Patientenschützer warnen vor Aufgabe der Kontaktnachverfolgung

Gesundheitsamt, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Patientenschützer haben Überlegungen kritisiert, auf die weitere Kontaktnachverfolgung in der Corona-Pandemie durch die Gesundheitsämter zu verzichten. „Mit diesem Richtungswechsel entgleitet Deutschland erst recht die Pandemiebekämpfung“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der „Rheinischen Post“. Über sechs Millionen Menschen der Hochrisikogruppe lebten verstreut über das ganze Land.

„Es sind nicht nur drei Millionen Pflegebedürftige daheim, sondern beispielsweise auch akut Krebs- und Lungenkranke, die zu Hause leben.“ Brysch forderte eine Befassung des Bundestages mit dem Thema. „So muss hier auch geklärt werden, warum es nicht gelingt, den öffentlichen Gesundheitsdienst krisenfest zu machen. Das käme einem öffentlichen Offenbarungseid gleich“, sagte er. Unversehrtheit und Lebensrecht seien Grundrechtsfragen. Allein die Mitglieder des Bundestages seien legitimiert, Prioritäten festzulegen Die Diagnosen der Menschen in der Hochrisikogruppe stünden nicht auf Klingelschildern. „Es ist nicht zu fassen. Eindringlich wiederholen Experten monatelang, auch des öffentlichen Gesundheitsdienstes, dass die Einzelfall-Nachverfolgung unverzichtbar sei. Genau dafür ist zusätzliches Personal der Gesundheitsämter notwendig“, kritisierte Brysch. In Berlin wurde aufgrund überlasteter Gesundheitsämter eine Regel festgesetzt, wonach Betroffene bereits ab Kenntnis einer Infektion oder eines möglichen Kontakts mit einem Infizierten rechtlich dazu verpflichtet sind, sich selbst in Quarantäne zu begeben. Damit soll sichergestellt werden, dass trotz zeitlicher Verzögerungen bei der Information und Kontaktnachverfolgung durch die Ämter die nötigen Eindämmungsmaßnahmen erfolgen. Bei der Kontaktnachverfolgung kümmern sich die Gesundheitsämter ab sofort schwerpunktmäßig um Ausbrüche im Umfeld von besonders gefährdeten Risikogruppen etwa in Altenheimen und Krankenhäusern.

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Foto: Gesundheitsamt, über dts Nachrichtenagentur

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