balzverhalten der Laubenvögel steht im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Laubenvögel. Ein Leben auf der Bühne“, die bis zum 18. Februar 2018 im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg am Damm zu sehen ist. Balzverhalten an sich ist nichts Ungewöhnliches. Wohl aber das dieser Singvögel, die in Australien und auf Neuguinea leben und die Weibchen mit der Konstruktion faszinierender und kräfteraubender Balzbauten beeindrucken.

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„Noch nie zuvor hat sich weltweit ein Museum mit dieser Thematik befasst“, sagt Museumsdirektor und Kurator Dr. Peter-René Becker. Er befasst sich seit zwei Jahren damit und spricht von „einem der spannendsten Ergebnisse der Evolution im Tierreich.“ Die Balzbauten einiger der 20 Laubenvogelarten Neuguineas und Australiens nehmen fast unglaubliche Dimensionen und Anmutungen an. Es ist kaum zu glauben, dass die Alleen, Maibäume und Hütten, die die Präparatoren des Museums maßstabsgetreu nachgebaut haben, von Laubenvögeln errichtet werden.

Sie dienen allein dem Zweck, während der Paarungszeit die Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Ein prächtiges Federkleid oder gar schöner Gesang sind uninteressant. Hier kommt es allein auf die Konstruktion und das Dekor der Bauten an. Nah beieinander beginnen die Männchen mit ihrem zum Teil meterhohen Bauten und werden dabei von den Weibchen wie auf einer Bühne beobachtet.

Sie wiederum suchen den perfekten Architekten, das nach ihren Kriterien fitteste Männchen, das sofort nach der Paarung überflüssig ist, weil die Weibchen alleinerziehende Mütter und offenbar evolutionsstabil sind. Sie bauen das Nest selbst, legen die Eier, brüten sie aus und verpflegen ihre maximal drei Jungen alleine.

Die notwendigen Materialien für ihre Bauten sammeln die Vögel in der näheren und weiteren Umgebung oder beklauen ihre Rivalen in der Nachbarschaft. So nutzt der Hüttengärtner einen kleinen Baumstamm als Pfeiler und baut aus Moos, Ästen und Stängeln eine dichte Hütte, in die ein Mensch passen könnte. Doch damit nicht genug. Alle gefiederten Architekten dekorieren ihre Bauten mit Früchten, Federn, Glasscherben, Schnecken- und Muschelschalen, Murmeln oder Plastikteilen und bevorzugen dabei bestimmte Farbtöne. Zum Schluss malen sie es aus einem Gemisch von Speichel und Früchten an.

Peter-René Becker zeigt den Bau des Seidenlaubenvogels, der seinen Balzbau ganz in blau gestaltet.

Peter-René Becker zeigt den Bau des Seidenlaubenvogels, der seinen Balzbau ganz in blau gestaltet.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Die architektonischen Fähigkeiten sind indes nicht angeboren, wie Becker berichtet. Die jungen noch nicht geschlechtsreifen Männchen lernen von den älteren und beobachten ihr Treiben sehr genau. Bis zu 27 Jahre beträgt ihre Lebensdauer in freier Natur. Das Landesmuseum zeigt erstmals alle Laubvogelarten einschließlich ihrer imposanten Balzbauten. Die Ausstellung zeigt zudem Filmmaterial, das die Vögel bei ihren Bau- und Dekorationsmaßnahmen zeigt und so ein eindrückliches Bild eines der aufwändigsten Balzverhalten im Tierreich vermittelt.

Wird das Balzverhalten beobachtet, entstehen unweigerlich vermeintliche Parallelen zum menschlichen Verhalten. Die Ausstellung fragt deshalb auch, welche Merkmale wir bei anderen Menschen attraktiv finden. Macht, Sportlichkeit, Intelligenz, Romantik? Die Besucher können einen Catwalk entlanggehen und dann feststellen, wie wenige Gemeinsamkeiten das menschliche Verhalten mit dem tierischen hat.

„Laubvögel. Ein Leben auf der Bühne“ vereint das Staunen über Ästhetik im Tierreich mit der Diskussion über Intelligenz, Sinn für Schönheit und Zielgerichtetheit tierischen Tuns. Auch unser Verständnis von künstlerischem Handeln wird betrachtet, denn der „Kunstsinn“ der Laubenvögel irritierte auch die Welt der Kunst, wie im Begleitband zur Ausstellung nachzulesen ist. Zu der Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm für Kinder und Erwachsene.

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